29. Dezember 2020, 07:00 Uhr

Handball

HSG Wetzlar mit ordentlicher Zwischenbilanz

Die HSG Wetzlar begeht den Jahreswechsel 2020/21 mit einem guten Gefühl. Der 36:29-Erfolg nach 15:20-Rückstand bei Tusem Essen sorgt für eine ordentliche Zwischenbilanz.
29. Dezember 2020, 07:00 Uhr
Geschafft! Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar freuen sich im Hintergrund über das 36:29 zum Jahresabschluss bei Neuling Tusyem Essen. FOTO: EIBNER

HSG Wetzlar


»Den Start in die zweite Hälfte haben wir verpennt und lagen richtig böse hinten«, kommentierte Trainer Kai Wandschneider die Phase vom Halbzeit-15:16 zum 15:20 (33.) bzw. 18:23 (40.) bei Neuling Tusem Essen, ehe am Ende zum Jahresabschluss 2020 doch noch ein überdeutlicher 36:29-Auswärtserfolg zu Buche stand. »Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft, die diese Moral bewiesen hat«, ergänzte der 61-Jährige, »ich freue mich über die 17:15 Punkte. Die Mannschaft hat wieder gezeigt, dass sie auch ohne Unterstützung in der Lage ist, sich aus eigener Kraft zu befreien.«

Wie schon vier Tage zuvor, als nach einem 5:12-Fehlstart dem ambitionierten SC Magdeburg in eigener Halle noch ein 24:24 abgerungen worden war. Nicht immer, aber immer öfter.

Die Wettkampfhärte: Bei Tusem Essen am Sonntag hatte sich die HSG Wetzlar zunächst anfällig gegen die schnelle Mitte der Gastgeber gezeigt, vergab bis zur 40. Minute u. a. durch Emil Mellegard etliche freie Wurfchancen, schloss entweder unvorbereitet oder mit technischen Fehlern ab. Die Umstellung auf eine 4:2-Abwehrvariante mit Philip Henningsson als Stabilisator, die wachsende Treffsicherheit von Rechtsaußen Kristian Björnsen, der unermüdliche Eins-gegen-eins-Einsatz von Olle Forsell Schefvert sowie die Rückraum-Option Ivan Srsen für Stefan Cavor wendete vom 18:23 (40.) bis zum 29:25 (50.) binnen zehn Minuten das Blatt. Der Rest war Formsache bzw. eine spielerische HSG-Kür mit sehenswerten Gegenstößen und Kempa-Treffern.

Einen wesentlichen Unterschied zu Tusem Essen, der in der Endphase deutlich wurde, brachte Trainer Kai Wandschneider noch auf das Trapez: »Wir haben die Wettkampfhärte, die in der 1. Liga verlangt wird.« Dem Tusem-Team von Jungtrainer Naji fehlte diese, nachdem es sich zuvor 40 Minuten lang ausgepowert hatte.

Die Zwischenbilanz: In den Wirren der zuschauerlosen Corona-Saison ist der aktuelle siebte Tabellenplatz zwar nicht mehr als eine Momentaufnahme und der Abstand zu Rang 14 (HC Erlangen, 13:17 Punkte) auch nicht allzu groß, die letzte gemeinsame Spielzeit mit dem scheidenden Trainer Kai Wandschneider bestätigt aber nachhaltig die Zugehörigkeit der Mittelhessen zum Erstliga-Establishement.

Einige Wetzlarer Spieler sind direkt im neuen Jahr schon wieder mit ihren Nationalmannschaften in den Qualifikationsspielen zur Europameisterschaft 2022 unterwegs, Anton Lindskog und Kristian Björnsen reisen zudem mit Schweden bzw. Norwegen nach Ägypten zur Weltmeisterschaft.

Nach 16 absolvierten Partien, den meisten aller Erstligisten zusammen mit dem TBV Lemgo Lippe, hat die HSG Wetzlar einmal mehr eine ordentliche Bilanz vorzuweisen. Nach der WM-Pause wird Anfang Februar die Vorrunde mit den Partien gegen HC Erlangen, bei HSG Nordhorn-Lingen und gegen TSV Hannover-Burgdorf abgeschlossen, daran schließt sich nahtlos der Rückrundenstart bei den Eulen Ludwigshafen an.

Die Corona-Spielzeit verlangt allen Erstligisten bis zum spätesten Saisonende aller Zeiten am 27. Juni (!) alles ab.

Nach den bislang gezeigten Leistungen u. a. beim 31:22 gegen THW Kiel oder dem bemerkenswerten 30:25 über TVB Stuttgart dürften abermals keine Zweifel am Wetzlarer Erstliga-Klassenerhalt bestehen.

Das Spielerzeugnis: Das »Halbjahres-Zeugnis« kann sich für Wetzlarer Verhältnisse einmal mehr sehen lassen, die Leistungen der Etablierten schwankten dabei wie gewohnt von »sehr gut« bis »ausreichend«. Von den Neuzugängen zeigen Philip Henningsson in der Defensive, Magnus Fredriksen als künftiger Regisseur, Linkshänder Ivan Srsen und Linksaußen Emil Mellegard dank ruhiger Trainer-Hand mittlerweile echte Einsatz-Optionen auf. Kreisläufer-Backup Patrick Gempp benötigt nach langer gesundheitlich bedingter Pause noch Zeit zur Akklimatisierung. Rechtsaußen-Backup Lars Weissgerber muss sich weiter hinter Kristian Björnsen einordnen. Alexander Feld hat Standby-Spielmacher Filip Mirkulovski noch einmal das Feld überlassen müssen. Und auch beim zuletzt stark verbesserten Schweizer Lenny Rubin darf es aus der Distanz durchaus noch etwas mehr sein.

Der Ausblick: Die spannensten Fragen in den kommenden fünf Wochen aber stellen sich auf dem Personalsektor. Hier stehen die Entscheidungen darüber an, ob die HSG Wetzlar die Zusammenarbeit mit Kristian Björnsen und Olle Forsell Schefvert, deren Verträge im Sommer auslaufen, verlängern kann. Falls nicht, müssten die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt selbst noch einmal aktiv werden, um Wandschneider-Nachfolger Benjamin Matschke ab 1. Juli 2021 einen ansprechenden Kader zur Verfügung zu stellen. Zumal auch Alexander Feld mit seiner aktuellen Situation alles andere als zufrieden sein dürfe.

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