20. Februar 2021, 11:30 Uhr

Handball

HSG Wetzlar findet Lösungen

Ob eine 5:1-, 3:3- oder offensiv interpretierte 6:0-Abwehr der TSV Hannover-Burgdorf. Die HSG Wetzlar hatte bei der 26:24-Rückkehr in den Bundesliga-Spielbetrieb Antworten.
20. Februar 2021, 11:30 Uhr
Mutig aus der Distanz: Lenny Rubin (44) überwindet den Burgdorfer Block mit Ilija Brozovic. FOTO: VOGLER

HSG Wetzlar


Die Handschrift des spanischen Trainers Carlos Ortega beim Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf ist unverkennbar. Selbst seine extrem junge Mannschaft lässt der Iberer für den Handball unüblich hoch verteidigen, vergleichbar den Münchner Fußball-Bayern bei ihrem Vorjahres-Triumphzug. Da können die Experten das offensive System schon einmal unterschiedlich zum 5:1, 3:3, 3:2:1 oder gar 6:0 interpretieren - es stellt an die Kontrahenten in jeder Form höchste Ansprüche im Spielaufbau.

Bei der Rückkehr in den Bundesliga-Spielbetrieb 2021 blieb die HSG Wetzlar dennoch siegreich. Weil - man erinnert sich an genau diese Probleme der deutschen Nationalmannschaft bei der WM im Januar im verlorenen Hauptrunden-Match gegen Spanien (!) - von der Spielmacherposition aus über Magnus Fredriksen Lösungen gefunden wurden, weil die Außen exakt in den richtigen Momenten Ein- und Hinterliefen, weil die Halben Stefan Cavor und Lenny Rubin die Nahtstellen suchten und fanden, weil Patrick Gempp am Kreis »intelligent« mitspielte. »Wir wollten mit unsere extrem offensiven Deckung den Wetzlarer Spielfluss unterbrechen«, sagte der fünffache Burgdorfer Torschütze Ivan Martinovic dazu, »Wetzlar hat das aber sehr gut gelöst.«

Es war kein perfektes, aber ein bemerkenswertes Pflichtspiele-Comeback der Grün-Weißen, die in der Statistik u. a. den Überzahl- (6:3), den Wurfquoten- (70:59 Prozent), den Torhüter- (31:21 Prozent) und den Feldtor-Vergleich (25:19) für sich entschieden.

»Wir haben den Ball laufen lassen«, freute sich Wetzlars Taktikfuchs Kai Wandschneider über sein aufgegangenes Rezept, das sein Team trotz anfänglichem 5:8-Rückstand (15.) gut umsetzte und beim 20:16 durch Anton Lindskog (40.) zurück in der Erfolgsspur war.

Die Rhythmus- und Abstimmungsprobleme nach der langen Pause machten sich in Form von technischen Fehlern unter dem Strich bei dem jungen Team der Niedersachsen - nicht ganz unerwartet - stärker bemerkbar, woraus u. a. erfolgreiche Wetzlarer Gegenstöße zum 9:9 (17. Holst) und 10:9 (18. Björnsen) resultierten. Youngstern wie Veit Mävers, Martin Hanne oder Vincent Büchner gehört bei den Niedersachsen aber die Zukunft. »Am Ende«, so Hannovers Nationalspieler Fabian Böhm, »waren wir nicht clever genug.« So bleiben die Niedersachsen auswärts in dieser Saison bislang weiter sieglos.

Im Gegensatz zur HSG Wetzlar, die mit mehr Routine und Disziplin, wie der achtfache Torschütze Stefan Cavor bekräftigte, punkten konnte.

Im Wetzlarer Innenblock ersetzen phasenweise Philipp Henningsson oder gar Lenny Rubin das Duo Lindskog/Forsell Schefvert ordentlich. Der baumlange Schweizer tat sich vor allem aber im Angriff mit großem Spielverständnis und mutigen Würfen aus der Distanz hervor. Und da auch Till Klimpke im Tor nach dem Wechsel viele gute Szenen hatte, blieb als einziger Wermutstropfen der Partie für Torhüter Tibor Ivanisevic (siehe unten) und Rückraum-Allrounder Alexander Feld nur der Platz auf der Bank.

Bestätigt: Ivanisevic nach Gummersbach

Handball-Erstligist HSG Wetzlar hat den Wechsel von Torhüter Tibor Ivanisevic zum (Noch)-Zweitligisten VfL Gummersbach bestätigt. Die Zusammenarbeit mit dem 30-jährigen Serben endet im Sommer somit einvernehmlich ein Jahr vor dem eigentlichen Vertragsende. Ivanisevic war - wie berichtet - mit dem Wunsch nach einem vorzeitigen Vereinswechsel auf die Verantwortlichen zugekommen. Über die finanziellen Rahmenbedingungen, die ein solch vorzeitiger Wechsel mit sich bringt, wurden keine Angaben gemacht.

»Die bisherige Zeit in Wetzlar war eine großartige Herausforderung und Schule für mich, allerdings habe ich den Wunsch, alles, was ich hier gelernt habe, in mehr Spielzeit zwischen den Pfosten anzuwenden und in einem neuen Umfeld so eine andere Rolle einzunehmen«, sagt Ivanisevic zu den Wechselgründen.

Ivanisevic war im Sommer 2018 vom dänischen Spitzenclub Skjern Handbold an die Lahn gewechselt, um seitdem gemeinsam mit Eigengewächs Till Klimpke das Torhütergespann der Grün-Weißen zu bilden. Bereits nach wenigen Spielen als Nummer eins im HSG-Tor verletzte sich Ivanisevic im Auswärtsspiel in Stuttgart schwer am Knie und fiel mehrere Monate aus. In dieser Zeit nahm die sportliche Entwicklung von Nachwuchskeeper Klimpke rasante Geschwindigkeit auf. Der 22-Jährige wurde zum Leistungsträger und deutschen Nationalspieler.

Wetzlars verantwortlicher Torwarttrainer Jasmin Camdzic. »Er ist jetzt 30 Jahre alt und in einem Alter, in dem man als Torhüter viel spielen und seine Erfahrung für die Mannschaft einbringen sollte. Tibor ist es wichtig, eine solche Rolle einzunehmen. Das ist für ihn hier bei uns aber nicht möglich, da sich Till Klimpke toll entwickelt und die Position als Nummer eins übernommen hat.« Zur Neubesetzung, für die nach GAZ-Informationen Anadin Suljakovic aus Aue zurückkehren soll, sagt Camdzic: »Wir haben ein klares Profil für die Neubesetzung der Position und werden in Ruhe schauen, wer am besten zu uns passt.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Deutsche Nationalmannschaften
  • HSG D/M Wetzlar
  • HSG Wetzlar
  • Handball
  • Iberer
  • Kai Wandschneider
  • Lahn
  • Mut
  • VfL Gummersbach
  • Ralf Waldschmidt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen