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Hoffnungen der Gießen 46ers ruhen auf Ex-NBA-Spieler

Den Gießen 46ers ist kaum ein Vorwurf zu machen: Sie haben sich in Ludwigsburg mächtig reingekniet und die BBL-Partie beim Ligaprimus bis 69 Sekunden vor Schluss offen gehalten. Die Hoffnungen ruhen nun auf Diante Garrett.
01. Februar 2021, 09:00 Uhr
Wolfgang Gärtner
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Nachdenkliche Blicke bei »Big« John Bryant (l.) und Bjarne Kraushaar nach der Niederlage der Gießen 46ers in Ludwigsburg. FOTO: IMAGO

Die Leistung und Einstellung stimmte, aber das Resultat nicht. Erneut zeigten die Gießen 46ers gegen einen Favoriten - immerhin Spitzenreiter der Basketball-Bundesliga - eine beachtliche Vorstellung. 69 Sekunden vor dem Abpfiff lagen sie nur mit acht Punkten hinten (85:93). Letztlich belohnte sich aber die Mannschaft von Trainer Rolf Scholz beim 85:99 (44:50) bei den Riesen Ludwigsburg nicht und fuhr in der späten Samstagnacht frustriert an die Lahn zurück. Fakt ist: Siege müssen her, sonst kommen die Mittelhessen nicht aus dem Tabellenkeller heraus.

Die ständigen Niederlagen gehen an die Substanz - und stecken in den Köpfen drin. »Ein Sieg würde uns jetzt einmal guttun«, weiß Scholz, auf welchem mentalen Level sich seine Protagonisten momentan bewegen. Das Selbstbewusstsein ist angeschlagen.

Nur gut, dass er mit Diante Garrett noch einen Hoffnungsträger in der Hinterhand hat, der nach seiner Quarantäne in dieser Woche ins Teamtraining einsteigen wird und sicherlich auf den Einsatz am Samstag gegen die Merlins Crailsheim brennt. »Er wird uns sofort helfen«, macht Scholz Mut. Der Eurocup- und NBA-erfahrene Playmaker muss dem schwächelnden Backcourt Stabilität geben und dafür sorgen, dass beim Ballvortrag und im Spielaufbau die Fehlerquote klein gehalten wird. Letztlich waren es die vielen Ballverluste der Gießener, die sie in Ludwigsburg killten. 16-mal verloren sie die Kugel. Das spielte den aggressiv agierenden Riesen in die Hände, die daraus meist einfache Punkte erzielten. Ihre eigenen Turnover hielten sie dabei in Grenzen (5).

»Wir wussten, dass die Ludwigsburger mit enormem Druck spielen. Trotzdem haben wir uns nach einem starken Beginn zu einfachen Ballverlusten hinreißen lassen«, betreibt Scholz Ursachenforschung. Wie recht er hatte!

Einem bärenstarken ersten Viertel der 46ers (28:22) mit einem auftrumpfenden John Bryant, der zehn Punkte und zwei Rebounds auflegte, folgten katastrophale fünf Anfangsminuten im zweiten Quarter. In dieser Sequenz waren die Gäste nicht anwesend, was möglicherweise auch an der veränderten Line-up lag. Mit einem 20:4-Lauf katapultierten sich die Riesen zum zwischenzeitlichen 42:32. Erst als Scholz seinen Starting-Center Bryant und den bis dahin stark aufspielenden Thomas wieder zusammen mit James jr. auf dem Feld hatte, festigte sich der Abwehrverbund - und im Angriff erhielt wieder Geduld und intelligentes Teamspiel Einzug. Die Befürchtung, dass sich Gießen von Ludwigsburg überrollen lässt, trat nicht ein. Beim 44:50 waren die Lahnstädter wieder dran am Spitzenreiter.

Doch die 46ers kamen nicht so richtig in Schwung. Ludwigsburg erhöhte die Intensität - und Jordan Hull machte zu Beginn der dritten zehn Minuten mit seinem Gegenspieler Jonathan Stark, was er wollte: Seine Ausbeute: neun Punkte in Folge. Beim 60:78-Rückstand nach Viertel drei schien für die nun immer fehlerhafter agierenden Gießener nichts mehr drin zu sein.

Aber das Team von Scholz gab nicht auf, bewies eine Menge Moral und kämpfte sich zurück. Nun trumpfte der bisher kaum in Erscheinung getretene Alen Pjanic auf, der zusammen mit Brandon Bowman den furiosen 20:8-Lauf zum 80:86 (37. Minute) startete. Maßgeblich dafür war aber auch die von Scholz angeordnete kleinere Aufstellung der Gießener, die im vierten Viertel gänzlich ohne den bis dato überragenden Bryant agierte. »Wir haben lange dafür gebraucht, um uns auf die kleine Line-up der Ludwigsburger einzustellen«, konstatiert Scholz.

Es blieb eng. Nach einem Bowman-Dreier beim 85:93 (bei Restspielzeit 69 Sekunden) kam nochmals Hoffnung im Gießener Lager auf. Doch Lukas Herzog brachte mit zwei erfolgreichen Dreiern den Sieg für Ludwigsburg zu Ende. Die 46ers erhielten zwar für ihren couragierten Auftritt Lob aus aller Munde - ein Erfolg wäre ihnen aber lieber gewesen.

Und die kommenden Aufgaben werden für den Tabellenletzten nicht leichter. Wie gesagt: Am Samstag erwarten sie die Überflieger aus Crailsheim in der Osthalle, am 9. Februar kommt es in Würzburg zum Aufeinandertreffen mit dem Ex-Trainer Denis Wucherer und den ebenso um den Klassenerhalt kämpfenden Franken, ehe am 12. Februar bereits das Rückspiel in Oldenburg ansteht und nur 48 Stunden später die Hamburg Towers in der Osthalle gastieren.

Ludwigsburg: Hulls (15 Punkte), Jacob Patrick (2), Smith (20), Brown (15), Johannes Patrick, Herzog (15), Radebaugh, Polas Bartolo (14), Wohlfahrt-Bottermann (9), Rodriguez (7), Darden (2).

Gießen: Stark (13), Hamilton (3), Kraushaar (5), Köpple, Pjanic (8), Uhlemann, Bowman (18), Brown, James Jr. (7, 10 Rebounds), Thomas (11), Bryant (20, 7) - Viertelergebnisse: 22:28, 28:16, 28:16, 21:25.

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