Lokalsport

HFV erteilt Playoffs eine Absage

Hessens Fußballer halten an der Doppelrunde fest. Wie in der Vorsaison ist der Saisonabbruch (mit Quotientenregel) die Exit-Option. Henry Mohr und Frank Heller sind damit nicht zufrieden.
30. November 2020, 07:00 Uhr
Christoph Sommerfeld

Zwei Szenarien bleiben den hessischen Amateurfußballern im Grunde für eine mögliche Fortsetzung der Spielzeit 2020/21. Das ergab die virtuelle Vorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbands am Samstag, an der neben HFV-Präsident Stefan Reuß und Verbandsfußballwart Jürgen Radeck auch die Kreisfußballwarte der 32 hessischen Kreise teilnahmen - u. a. Henry Mohr (Gießen) und Frank Heller (Alsfeld).

Dabei wies Vizepräsident Torsten Becker darauf hin, dass »ein Wechsel des Spielsystems der Senioren innerhalb dieser Saison ausgeschlossen«, ist. Er erklärte weiter: »Es wird keinen Spurwechsel geben. Der Verband möchte in keinen laufenden Wettbewerb eingreifen und Meisterschafts- oder Abstiegsfragen beeinflussen.« Da man bei der Entscheidung über eine Fortsetzung von der Erlaubnis der Behörden abhängig ist, kann ein Saisonabbruch (vermutlich unter Anwendung der Quotientenregel) nicht ausgeschlossen werden. Damit verbleiben praktisch nur zwei Möglichkeiten: Fortsetzung der Doppelrunde mit Saisonende bis Juni oder Abbruch (wann auch immer).

Noch vor dem virtuellen Treffen standen Modelle im Raum, die Jürgen Radeck mit seinen Kollegen im Verbandsspielausschuss diskutiert hatte. Dabei war u. a. von einer Annullierung der Saison, einer Wertung nach einfacher Runde sowie von Playoffs die Rede. Diesen Modellen erteilten die Juristen nun offensichtlich eine Absage und wiesen auf die rechtliche Angreifbarkeit hin.

Im Gegensatz zur Vorsaison sind hessenweit - auch bei Anwendung der Quotientenregel - nicht nur Aufsteiger, sondern auch Absteiger zu ermitteln.

Henry Mohr und Frank Heller zeigten sich nicht gerade glücklich über die Entscheidungen vom Samstag. »Wir reden nicht mehr über Fußball, nur noch über juristische Dinge. Ich bin schon ein bisschen enttäuscht darüber, dass wir jetzt kaum noch flexibel sind«, sagte der Gießener Kreisfußballwart. Dabei hatten sich die HFV-Oberen gerade eine möglichst große Flexibilität bei der weiteren Saisonplanung als Ziel gesetzt. »Ich glaube nicht, dass bei uns im Kreis auch nur ein Verein Klage erhoben hätte, wenn wir Playoffs gespielt hätten«, ließ Mohr wissen. Die avisierten Auf- und Abstiegsrunden hätten vermutlich eine Spieltagsgestaltung ermöglicht, die nur eine Partie pro Woche vorsieht. »Auf normalem Wege die Saison zu beenden, halten ich für unmöglich«, so der Kleinlindener.

Sein Amtskollege aus dem benachbarten Kreis stößt ins gleiche Horn: »Wenn wir von Mitte März bis Mitte Juni spielen, kommen wir - bei einer Partie pro Woche und ein paar Terminen an den Feiertagen - vielleicht auf 15, 16 Spieltage. Das reicht aber nicht. Viele Vereine müssen noch weit über 20 Begegnungen absolvieren«, beklagt Frank Heller, der davon ausgeht, dass vor März nicht gespielt wird. Dafür spricht in Mittelhessen, vor allem im Vogelsberg, auch die vergleichsweise geringe Zahl an Kunstrasenplätzen, die rund um Frankfurt weitaus höher liegt. Allein witterungsbedingt ist von weiteren Absagen auszugehen - erst Recht bei einem Re-Start im Januar.

»Wir waren bei der Saisonplanung im Sommer vielleicht auch ein bisschen blauäugig, Funktionäre und Vereine. Man hätte sich vor Saisonbeginn ja auf Playoffs festlegen können«, räumte Heller ein.

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