08. April 2021, 16:00 Uhr

Fußball

Hessenligisten sehnen sich nach Normalität

Die Fußball-Saison ist abgebrochen worden - wann die neue Runde beginnt, ist offen. Schwierige Zeiten auch für die Hessenligisten FSV Fernwald und SC Waldgirmes.
08. April 2021, 16:00 Uhr
Fernwalds Trainer Daniyel Bulut (r.) und sein Waldgirmeser Kollege Mario Schappert hoffen, dass man im Mai wieder in einen Trainingsbetrieb zurückkehren kann. ARCHIVFOTO: FRO

Die Fußball-Saison 2020/2021 in Hessen ist wegen der Corona-Pandemie abgebrochen worden. Das Präsidium des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) kündigte am 27. März an, einen entsprechenden Antrag auf Saisonabbruch und Annullierung zu stellen. Aber was machen die Vereine nun?

Im Vorjahr wurde in Hessen die Fußball-Saison 2019/2020 abgebrochen - mit einer Quotientenregelung für den Aufstieg - auch die Spielzeit 2020/2021 wird abgebrochen - und annulliert. Es wird - mit Ausnahme der Hessenligen - keine Auf- und Absteiger geben. Doch was machen die Vereine jetzt? Beispielsweise in der Hessenliga.

Der Sportkreis Gießen wird in Hessens höchster Liga vom FSV Fernwald vertreten. »Es ist spannend, man sitzt da und wartet ab«, sagt FSV-Trainer Daniyel Bulut. Seine Truppe ist eventuell im Hessenpokal doch noch mal im Einsatz, der HFV hatte angekündigt, die jeweiligen Pokal-Wettbewerbe austragen zu wollen. Sollte das möglich sein, dann treffen die Fernwälder im Achtelfinale auf den Regionalligisten FSV Frankfurt. Zweiter heimischer Vertreter ist in diesem Wettbewerb der gleichfalls in der Regionalliga Südwest beheimatete FC Gießen, der bei Hessenligist SG Fulda/Lehnerz antreten würde.

»Es ist ja noch genügend Zeit, es muss nur vor der ersten Runde im DFB-Pokal alles gespielt sein«, sagt Daniyel Bulut. Derzeit hofft er natürlich, dass man wieder irgendwann Trainingsbetrieb machen kann. »Es ist ganz wichtig, so früh wie möglich wieder anzufangen. Einfach deswegen, damit die Fußballer wieder reinkommen«, spielt er auf den Hessenpokal an. Wann das sein wird, ist offen. Fernwalds Trainer hofft, dass man vielleicht »im Mai, wenn das Wetter besser ist«, wieder reguläres Fußballtraining anbieten kann. Das kann Bulut immerhin für den DFB-Stützpunkt Gießen für den Nachwuchs anbieten. »Die Jungs machen das sehr gut, die kommen mit dem Mund-Nasen-Schutz auf den Platz.«

Sorgen macht sich der 40-Jährige aber grundsätzlich für den Amateurbereich. »Es ist schwieriger geworden, Talente zu sichten«, spielt er auf die nur wenigen Punktspiele der Runde an. »Wenn du in der Gruppenliga einen Akteur gehabt hast, der vielleicht 15 Tore erzielt hat, dann hast du gesagt, den laden wir mal zu einem Probetraining ein. Das fällt aber flach. Das ist schon ein Problem für Vereine der Hessenliga, Verbandsliga oder Gruppenliga.« Dennoch würden nicht nur dem FSV Fernwald aktuell »viele Spieler angeboten. Aber insgesamt wird das Wechseltheater kleiner ausfallen.«

Der Hessenligist wird im Großen und Ganzen auf seine bewährten Kräfte bauen. »Die sportliche Leitung kümmert sich darum, aber entweder am Telefon oder in einem Zweier-Treffen. Die Spieler wissen, dass es momentan nicht anders geht. Das hat auch überhaupt nichts mit mangelnder Wertschätzung zu tun«, so der Verwaltungsfachwirt.

Aus dem aktuellen Kader haben mit Lucas Burger, Julian Bender, Mirko Freese, Louis Goncalves, Tim Richter, Samuel Sesay, Brian Mukasa, Mica Hendrich, Agon Dervishi, Nils Schäfer, Tom Sinkel, Deniz Vural und Kevin Göbel bereits 13 Spieler für die kommende Saison zugesagt. Als Zugänge stehen außerdem fest: Patrick Markiewicz und Hoang-Nam Luc - zwei Spieler von der TSG Wieseck. Beide hatten in der U17 bereits Einsätze in der Junioren-Bundesliga. Während Markiewicz für den Nachwuchs des Bundesligisten Eintracht Frankfurt am Ball war, kam Luc für die Junioren des Zweitligisten VfL Bochum zum Einsatz.

Liga-Kontrahent SC Waldgirmes, der in der ersten Runde des Hessenpokals mit 2:4 am FSV Fernwald gescheitert war, setzt seit Jahren auf Kontinuität. So auch für die neue Spielzeit, quasi der komplette Kader hat bereits seine Zusage für die neue Runde gegeben. Mit Claudius Fürstenau (vom Verbandsligisten FC Waldbrunn) haben die Lahnauer ein begehrtes Talent verpflichten können. Während der FSV Fernwald noch die Hoffnung hat, zumindest noch ein Pflichtspiel bestreiten zu können, ist diese für den SC Waldgirmes illusorisch.

»Ich habe meine Meinung mehrfach geändert, es war kein Land in Sicht«, beschreibt Mario Schappert seine Gefühlslage. Die Spieler hätten zunächst individuelle Pläne erhalten, um sich fit zu halten. »Als es dann schien, dass wieder Land in Sicht ist, wollten wir natürlich auch wieder loslegen«, führt der Lehrer weiter aus. Doch das erwies sich angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen als Trugschluss, ehe nun zuletzt die Fußball-Saison in Hessen abgebrochen wurde. Allerdings hat man beim SC Waldgirmes ohnehin ein weiteres Problem, die Sportplätze in Waldgirmes selbst sind aktuell geschlossen, Training also ohnehin nicht möglich. Sollte ein regulärer Trainingsbetrieb wieder möglich werden, dann hat Schappert klare Vorstellungen: »Ich stelle mir vor, dass wir dann irgendwas auf dem Weg bringen, dass wir uns zunächst ein-, zweimal die Woche treffen, um ein bisschen zu kicken.« Für ihn ist - sofern es grünes Licht geben sollte - normales Training noch weit weg. »Es geht darum, dass man sich wieder treffen kann.«

Schappert hofft - wie Bulut auch - dass man vielleicht im Mai wieder auf den Platz kann. Der 35-Jährige hat aber grundsätzlich seine Zweifel, wie man die neue Saison starten kann. Denn die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass der TSV Eintracht Stadtallendorf und der FC Bayern Alzenau aus der Regionalliga Südwest absteigen, zudem müssen auch der FC Gießen und der KSV Hessen Kassel um den Liga-Erhalt kämpfen. Sollte es tatsächlich zu vier Absteigern kommen, dann würde die Hessenliga auf 24 Teams anwachsen, sofern nicht dem Hessenliga-Spitzenreiter SG Fulda/Lehnerz das Aufstiegsrecht eingeräumt wird. Aber auch mit 23 Vertretern sieht Schappert extreme Schwierigkeiten. »Das ist kaum zu schaffen, das hat man ja schon in der Spielzeit 2020/2021 gesehen, als wir eine lange Zeit einen Mittwoch-Samstag-Rhythmus hatten.« Wie sich das darstellen wird, das wird sich wohl erst im Mai, eher Juni, entscheiden. Bis dahin hofft Schappert aber, dass man wieder ein Stückchen weit zurück in die Normalität zurückkehren kann.

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