30. Dezember 2020, 23:03 Uhr

Basketball: Gießen 46ers

Herzschlagfinale in der Osthalle mit Happy End

Beim 75:74 (41:30) der Gießen 46ers über Frankfurt fehlte es zwar an Zuschauern, nicht aber an Spannung und Emotion. Brandon Thomas hielt den Bundesliga-Sieg mit einem Big Play fest.
30. Dezember 2020, 23:03 Uhr
Nervenspiel: 46ers-Interimstrainer Rolf Scholz ist noch sichtlich gezeichnet von der Aufregung im Hessenderby gegen Frankfurt, während die Gießener Bank schon den ersten Heimsieg der Basketball-Saison feiert. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Es war der erste Sieg der 46ers seit Jahresanfang auf heimischen Parkett. Und der erste vor verwaisten Rängen: Entsprechend wussten die Spieler nach dem Hammererfolg mit 75:74 (41:30) über den hessischen Rivalen Frankfurt zunächst nicht richtig, wohin mit ihrer Freude. Bjarne Kraushaar machte Nägel mit Köpfen. Dort, wo das Team normalerweise mit dem Fanblock hinterm Korb feiert, zählte er die »Humba« an. Während Interimstrainer Rolf Scholz dem Fernsehen Rede und Antwort stand, feierte der Hessenderbysieger ausgelassen wie nie in dieser Saison. Kapitän Thomas hielt eine Ansprache, die mit »for the fans« endete: Seine Mannschaft drehte sich nach allen Seiten zu den Tribünen um und applaudierte.

Gründe zum Feiern gab es genug. Zum einen ist es das nächste Ausrufezeichen, der nächste Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Gegen Bayreuth war es eine rauschhafte Offensivleistung, die den Sieg brachte. Gegen Frankfurt wusste auch die Defensive zu gefallen. Ein solches Kampfspiel hatte es in den vergangenen Jahren selten gegeben.

Zum anderen war es die Brisanz des Derbys. Scholz hatte das Team auf die Bedeutsamkeit des Spiels hingewiesen. Es war der erst sechste Heimsieg über die Skyliners überhaupt. Vor dem Spiel hatte der Fanclub hinterm Korb ein Video fürs Team mit motivierenden Grußbotschaften vorbereitet, untermalt mit Aufnahmen vergangener Derbytriumphe: »Wir haben das Video in der Kabine vor dem Spiel angeschaut, zuvor stand es in der Scouting-Gruppe« auf WhatsApp, freut sich Scholz über den mentalen Extrakick.

Und nicht zuletzt war es ein an Dramatik kaum zu überbietender Fight über 40 Minuten. Gießen begann deutlich konzentrierter und führte mit Ausnahme eines 0:2 ganz zu Beginn fast über die gesamte Spieldauer. Frankfurt kam mit der Verteidigung der 46ers nicht zurecht, wirkte zugleich aber auch verunsichert. Airballs, freie Dreierversuche, einfache Layups: Während bei den Skyliners wenig glückte, zog Gießen mit einer homogenen Teamleistung auf 19:12 (10.) davon.

Viertel zwei begann, wie das erste aufgehört hatte: Während Konstantin Konga einen Eins-gegen-Null-Korbleger verdaddelte, zog Kraushaar nach Passfinte zum Korb und markierte mit viel Selbstvertrauen und trotz eines Fouls. Immer wieder wurden Mismatches herausgespielt, die etwa Bowman am Brett zum 34:19 nutzte. Daran hatte auch der zuletzt ans hintere Ende der Rotation gefallene Liam O’Reilly großen Anteil. Auf der Bank Einheizer Nummer eins, legte der Guard nach einem Fastbreak auf 39:24 ab (18.). Bei der Energieleistung wollte Scholz aber keine Einzelspieler hervorheben: »Alle haben einen tollen Job gemacht, auch von der Bank. Der Ansatz ist, dass jeder wichtig ist und seinen Job erfüllt. Liam hat da seine Rolle heute gut angenommen.«

Erst nach dem Seitenwechsel taute Frankfurt auf. Gießen hielt zwar die Führung, die in Folge eines finalen 8:0-Laufs im dritten Durchgang aber auf 53:50 zusammenschmolz. Mit einer Mischung aus kontrolliertem Setplay und einem Schuss Fortune wahrten die 46ers selbige bis in die 37. Minute. Dann aber stellte Matt Mobley mit einem gut verteidigten Dreier aus der Ecke auf 63:61: Auszeit Gießen.

Isaac Hamilton und Johannes Richter eroberten die Führung zurück, bevor Richter mit seinem fünften Foul vom Feld musste. Der sonst blasse Jon Gudmundsson stellte für Frankfurt auf 71:69. Bei noch 25 Sekunden auf der Uhr versenkte Bowman aber trotz eines Fouls und markierte an der Linie das 72:71.

Frankfurt beriet sich in einer Auszeit und melkte die Uhr, obwohl nicht ganz ausgespielt werden konnte. Gudmundsson wurde vom Helden zum Sündenbock, als er einen viel zu laschen Pass spielte, den Thomas erfolgreich abfing. Ausgerechnet Quantez Robertson - das Gesicht des Frankfurter Basketballs - ließ sich zu einem unsportlichen Foul hinreißen. An der Freiwurflinie brachte Thomas das Spiel schließlich sicher nach Hause.

Ob Scholz nach der Interimszeit Trainer bleibt, ließ der hauptberufliche Polizist weiter offen: »Jetzt denke ich erst mal nur an Göttingen.« Das Spiel findet bereits Samstag statt.

Gießen: Stark (13 Punkte), Hamilton (11), O’Reilly (8), Kraushaar (2), Köpple, Pjanic (4), Uhlemann, Richter (9), Bowman (13), Zylka, James jr. 7), Thomas (8).

Frankfurt: : Konga, Mobley (15), Kessens (12), Begue, Schoormann, Onyia, Rahon (5), Moore (7), Murphy (9), Robertson (15), Gudmundsson (11), Völler.

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