13. Januar 2021, 11:53 Uhr

Vor der Handball-WM

Heimische Aktiven mit gemischten Gefühlen

Heute beginnt in Ägypten die Handball-WM, am Freitag steigt das DHB-Team ins Geschehen ein. Heimische Handballer betrachten das Großereignis in Zeiten von Corona mit gemischten Gefühlen.
13. Januar 2021, 11:53 Uhr
Nina Hasenkamp

Mit dem Spiel zwischen Gastgeber Ägypten und der chilenischen Nationalmannschaft wird heute die 27. Handball-Weltmeisterschaft der Männer eröffnet. Die deutsche Mannschaft geht in der Vorrunden-Gruppe A an den Start und trifft dabei auf die Vertretungen aus Uruguay (Freitag), von den Kapverdischen Inseln (17. Januar) und aus Ungarn (19. Januar).

Ungewöhnlich an diesen Titelkämpfen ist weniger die Tatsache, dass erstmals 32 Mannschaften teilnehmen, sondern dass wegen der Corona-Pandemie mit Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold (alle THW Kiel) sowie Finn Lemke (MT Melsungen) mehrere Leistungsträger ihren freiwilligen WM-Verzicht erklärt haben. Ursprünglich war gar geplant, dass die Spiele vor Zuschauern ausgetragen werden. Am Sonntagabend entschieden die Organisatoren jedoch, kein Publikum zuzulassen.

Vor dem WM-Start haben wir mehrere aktive Handballer und eine Handballerin aus heimischen Vereinen zu diesem Turnier befragt. Nina Hasenkamp, Spielmacherin beim Handball-Drittligisten HSG Lumdatal, Luca Funk, Kapitän des Bezirksoberligisten HSG Großen-Buseck/Beuern, Johannes Träger, Rückraumspieler des Oberligisten HSG Pohlheim und Mitglied des Mannschaftsrates, sowie Joshua Laudt, Torhüter des Landesligisten HSG Linden, sind sich in einem Punkt einig: Sie lassen sich auch durch die Corona-Pause die Freude am Handball nicht nehmen. »Der Handball hat einen enormen Stellenwert für mich«, sagt Nina Hasenkamp. »Ich merke, wie wichtig der Sport für mich ist«, stellt Luca Funk fest. Den »Sport als wesentlichen Bestandteil« seines Lebens bezeichnet Johannes Träger und verspricht, dem Handball treu zu bleiben. Den Schlusspunkt nicht nur an dieser Stelle lassen wir Joshua Laudt setzen: »Sobald wir wieder in die Halle dürfen, freue ich mich wie ein kleines Kind, wenn ich wieder im Tor stehe.«

? Wie stehen Sie dazu, dass die Handball-Weltmeisterschaft trotz der Pandemie ausgetragen wird?

Nina Hasenkamp : Ich persönlich denke, dass man die Austragung der Handball-WM unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten muss. Solange internationale Wettbewerbe wie die EHF-Champions-League unter gegebenen Hygienekonzepten ausgetragen werden, spricht auch gegen die Austragung eines weiteren internationalen Turniers unter den gleichen Hygienebedingungen nichts, da ein Großteil der aktiven Spieler sowieso für Mannschaften spielen, die auf internationaler Ebene konkurrieren. Über eine Austragung der Weltmeisterschaft mit Zuschauern konnte man streiten. Ich habe es als vollkommen überflüssig und unnötig erachtet, ein solches Turnier während der Hochphase einer Pandemie mit Zuschauerbeteiligung auszutragen. Die Wichtigkeit der Präsenz unseres Sports ist hierbei natürlich nicht zu vergessen, sie ist aber über Medien wie den Computer oder das Fernsehen gegeben.

Luca Funk: Ich habe es mit gemischten Gefühlen gesehen, dass ursprünglich Zuschauer erlaubt waren. Das konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Aber da Fußballspiele im Profibereich stattfinden, finde ich gut, dass auch Handballspiele ausgetragen werden, dann hat man als Konsument immerhin eine gewisse Abwechslung. Ich persönlich finde es gut, dass der Handball die Plattform nutzen will. Das ist auch gut so, denn das lenkt erstens vom Pandemie-Alltag ab, und zweitens hat man mal wieder ein anderes Gesprächsthema. Ich kann allerdings sowohl die Spieler verstehen, die sich gegen eine Teilnahme entschieden haben, als auch die, die teilnehmen und ihre persönliche Chance nutzen wollen.

Johannes Träger : Die Einschaltquoten der letzten Jahre haben gezeigt, dass das Interesse der Deutschen am Handball sehr hoch ist. Großen Anteil daran hat die deutsche Nationalmannschaft, die jedes Jahr bei Europa- und Weltmeisterschaften unsere Sportart repräsentiert. Daher ist es auf der einen Seite sehr wichtig, dass solch ein Turnier ausgetragen wird. Andererseits muss man die Austragung der WM zurzeit aus Sicht der Corona-Pandemie bewerten, und die Entwicklung spricht deutlich dagegen. Auch wenn dort eine Blase kreiert werden soll, geht man mit solch einem großen Turnier ein hohes Risiko ein. Deshalb kann ich die Entscheidungen von beispielsweise Hendrik Pekeler und Patrick Wienzek absolut nachvollziehen.

Joshua Laudt: Ich finde, dass man die Handball WM durchaus während der Pandemie austragen kann. Was ich aber sehr infrage gestellt habe, war, ob dies mit Zuschauern sein sollte, wie es ja geplant war. Man hat in den vergangen Monaten viele Sportereignisse sehr gut auch ohne Zuschauer ausgetragen und dies, wie ich finde, auch sehr positiv. Bestes Beispiel ist die Handball-Champions-League, die auch ohne Zuschauer sehr ansehnlich war.

? Werden Sie die Spiele der deutschen Mannschaft verfolgen? Wie beurteilen Sie die sportlichen Aussichten des DHB-Teams?

Hasenkamp: Ja, soweit es zeitlich möglich ist, werde ich die Spiele natürlich verfolgen. Der Kader des DHB-Teams für diese Weltmeisterschaft besteht aus vielen jungen Talenten, die heiß darauf sind, sich international zu messen. Ich denke daher, dass sie sicher für die eine oder andere Überraschung sorgen können, ihnen aber in gewissen Drucksituationen die Erfahrung fehlt und diese erst gesammelt werden muss.

Funk: Wenn ich es zeitlich einrichten kann, werde ich die Spiele auf jeden Fall verfolgen. Bei vergangenen Turnieren war das aufgrund der Anwurfzeiten manchmal schwierig. Es hat sich vor der WM gezeigt, auf was für einen herausragenden Kader der Bundestrainer zurückgreifen kann. Nach den Absagen mehrerer Kreisläufer (Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler, Jannik Kohlbacher) stehen immer noch starke Kreisläufer wie zum Beispiel Johannes Golla zur Verfügung. Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft das Viertelfinale erreichen wird, alles darüber hinaus ist in meinen Augen Bonus. Realistische Titelchancen sehe ich nicht für uns.

Träge r: Ich werde mir sicherlich das ein oder andere Spiel anschauen. Allerdings wird bei mir keine richtige »WM-Stimmung« aufkommen, auch wenn es die deutsche Mannschaft sehr weit schafft. Das ist einfach der jetzigen Situation geschuldet, und ich denke, vielen anderen wird das auch so gehen. Mit Alfred Gislason hat das Team einen sehr erfahrenen Trainer, der weiß, wie Titel gewonnen werden. Allerdings steht er vor einer sehr, sehr großen Herausforderung. Ohne die Champions-League-Sieger Weinhold, Wienzek und Pekeler wird es einfach unfassbar schwer. Aber es wird interessant sein zu beobachten, wie sich die Mannschaft ohne die Leistungsträger im Mittelblock schlägt. Meine Prognose: In der Hauptrunde ist Schluss.

Laudt: Ich werde die Spiele der deutschen Nationalmannschaft auf jeden Fall verfolgen. Ich glaube, die deutsche Nationalmannschaft hat ein sehr gutes Team. Sie haben viele junge, talentierte, aber auch sehr erfahrene Spieler, und mit dieser Konstellation hoffe ich, dass die Jungs eine Medaille holen werden.

? Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Welche sportlichen Ambitionen haben Sie, hat Ihre Mannschaft wenn nach der Pause die Saison fortgesetzt wird?

Hasenkamp: Da die 3. Liga aktuell weiterhin nur pausiert und nicht abgebrochen ist, wissen wir natürlich nicht, wann und wie wir das nächste Mal in die Halle dürfen. Sobald das der Fall ist, heißt es, Abläufe schnellstmöglich wieder zu automatisieren und dort anzuknüpfen, wo wir vor dem erneuten Lockdown aufgehört haben. So lange gilt es, sich fit zu halten und abzuwarten.

Funk: Schwierig. Wir haben wegen der Pause lange nicht mehr unter Wettkampfbedingungen gespielt und mit dem neuen Kader bisher lediglich Freundschaftsspiele absolviert. Trotzdem war die Vorbereitung über den Sommer vielversprechend, und wir waren gut in Form, allerdings hat sich auch die Liga deutlich verändert. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, unsere Position in der Bezirksoberliga zu festigen und den Klassenerhalt schnellstmöglich zu sichern.

Träger: Zunächst einmal denke ich nicht, dass der Spielbetrieb in dieser Saison noch einmal aufgenommen wird. Die sportlichen Ambitionen innerhalb der Mannschaft werden sich, sofern der Kader so zusammenbleibt, auch nicht ändern. Wir möchten eine entscheidende Rolle im Kampf um die Hessenmeisterschaft spielen - allerdings wissen wir auch, dass in einer Aufstiegssaison alles passen muss, egal wie gut der Kader ist. Ich persönlich habe aufgrund meines Kreuzbandrisses seit März 2019 kein Punktspiel mehr bestritten. Jetzt würde ich schon gerne mal wieder auf die Platte, aber so ist das nun einmal.

Laudt: Ich halte mich, so gut wie es geht, fit, genauso wie es meine Mannschaft tut. Sobald wir wieder in die Halle dürfen, müssen wir schnellstmöglich das Fitnessniveau erreichen, um Spiele bestreiten und vor allem gewinnen zu können.

? Natürlich wissen wir alle nicht, wann wieder zum normalen Spielbetrieb zurückgekehrt werden kann. Wie sieht es bei Ihnen aus? Werden Sie ihre sportliche Laufbahn wie bisher fortsetzen, oder hat bei Ihnen die Pandemie-Pause ein Umdenken zur Folge, dahingehend, dass Sie dem Sport einen anderen Stellenwert einräumen?

Hasenkamp: Ich werde meine sportliche Laufbahn wie bisher fortsetzen, sobald es die Pandemie wieder zulässt. Der Handball hat einen enormen Stellenwert für mich, ein Leben ohne diesen Sport kenne ich nicht, und ich möchte ihn auch nicht länger als nötig missen müssen. Ich freue mich darauf, die Mädels hoffentlich bald wieder in der Halle zu sehen.

Funk: Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall, denn ich merke jetzt, wie wichtig für mich der Sport ist. Der Sport ist für mich ein Ausgleich zu allem anderen, und diesen Ausgleich durch Einheiten zu Hause zu erreichen, erfordert viel Selbstdisziplin und macht weniger Spaß. Aber nicht nur der Handball selbst, sondern auch die sozialen Aspekte des Teamsports weiß ich jetzt mehr zu schätzen. Gäbe es schon ein Datum für den Re-Start, würde ich vermutlich die Tage zählen, bis man wieder in der Halle stehen kann. So nehme ich das auch größtenteils innerhalb unseres Teams wahr.

Träger: Ich werde meine sportliche Laufbahn wie gehabt bei der HSG (Pohlheim) fortsetzen. Für mich ist Sport weiterhin ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Deshalb werde ich dem Handball, sofern keine weiteren größeren Verletzungen hinzukommen, treu bleiben.

Laudt: Nein, ganz im Gegenteil. Mir zeigt die unfreiwillige Pause einfach nur, wie gerne ich diesen Sport betreibe und wie viel mir dieser Sport gibt. Eins können Sie mir glauben, sobald wir wieder in die Halle dürfen, freue ich mich wie ein kleines Kind, wenn ich wieder im Tor stehe. FOTOS: PV

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