05. April 2021, 22:28 Uhr

Gießen 46ers GIESSEN - MÜNCHEN 95:94 (43:46)

Gießen wittert Morgenluft

Das hauchdünne 95:94 der Gießen 46ers über den Euroleague-Playoff-Teilnehmer Bayern München ist eine Sensation. Im Kampf gegen den Abstieg wittern die 46ers Morgenluft.
05. April 2021, 22:28 Uhr
Gießener Siegesfreude. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Die trübe Gesamtbilanz der Gießen 46ers gegen den großen FC Bayern München ist seit Samstag um einen entscheidenden Faktor aufgehübscht. 16 Niederlagen, die im Schnitt mit 22 Punkten Differenz endeten, steht jetzt ein Sieg gegenüber. »Es war ein absolutes Wechselbad, aber am Ende waren alle überglücklich. Vielleicht haben wir es uns unnötig schwer gemacht hinten raus. Da fragt danach dann aber keiner mehr«, ist Trainer Rolf Scholz froh, dass Fortuna am Wochenende eine Mittelhessin war.

Denn fest steht: Viel eigenartiger hätten die Ausgangsbedingungen nicht sein können. Erst am Donnerstag hatte der FCB mit einem Ein-Punkte-Sieg über Kaunas das Ticket für die Playoffs in der Euroleague gelöst. Das war vorher noch nie einem deutschen Team gelungen. Nur zwei Tage später reisten die Münchener mit ihrer (natürlich immer noch unfassbar starken) Reserve an. Stammkräfte wie Vladimir Lucic, Wade Baldwin oder Nihad Djedovic waren gar nicht erst angereist. »Das ist die ganz normale Rotation«, erklärte Co-Trainer Demond Greene vor dem Spiel mit Blick auf die hohe Belastung des Starensembles.

Dass der Assistenzcoach überhaupt gefragt wurde und nicht Cheftrainer Andrea Trinchieri Rede und Antwort stand, war eine weitere Besonderheit dieser Begegnung. Während der Rumpfkader mit Schonungen nach der harten Euroleague-Woche mit zwei Partien begründet wurde, gab der Verein für Trinchieris Fehlen familiäre Gründe an. Für die Gießener war das laut Scholz kein großes Thema: »Sie haben natürlich ein Mordsprogramm. Unterm Strich ist der Kader aber sowohl bei den Spielern als auch beim Staff dafür hochwertig genug«, um die hohe Doppelbelastung zu schultern.

Der Leistung der Mittelhessen taten die Umstände keinen Abbruch, auch wenn die Bayern teilweise in Testspielmanier auftraten. Ab dem 5:2 in der zweiten Minute lag der Favorit konstant in Führung. Bester Mann bei den Münchenern war dabei ausgerechnet der gebürtige Gießener Robin Amaize, der bis zur Halbzeit elf Punkte beisteuerte und damit Topscorer war. Die 46ers ließen sich aber nicht abschütteln und gingen nur mit einem 43:46 im Hintertreffen in die Kabine.

Das berüchtigte dritte Viertel, in dem die Mittelhessen so oft schon eingebrochen sind, verlief auf ganz ähnliche Art. Vier Punkte durch Ferdinand Zylka bedeuteten ein 52:52 nach 26 Minuten. Per Dunk bestellte der bestens aufgelegte Brandon Bowman das 63:62 (29.) - der erste Führungswechsel! Die Bayern konnten noch mal bis auf 75:70 enteilen, bevor das Spiel kippte. Drei irre Dreier durch Jonathan Stark stellten die Weichen zum 80:79 (36.). Bowman mit Dreipunktespiel und Dreier legte nach. München konnte den Acht-Punkte-Rückstand in den verbleibenden zwei Minuten zwar fast noch drehen. Der siegbringende Dreier, den Ex-NBA-Akteur Paul Zipser auf der Hand hatte und dem ein Ballgewinn vorausgegangen war, ging aber daneben. Bowman stand zwei Sekunden vor dem Ende taktisch gefoult an der Freiwurflinie und vergab beide. Dadurch hatten die Gäste keine Zeit mehr für eine Auszeit und mussten einen Notwurf nehmen, der sein Ziel meilenweit verfehlte.

Am Mittwoch in Göttingen

So bleibt die Frage, was der historische Sieg für die Lage der 46ers im Abstiegskampf bedeutet. Nach wie vor trennen die Lahnstädter vier Punkte vom rettenden Ufer. Der dort verweilende Mitteldeutsche BC hat zudem den direkten Vergleich gewonnen und das deutlich leichtere Restprogramm. »Wenn man an verlorene Spiele wie gegen Würzburg und Bonn zurückdenkt, das nervt so richtig«, gesteht Trainer Rolf Scholz. »Aber so ist Sport. Wir müssen den positiven Flow jetzt für die nächsten Spiele mitnehmen, besonders gegen Göttingen am Mittwoch.«

Es ist nicht der erste Überraschungssieg der 46ers in dieser Spielzeit. Schon gegen Oldenburg im Februar verbuchte das Team einen Sieg, nur um direkt danach wieder in altgewohnte Tristesse zurückzufallen. Gegen den Tabellenzwölften aus Göttingen soll genau das verhindert werden. »Man sieht ja, wie schnell es gehen kann«, schlägt Scholz optimistische Töne an: »Dann lohnt es sich vielleicht wieder auf die Tabelle zu gucken.«

Zudem hätte der Punktegewinn gegen den FC Bayern dann eventuell mehr als »nur« historische Bedeutung. Sprungball in Göttingen ist um 20.30 Uhr.

Gießen: Stark (25 Punkte), Hamilton, Kraushaar, Köpple, Pjanic (5), Uhlemann, Garrett (14, 5 Assists), Bowman (16), Zylka (8), James Jr. (12, 10 Rebounds), Thomas (3), Bryant (12, 10)

Punkte FC Bayern München: Amaize (17), Flaccadori (15), Zipser (15), Sisko (13), Radosevic (11), Gist (9), Johnson (6), Reynolds (4), Seeley (4), George, Krämer, Grant.

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