08. Oktober 2021, 07:01 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Weitere Überraschung soll folgen

Ereignisreiche Tage haben die Gießen 46ers hinter sich. Sie müssen den Abgang eines Leistungsträgers verkraften. Dafür freute sich ein anderer über eine gelungene Überraschung. Und das alles vor dem Heimspiel am Samstag gegen den Aufsteiger Heidelberg.
08. Oktober 2021, 07:01 Uhr
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Von Wolfgang Gärtner
Gießens Headcoach Pete Strobl erwartet mit seinem Team am Samstag um 18 Uhr den BBL-Aufsteiger Academics Heidelberg in der Osthalle. FOTO: FRIEDRICH

Knapp zwei Wochen haben die Gießen 46ers Zeit besessen, um sich auf das bedeutsame Heimspiel am Samstag um 18 Uhr in der Sporthalle Ost gegen den Basketball-Bundesliga-Neuling und momentanen Spitzenreiter Academics Heidelberg vorzubereiten (live auf MagentaSport) - und die knappe Auswärtsniederlage bei den favorisierten Bambergern zu verdauen. So ganz reibungslos verliefen die Tage aber nicht.

Überraschung 1: Wie aus heiterem Himmel flatterte die Meldung am Dienstag aus Übersee auf das Handy, dass Rawle Alkins die Gießen 46ers verlassen wird (die AZ berichtete exklusiv). Der athletische Shootingguard, der sowohl beim Saison-Heimauftaktsieg gegen Bayreuth als auch beim 87:89 in Bamberg überzeugte, schließt sich dem Ligakonkurrenten Riesen Ludwigsburg an. Der variable 1,96-m-Mann, der schon zehnmal für den NBA-Klub Chicago Bulls spielte, hat in seinem erst vor zwei Wochen bei den 46ers unterschriebenen Vertrag über eine Saison eine Ausstiegsklausel. Möglicherweise könnten die Gießener eine Ablösesumme für den 23-Jährigen erhalten. 46ers-Coach Pete Strobl dürfte über diesen plötzlichen Abgang nicht gerade amused sein. Mit Alkins verlässt ein Leistungsträger das Team. »Es tut weh, einen Spieler zu verlieren«, so Strobl - und besonders wohl so einen mit diesem Potenzial. Der Trainer und Geschäftsführer Sebastian Schmidt suchen bereits nach Ersatz für Alkins. Ob es bis zum Samstag klappt, ist fraglich.

Überraschung 2: Weitaus angenehmer war die Tatsache, dass Gießens Powerforward Nuni Omot über einen nicht erwarteten Besuch völlig baff war. Einen Tag vor seinem 27. Geburtstag schneite plötzlich nach dem Training in der Osthalle seine frisch aus Texas gekommene Ehefrau Brianna samt Hündchen herein. Der 2,06-m-Mann war sprachlos und völlig perplex. Damit hatte er nicht gerechnet. Trainer Strobl und ein Teil der Manschaft waren in diese spontane Aktion involviert, hielten aber bis zum Schluss dicht.

Überraschung 3: Die soll nun nach den turbulenten Tagen am besten am Samstag gegen den Bundesliga-Aufsteiger aus Heidelberg folgen. Bislang haben die Gießen 46ers gute Leistungen erbracht, die nach einer schwierigen Vorbereitungsphase mit vielen verletzungsmäßigen Ausfällen in einem nicht unbedingt erwarteten Heimsieg gegen die stärker eingeschätzen Bayreuther und in einer 85:87-Niederlage in Bamberg mündeten. Dabei zeigte die kämpferisch starke Mannschaft von Strobl zwei Gesichter. Gegen die Bayreuther startete sie eine erfolgreiche Aufholjagd nach einem 13-Punkte-Rückstand, dominierte das letzte Viertel mit 25:8 und gewann 86:74. In der Brose-Arena indes führte sie in der 33. Minute mit 78:64 und verlor durch einen Buzzerbeater von Omar Prewitt in allerletzter Sekunde. Auf den Samstaggegner trafen die 46ers bereits in der Preseason. Beim öffentlichen Testspiel in der Osthalle behielten die Neckarstädter mit 84:64 die Oberhand - da ist noch eine Rechnung offen.

Gegner: In der BBL geht es zu Beginn der Saison leistungsmäßig noch drunter und drüber - sie entpuppt sich bisher als eine Wundertüte. Und mittendrin der Aufsteiger Academics Heidelberg, der ebenfalls für große Verwunderung sorgt. Die Mannschaft von Trainer Branislav »Frenkie« Ignjatovic hat nach zwei Spieltagen als Neuling schon zwei Siege zu verzeichnen - 85:74 beim MBC in Weißenfels und das unverhoffte 73:62 gegen den Playoff-Kadidaten Riesen Ludwigsburg. Ein Traumstart für die »Akademiker«, die den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben haben. War es beim MBC Powerforward Brekkott Chapmann, der mit einer tollen Performance herausragte, trumpfte gegen die Riesen Jordan Geist auf. Der US-amerikanische Shootingguard legte ganz starke Werte auf: 23 Punkte, sieben Rebounds, vier Assists und sieben Rebounds. Von der Freiwurflinie war der Topscorer der Heidelberger eiskalt - zwölf von zwölf. Die Heidelberger haben einen Teil der Aufstiegsmannschaft mit Geist, Niklas Würzner, Kapitän Phillipp Heyden und Shyron Ely gehalten und mit neuen Spielern wie Max Ugrai, Anthony Watkins, Kelvin Martin, Osasumwen Osaghae, Robert Lowery und Chapman verstärkt. Trainer Ignjatovic lässt gerne einen Halbfeldangriff spielen, mit Pick-and-Roll und Postups.

Nostalgie: Der USC Heidelberg (Stammverein der Academics) war in den 60er- und 70er-Jahren - wie der MTV 1846 Gießen, aus dem die 46ers entstammen - eine Macht im deutschen Basketball. Insgesamt neun Meisterschaften und zwei Pokalsiege stehen in den Geschichtsbüchern der Neckarstädter - fünf DM-Titel und drei-Cupgewinne bei den Gießenern. Aber auch der Abstieg des USC aus der Beletage im Jahr 1985 sowie der diesjährige Sprung von der Pro A in die Bundesliga. 36 Jahre waren die Heidelberger von der BBL-Landkarte verschwunden. Nun sind sie dort wieder als Bundesliga-Standort mit einer neuen Halle zu finden - dem SNP Dome mit einer Kapazität von 5000 Zuschauern für Basketball.

Lazarett: Bei Heidelberg wird wohl Spielmacher Lowery weiterhin fehlen. Er zog sich beim Sieg in Weißenfels einen Muskelfaserriss zu. Ob Forward Martin und Powerforward Osaghae spielen können, ist offen. Bei den Gießen 46ers ist weiterhin fraglich, ob Guard Kendale McCullum nach seiner Schulterverletzung schon einsetzbar ist. »Wenn er fit ist, spielt er. Stand jetzt (Donnerstagmorgen) kann er nicht spielen«, sagt Gießens Headcoach Strobl.

Zuschauer: Aktuell sind die Partien der 46ers nur unter der 2G-Regelung möglich, sodass nur geimpfte und genesene Personen sowie Kinder unter zwölf Jahren mit einem Test (Testschulheft, 48-Stunden-PCR-Test oder 24-Stunden-Antigen-Test) zugelassen sind. Am Samstag wird die Ost-Stehtribüne aufgebaut, sodass für Stimmung gesorgt sein sollte.

Das sagt Trainer Strobl: »Die Heidelberger haben eine starke Mannschaft mit vielen guten Spielern. Sie wissen, was der Trainer will. Für uns wird es nicht leicht. Wir müssen uns auf unsere Verteidigung als Team konzentrieren. Ich will Teambasketball sehen.«



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