28. Februar 2021, 22:26 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Trainer Scholz mit der richtigen Ansprache

Die Gießen 46ers leben noch! Nach dem Sieg gegen Bayreuth geben sie die »Rote Laterne« an Vechta ab. Trainer Rolf Scholz findet beim Team die richtigen Worte.
28. Februar 2021, 22:26 Uhr
Erneut leistungsstark: Gießens Powerforward Brandon Bowman, der im Kellerduell gegen Bayreuth ein Double-Double (21 Punkte und zehn Rebounds) auflegt (links John Bryant, rechts daneben Bastian Doreth, verdeckt Derek Pardon, rechts Matthew Tiby). FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Keine Spur von Resignation bei den heftig kritisierten Gießen 46ers nach der Mittwoch-Pleite in Würzburg. Die Aufbauarbeit von Trainer Rolf Scholz trug Früchte: In der Osthalle präsentierte sich am späten Samstagabend eine kämpfende Einheit, die den unbändigen Willen hatte, mit dem 97:92 gegen Bayreuth den dringend benötigten Heimsieg in der Basketball-Bundesliga einzufahren.

Nach Halbzeit eins führten die 46ers mit 46:40. Im dritten Viertel lagen die Gießener gar zeitweise mit zehn Punkten vorne, letztlich gingen sie mit dem 71:68 ins das finale Viertel. In einer spannenden Schlussphase behielt die Scholz-Truppe die Nerven und brachte den so wichtigen Sieg nach Hause. Auffällig im homogenen Gießener Team waren Center John Bryant mit 17 Punkten und 13 Rebounds. Ebenso ein Double-Double produzierte Brandon Bowman, der 21 Zähler erzielte und sich zehn Abpraller fischte. Eindrucksvoll auch die Leistung von Bayreuths Playmaker Doreth, der mit 33 Punkten zum Topscorer avancierte - und dabei 13 seiner 14 Würfe traf.

46ers-Cheftrainer Scholz war natürlich überglücklich, aber auch gezeichnet von den vergangenen Tagen und dem harten Fight gegen die Oberfranken. Vor der bedeutsamen Partie hatte er gesagt, dass er fest davon überzeugt ist, dass sein Team noch die nötigen Punkte für den Klassenerhalt einfährt. Und: »Wir sind weit davon entfernt, uns aufzugeben.«

Seine Mannschaft ließ den markigen Worten Taten folgen und zeigte ein ganz anderes Gesicht als noch drei Tage zuvor bei der blutleeren Vorstellung in Würzburg. »Emotion und Energie und Teamgeist vom Warm up bis zum Ende«, wie es 46ers-Geschäftsführer Stephan Dehler treffender nicht formulieren hätte können. Scholz fügte an: »Die Art und Weise, wie wir in das Spiel gegangen sind, war eine ganz andere als die in Würzburg. Intensität, Körpersprache, Wille und der Teamgeist waren für den Erfolg gegen Bayreuth ausschlaggebend.« Die Kritik und die Appelle der letzten Tage hatten sich die Spieler zu Herzen genommen.

Bereits vor der Partie gegen Bayreuth richtete sich am Freitag eine gewichtige Fangruppierung - die »Hinter-dem-Korb-Fraktion« - mit einem »Offenen Brief« an die Gesellschafter (diese Zeitung berichtete in der Samstagausgabe darüber) der 46ers. Darin hatten sie massive Kritik an allen Verantwortlichen und der Mannschaft geübt. Trainer Rolf Scholz nahm sie dabei aus.

Die Geschäftsführung um Dehler und Koch, der zudem noch das Amt des Sportdirektors bekleidet, reagierte und bot der Fangruppierung noch am Freitagabend einen offenen und direkten Dialog an. Die »Hinter-dem-Korb-Fraktion« wiederum forcierte am Samstagabend vor der Partie die Dringlichkeit ihres Begehrens. Auf Facebook forderte sie von der Mannschaft für die Bayreuth-Partie Taten auf dem Spielfeld - was dann auch nur Stunden später in die Realität umgesetzt wurde. »Das alles wurde im Mannschaftskreis thematisiert. Ein wichtiger Punkt war, dass wir uns ausgetauscht haben, wie wir auftreten«, sagte Scholz. Dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung stellte die Fangruppierung einen Fragenkatalog.

Ungeachtet der Probleme im Umfeld der Gießen 46ers geht es für sie sportlich bereits am Mittwoch weiter: Sie müssen nach Weißenfels zum MBC. Sprungball ist um 20.30 Uhr. Das Team aus dem Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt ist auch in den Abstiegskampf verstrickt. Das Hinspiel gewann der MBC in Gießen mit 105:93. Am Samstagabend stand für den Rang-16. die Partie in Ulm an, die mit 102:73 klar an den Gastgeber ging. »Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft darauf brennt, dass es weitergeht und dass sie auf das Gezeigte vom Samstag aufbauen will. Sie weiß ganz genau, das ist erst der erste gute Schritt gewesen«, blickte Scholz auf den Mittwoch.

Nur drei Tage später kommt es für Gießen zu einem weiteren Duell mit einer Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft. Die Baskets aus Bonn gastieren am 6. März um 18 Uhr in der Sporthalle Ost. Zeitgleich mit den Gießen 46ers schlugen sie am Samstag Vechta mit 94:89.

Gießen: Jonathan Stark (14 Punkte), Bjarne Kraushaar (3), Tim Köpple, Alen Pjanic (3), Diante Garrett (17), Brandon Bowman (21, 10 Rebounds), Ferdinand Zylka (9), Scottie James JR (9), Brandon Thomas (4), John Bryant (17, 13, 7 Assists). / Bayreuth: Derek Pardon (2), Nico Wenzl, Philip Jalalpoor, Kay Bruhnke, Bastian Doreth (33, 8 Assists), Andreas Seiferth (18), Lazeric Jones (8), Matt Tiby (11), Johannes Krug, David Walker (8), Frank Bartley (7), Osvaldas Olisevicius (5). / Viertelergebnisse: 22:19, 24:21, 25:28, 26:24.

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