08. Oktober 2021, 23:06 Uhr

Basketball

Gießen 46ers präsentieren große Pläne für Osthalle

Die Gießen 46ers machen in der Hallenproblematik Druck auf die Stadtpolitik. Sie präsentieren Pläne, wie die Osthalle bis Ende 2024 zukunftsfähig werden kann.
08. Oktober 2021, 23:06 Uhr
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Von Markus Konle
So könnte der Komplex aussehen: Sebastian Schmidt (l.), Christiane Roth und Wolfgang Greilich stellen die Pläne vor, die schon im September 2020 gestaltet wurden. Die orangefarbenen Flächen stellen die Erweiterungen dar - links die neue Schulsporthalle, rechts das erweiterte Foyer und unten die neuen Funktionsräume. FOTO: KUS

Die Botschaft war unmissverständlich: »Ich fände es sehr bedauerlich, wenn Gießen 2024 möglicherweise nicht mehr 1. Liga spielen kann, weil man die infrastrukturellen Rahmenbedingungen nicht erfüllen kann«, sagte Sebastian Schmidt, der Sportdirektor und Geschäftsführer der 46ers. Beim Bundesligisten ist es seit Jahren ein Dauerthema, dass die 1969 eingeweihte Osthalle trotz Modernisierungen nicht mehr zeitgemäß für den Profi-Basketball ist.

Doch der Klub skizzierte am Freitag nicht nur seine Nöte eindringlich. Er präsentierte eine mögliche Lösung und stellte konkrete Pläne vor, wie die Osthalle in eine moderne Arena für 5000 Besucher umgebaut werden könnte - integriert in die Planungen ist eine neue Sporthalle für die Gesamtschule Gießen Ost. Klar ist: Das Projekt mit einem geschätzten Volumen von rund 25 Millionen Euro müsste die Stadt Gießen tragen. Denn nur die Kommune kann Zuschüsse aus Bundes- und Landesmitteln erhalten. Und die könnten offenbar beträchtlich sein: »Es gibt Zuschüsse in zweistelliger Millionenhöhe«, meinte Wolfgang Greilich, der Aufsichtsratvorsitzende der 46ers.

Der Termin der Präsentation war sicher nicht zufällig gewählt. Gut zwei Wochen vor der Oberbürgermeister-Stichwahl haben die 46ers ein neues Thema im Wahlkampf-Endspurt gesetzt. Die beiden OB-Kandidaten Alexander Wright (Grüne) und Frank-Tilo Becher (SPD) verfolgten die Ausführungen und nannten die vorgestellten Pläne unisono »charmant und sehr interessant«.

Trainingsstätte exklusiv für 46ers

Diese Pläne der 46ers sehen vor, dass die Ostschule eine neue Vier- oder Sechs-Felder-Sporthalle auf zwei Ebenen erhält - dort, wo jetzt die kleine Sporthalle steht, wie Greilich erläuterte. Die bestehende Osthalle, die von den 46ers dann exklusiv als Trainings- und Spielstätte genutzt werden könnte, soll nach der Errichtung der Schulsporthalle aufgestockt und erweitert werden. So könnten nicht nur festinstallierte Tribünen an den Stirnseiten entstehen. Auch benötigte Räume beispielsweise für Physiotherapie und Krafttraining könnten ebenso wie ein neuer VIP-Bereich entstehen. Zudem soll das Foyer in Richtung Uni um 300 Quadratmeter vergrößert werden. Die Kostenschätzung der Architekten bezifferte Greilich auf 12,0 Millionen Euro für die Erweiterung und nochmals 6,0 bis 12,0 Millionen Euro für den Bau der neuen Schulsporthalle. Genutzt werden soll der neue Komplex auch von der Basketball-Akademie der 46ers. Die 1. Vorsitzende Christiane Roth verdeutlichte, wie schwierig die Trainingssituation für das Nachwuchsleistungszentrum derzeit ist. Auch mit Blick in die Zukunft und dem Ziel, ein Teilzeit- oder Vollzeitinternat aufzubauen, appellierte sie an die Verantwortlichen der Stadt, die Pläne rasch umzusetzen: »Wir haben keine Trainingsbedingungen, unter denen wir uns weiterentwickeln können.« Und die Ausbildung des Nachwuchses würden sich die 46ers-Gesellschafter einiges kosten lassen: Greilich kündigte an, dass die Teilhaber in die Errichtung des Leistungszentrums 3,0 Millionen Euro investieren würden. Aber die Umsetzung ihrer Pläne wäre nichtnur für die Basketballer ein Meilenstein, wie die Verantwortlichen des Bundesligisten betonten: Durch die derzeit prekäre Hallensituation in der Stadt könnten durch den Neubau auch der Schul- und Vereinssport profitieren.

Für 46ers-Geschäftsführer Schmidt ist eine schnelle Modernisierung der Osthalle die einzige Option, um den Erstliga-Standort Gießen nachhaltig zu sichern - um künftig die Standards der Liga zu erfüllen, um die Vermarktung voranzutreiben und um adäquate Bedingungen für das Profi-Team zu schaffen. Schnell bedeutet in diesem Fall rasend. Greilich: »Wir wollen das Eröffnungsspiel der Saison 2024/25 in der dann ertüchtigten Osthalle bestreiten.«

Kokettieren mit Umzug

Einen Plan B gibt es für die 46ers nicht. Sollten die Vorstellungen des Klubs nicht zügig umgesetzt werden, würde dies das Ende des Erstliga-Basketballs in Gießen bedeuten, meinte Schmidt. Und Greilich und Roth kokettierten im Fall eines Scheiterns mit dem Umzug der 46ers an einen anderen Standort in Mittelhessen - ohne aber Wetzlar zu nennen.

Die OB-Kandidaten Wright und Becher betonten, dass ihnen der Bundesliga-Basketball in Gießen am Herzen liegt. »Ich werde mich einsetzen für diese Lösung«, versprach Wright. Sein Kontrahent Becher meinte: »Es wäre nicht seriös, jetzt zu sagen: Das ist der Weg, den wir gehen sollten.« Er wolle sich im Falle seiner Wahl auch noch einmal mit dem Thema Multifunktionshalle beschäftigen, das zuletzt diskutiert wurde. Dies ist für Wright indes keine Option mehr - und auch nicht für die 46ers. Sie sehen ihre Zukunft in einer modernen Osthalle.



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