09. Januar 2021, 12:00 Uhr

Gießen 46ers

Für die Gießen 46ers keine »Klassenfahrt«

Chad Brown steht bei den Gießen 46ers vor seinem Debüt, wenn sie am Sonntag beim Favoriten Alba Berlin vorstellig werden. Indes hat Center Johannes Richter den Klub in Richtung Hamburg verlassen. Trainer Rolf Scholz gibt klar zu verstehen, dass die BBL-Partie keine »Klassenfahrt oder Sightseeingtour« für sein um den Ligaerhalt kämpfendes Team ist.
09. Januar 2021, 12:00 Uhr
Johannes Richter (r., links der Ulmer Dylan Osetkowski) hat die Gießen 46ers verlassen und wenige Stunden später bei den Hamburg Towers angeheuert. FOTO: IMAGO

Gießen 46ers


Personelle Turbulenzen bei den Gießen 46ers vor dem BBL-Auswärtsspiel am Sonntag bei Alba Berlin in der Mercedes-Benz-Arena (Sprungball 15 Uhr / live auf MagentaSport). Center Johannes Richter bat den Klub völlig überraschend um sofortige Vertragsauflösung. Dem Wunsch entsprach der Klub. Nach der Verpflichtung von Chad Brown am vergangenen Dienstag sah Richter wohl seine Einsatzzeit schwinden. Er hat bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden: Gestern Abend unterschrieb der Brettspieler einen Vertrag bis zum Saisonende beim Ligakonkurrenten Hamburg Towers. Indes kann sich Brown auf seinen ersten Einsatz im 46ers-Trikot freuen.

Lage: Zwar hatte Gießens Interimstrainer Rolf Scholz erstmals nach der knappen 90:92-Heimniederlage gegen Göttingen eine ganze Woche Zeit, seine Mannschaft auf einen Gegner einzustellen. Von einer ruhigen Vorbereitung konnte aber keine Rede sein. Sie wurde von personellen Veränderungen geprägt. Am Dienstag stieß mit Chad Brown ein neuer Center zu den Lahnstädtern. Der 24-Jährige weist eine eindrucksvolle Vita auf. Der sprunggewaltige 2,06-m-Mann war kurzzeitig beim NBA-Klub Dallas Mavericks unter Vertrag, wurde dort aber umgehend ins Farmteam Texas Legends beordert, ehe er zuletzt für den griechischen Erstligisten Chariloas Trikoupis Mesologiou spielte und dort ordentliche Werte auflegte (12,7 PpS und 8,8 RpS). Brown konnte wegen der obligatorischen Quarantäne noch kein Training mit dem Team absolvieren. Am gestrigen Freitag verließ dann Johannes Richter die Gießen 46ers. Der Vierer/Fünfer, der erst im Sommer aus Würzburg an die Lahn kam, bat unerwartet um eine vorzeitige Vertragsauflösung. Dem Wunsch sind die 46ers nachgekommen. Wenige Stunden später unterschrieb Richter einen Kontrakt bis Saisonende bei den Hamburg Towers. Die 46ers belegen nach elf Pflichtspielen und zwei Siegen mit Rang 17 einen direkten Abstiegsplatz. Aufgrund der Kader-Veränderungen werden sich die 46ers nach neuen Spielern umschauen. Nun steht neben einem erfahrenen Aufbauspieler wohl noch ein deutscher Spieler auf der Verpflichtungsagenda.

Der Gegner: Alba Berlin ist der haushohe Favorit, obwohl die Mannschaft von Trainer Aito Reneses, der sich zurzeit nach seinem positiven Corona-Befund noch in Quarantäne befindet, personell stark geschwächt ist, auf vier Leistungsträger (Luke Sikma, Niels Giffey, Marcus Eriksson und Peyton Siva) verzichten muss und in den letzten sechs Tagen drei Spiele absolvieren musste. Berlins Manager Marco Baldi sprach im Vorfeld der Sonntagsbegegnung gegen den Rangvorletzten Gießen 46ers davon, dass die »Albatrosse« aktuell »auf der letzten Rille laufen«. Was zeitweise bei der am Donnerstagabend erlittenen 73:85-Euroleague-Niederlage gegen Maccabi Tel Aviv zu beobachten war. Die kräftezehrenden Partien der letzten Wochen gingen nicht spurlos an den Protagonisten vorüber. »Wir hatten eine sehr, sehr anstrengende Woche«, sagte Guard Jonas Mattisseck. Das Rumpfteam aus der Hauptstadt sorgte aber am vergangenen Wochenende für eine dicke Überraschung, als es in der Euroleague den spanischen Meister Baskonia und zwei Tage später in der BBL die Bayern schlug. Alba Berlin weist in der Bundesliga coronabedingt erst acht Spiele auf, verlor dabei nur einmal - Anfang Dezember in Ludwigsburg mit 71:78. Das Team führen die beiden Aufbauspieler Maodo Lo und Jayson Granger. In guter Form befinden sich außerdem Johannes Thiemann (12,4 PpS, 6,3RpS) und Louis Olinde (8,4, 5,4). Aufpassen müssen die 46ers auch auf den Smallforward Simone Fontecchio, der eine 40-prozentige Trefferquote von jenseits der 6,75-m-Linie aufweist.

Das sagen die Berliner: Alba-Aufbauspieler Mattisseck warnt vor den Gießenern, die man seiner Meinung nach nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Und Center Johannes Thiemann fügt vor der Partie gegen den Tabellenvorletzten an: »Das ist trotzdem eine gefährliche Mannschaft. Die werden motiviert sein, von daher können wir da nicht relaxen.«

Das sagen die Gießener: »Wir versuchen, an die Leistungen der letzten drei Spiele anzuknüpfen, um uns als Mannschaft sportlich weiterzuentwickeln«, erklärt Gießens Cheftrainer Rolf Scholz. Der 40 Jährige hat den größten Respekt vor Alba und dem ganzen Programm, wie dort aktuell Basketball gespielt wird. Aber: »Ich würde es falsch finden, dorthin zu fahren und zu sagen: Wir machen daraus ein Trainingsspiel, weil wir eh keine Chance haben.« Es ist für uns keine Klassenfahrt oder eine Sightseeingtour.« Ihm sei bewusst, dass in Berlin ganz viel für die 46ers zusammenlaufen müsste, damit sie was Zählbares mitnehmen können. Aber: »Wir wollen da sein, wenn sich eine Chance auftut.« Gießens Allrounder Isaac Hamilton ist sich ebenfalls der Schwere der Aufgabe bewusst. Für den Flügelspieler ist es wichtig, dass man Berlins Transition-Aktionen verlangsamt. »Zudem müssen wir unsere eigenen Fehler in der Offensive sowie in der Defensive minimieren.«

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