13. April 2021, 07:00 Uhr

FC Gießen

Fragen und Antworten zum Abstiegskampf des FC Gießen

Der Abstiegskampf in der Fußball-Regionalliga Südwest nimmt an Fahrt auf. Eine entscheidende Frage bleibt für den FC Gießen offen: Steigen tatsächlich sechs Regionalligisten ab oder doch nur zwei?
13. April 2021, 07:00 Uhr
Auf dem Weg zur Torejagd oder Abwärtsgang Richtung Hessenliga? Diese Frage entscheidet sich für den FC Gießen in den kommenden acht Wochen. FOTO: FRIEDRICH

Mitte April, elf Spieltage vor Saisonende und mit englischen Wochen vor Augen biegt der Abstiegskampf in der Fußball-Regionalliga Südwest auf die Zielgerade ein. Neben der sportlichen Konkurrenzsituation geht es dabei auch um die Frage: Steigen die Oberligisten trotz teilweise nur acht ausgetragenen Saisonspielen auf und sechs Südwest-Regionalligisten mit 42 absolvierten Partien ab? Wir liefern den aktuellen Informationsstand.

? Was steht jetzt schon fest für die Regionalliga Südwest?

Einmalig wurde in der Spielordnung der Regionalliga Südwest verankert, dass es sechs Absteiger gibt - unabhängig davon, wie viele Mannschaften aus der 3. Liga herunterkommen. »Langfristig wollen wir auf 18 Teams reduzieren. Hätten wir das in einem Schritt gemacht, hätte es mindestens sieben Absteiger gegeben. Das war uns zu viel«, erklärt Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest. Da es - normalerweise - vier Aufsteiger aus den Oberligen gibt sowie einen aus der Regionalliga in die Dritte Liga, wäre die Anzahl der Mannschaften bei sechs Absteigern auf 19 reduziert worden. »Wenn man davon ausgeht, dass eine Mannschaft aus der Dritten Liga absteigt, haben wir in der kommenden Saison 20 Klubs«, sagt Döther. Kaiserslautern sowie Mannheim könnten derzeit noch in die Südwest-Staffel absteigen. Fest steht: Egal, wie es kommt, es hat keinerlei Auswirkungen auf die Anzahl der Absteiger.

? Was steht noch nicht fest in Sachen Auf- und Abstieg?

Ob es Aufsteiger aus den Oberligen geben wird. Hessen und Baden-Württemberg haben zwar die Amateursaison beendet, sich aber noch nicht zur Aufstiegsregelung in den Oberligen geäußert, Rheinland-Pfalz und das Saarland sind vorgeprescht und haben Eintracht Trier als Meister und Aufsteiger (acht absolvierte Spiele) sowie Wormatia Worms als Zweiten (neun Spiele) gemeldet. Entschieden wurde das durch die Quotientenregel. Döther sagt dazu: »Die Träger der Oberligen können für sich entscheiden, ob sie Aufsteiger melden möchten.« In Hessen beträfe das Barockstadt-Fulda (1.) und Hessen Dreieich (2.), in Baden-Württemberg Freiberg (1.) und die Stuttgarter Kickers (2.).

? Würde es weniger Absteiger geben, wenn keine Mannschaft aufsteigt?

Ja. »Wenn es keine Aufsteiger gibt, reduzieren sich die Absteiger«, erklärt Döther. Das sei in der Spielordnung so festgehalten. Heißt: Sollte es am Ende dazu kommen, dass kein Team aus der Oberliga aufsteigt, müssten nur zwei Mannschaften aus der Regionalliga absteigen.

? Ist eine kurzfristige Entscheidung zu erwarten?

Eher nicht. Döther sagt, dass sich die Regionalliga Südwest erst einmal zurückhalten und weitere Entscheidungen abwarten werde. Denn eine vergleichbare Situation herrscht auch in Sachen Aufstieg aus den fünf Regionalligen in die Dritte Liga. Während im Südwesten und Westen gespielt wird, haben die anderen drei Staffeln den Betrieb ausgesetzt. Der letzte Spieltag der Regionalliga Südwest findet am 12. Juni statt, der der Dritten Liga am 22. Mai. Es könnten Präzedenzfälle geschaffen werden.

? Wer hat sich in der Causa klar positioniert?

Die Vereine der Regionalliga Südwest. Ligasprecher Rafael Kowollik, Geschäftsführer des FC Homburg, verfasste ein gemeinsames Statement mit der mehrheitlichen Meinung der Klubs, das an die Träger der Regionalliga und der Oberligen gehen soll. Zusammengefasst heißt es da: Es sei ungerecht, dass nach einer Mammutsaison mit 42 Spielen sechs Teams absteigen müssen, während Oberligisten nach acht bis maximal 13 Partien aufsteigen dürfen. Durch die Annullierung der Spielzeit würde es keine Wertung geben, warum sollte eine Ausnahme beim Regionalliga-Aufstieg gemacht werden? Hätte die Regionalliga die Saison frühzeitig abgebrochen, hätte es gar keine Absteiger geben dürfen. Kowollik appelliert zudem an die Werte (Leistungsgedanke, Fairness, Respekt), moniert einen Systemfehler, weil Oberligaträger gleichzeitig Gesellschafter der Regionalliga seien und dadurch einen Interessenkonflikt hätten und fügt an, dass sich durch die Einstufung der Regionalliga als Profisport eine neue Bewertungssituation ergebe.

? Drohen Klagen in der Frage um die Aufstiegsregelung?

Ja. Kowollik schreibt, dass Vereine bereits rechtlichen Beistand suchen. Stadtallendorf und Pirmasens haben das öffentlich gemacht. Döther geht davon aus, dass es auch Klagen von Oberligisten geben wird. »Das ist mittlerweile normal. Es gefällt uns nicht, aber wir sind es gewohnt. Jeder denkt nur an sich«, sagt er.

? Wie sieht es sportlich im Abstiegskampf der Regionalliga Südwest aus?

Weiterhin bangt die halbe Liga um den Klassenverbleib (siehe Übersicht rechts). Richtig knackig wird es ab Platz 15 (FK Pirmasens) bis hin zum Tabellen-19. aus Walldorf. »Wir haben es kurz nach der Winterpause selbst gemerkt: Mit wenigen Siegen machst du große Sprünge«, weiß Gießens Michael Fink.

? Was spricht für den Klassenerhalt des FC Gießen?

Weiterhin steht ein Fundament, das Team bricht nicht auseinander, stellt die siebtbeste Defensive der Liga. Individuelle Qualität ist massig vorhanden, vor allem im Mittelfeld. Noch steht der FC Gießen knapp über dem Strich. Vor allem in der Schlussphase, den letzten sechs Partien, kann der FC mit Heimspielen gegen Ulm, Pirmasens, Schott Mainz und Kassel nochmal anziehen, auswärts geht es zum VfB Stuttgart II und Stadtallendorf. Nun folgen wichtige Partien bei Hoffenheim II und Balingen, ehe die Knaller gegen Freiburg II und Haiger warten. Zwischendrin geht’s nach Alzenau. Das letzte Saisonspiel steigt planmäßig am 12. Juni (Heimspiel gegen Kassel).

? Was spricht gegen den Klassenverbleib des FC Gießen?

Das Team von Trainer Daniyel Cimen braucht Siege, da führt kein Weg daran vorbei. Dazu braucht es Tore. In den letzten zwölf Partien (ein Sieg) fielen nur acht Tore, 0,66 Treffer also pro Spiel. Zudem fallen alle nominellen Stürmer aus, vor allem der schwere Muskelfaserriss von Aykut Öztürk schmerzt. Genau dann kommt es auf die Offensivreihe im Mittelfeld an. Die von Cimen verpflichteten profierfahrenen Akteure wie Milad Salem, Nikola Trkulja, Ali Ibrahimaj und Nejmeddin Daghfous haben noch nicht nachweisen können, dass sie Gießen zum Klassenerhalt führen werden. Sie müssen sich unweigerlich steigern und ihr vorhandenes Potenzial abrufen. Eine solide Defensive alleine reicht nicht.

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