19. Dezember 2020, 07:00 Uhr

FC Gießen

FC Gießen vor dem brisanten Geister-Derby

Corona-Schnelltests vor dem Abschlusstraining, Zuschauer nur im Live-Stream und ein Gegner, der auf seinen Trainer verzichten muss: Kuriose Umstände vor dem Heimspiel des FC Gießen in der Fußball-Regionalliga Südwest gegen Eintracht Stadtallendorf.
19. Dezember 2020, 07:00 Uhr

Wir sehen die Wichtigkeit dieses Spiels«, sagt Gießens Cheftrainer Daniyel Cimen vor dem ersten Liga-Heimspiel des FC Gießen seit knapp zwei Monaten. Der Vorletzte der Regionalliga Südwest empfängt heute (14 Uhr) im heimischen Waldstadion den Tabellenletzten Eintracht Stadtallendorf - ein Duell zweier Tabellennachbarn also, ein Derby zwischen zwei Vereinen, die rund 50 Kilometer und fünf Punkte trennen.

Es ist auch ein Geister-Derby ohne Zuschauer - am 19. September 2018 noch kamen 4125 Besucher zum damaligen Aufeinandertreffen im Hessenpokal-Achtelfinale, heute darf nur eine erlesene Auswahl an Teambetreuern und Pressevertretern ins Waldstadion, der Rest kann immerhin per Livestream mitschauen.

»Gegen Stadtallendorf war es immer speziell«, meint Daniyel Cimen. »Es ging immer heiß her, es ist Feuer im Spiel. Der Tabellenstand tut sein Übriges dazu.«

Der FC rangiert mit elf Punkten auf dem vorletzten Rang, Stadtallendorf hat gar erst sechs Zähler gesammelt und ist Schlusslicht. Dass beide Teams nicht ohne Zufall dort stehen, daran lässt Eintracht-Coach Dragan Sicaja keinen Zweifel: »Sonst würden wir uns selbst belügen.«

Beide brauchen im Schnitt 97 Minuten für ein Tor

Auch die Zahlen sprechen diese Sprache: Die beiden mittelhessischen Vertreter haben die wenigsten Tore von allen Regionalligisten erzielt. Bei beiden dauert es im Schnitt 97 Minuten, bis ein Treffer bejubelt werden kann. Während der FC Gießen bislang erst einen Heimsieg feiern konnte, holte Stadtallendorf in sieben Auswärtspartien noch keinen einzigen Punkt.

»Die Spiele in der Regionalliga Südwest sind oft sehr knapp, die Eintracht hat mehrmals kurz vor Schluss entscheidende Gegentore kassiert«, weiß Gießens Trainer. »Ich bin auf der anderen Seite mit unserer Entwicklung durchaus zufrieden. Man darf den großen personellen Umbruch nicht vergessen, zwei Zwangspausen haben die Findungsphase nicht erleichtert. Wir wollen gegen Stadtallendorf unter allen Umständen gewinnen, um Punkte gut zu machen und den Anschluss zu halten.«

Personell müssen die Rot-Weißen dabei auf einige Akteure verzichten. Vor allem in der Innnenverteidigung bleibt es eng - Jure Colak bleibt unpässlich, hinter dem Einsatz von Sascha Heil steht aufgrund einer Bänderüberdehnung ein großes Fragezeichen. Außenverteidiger Landu Mateus fehlt mit einem Kreuzbandriss monatelang. Während Nikola Trkulja im zentralen Mittelfeld seine Gelb-Sperre absitzen muss, steht auch hinter dem Einsatz vom defensiven Mittelfeldakteur Louis Münn ein Fragezeichen. Sicher ausfallen wird zudem Stürmer Jann Bangert mit einem Muskelfaserriss.

Der Kontrahent aus Stadtallendorf muss wegen einer Quarantäne-Anordnung nicht nur auf seinen Trainer Dragan Sicaja (siehe Interview rechts) verzichten, sondern auch auf die Langzeitverletzten Kevin Vidakovics, Matthias Pape und Perry Ofori. »Diese Ausfälle konnten wir bisher nicht ersetzen, von der Persönlichkeit her und von der Klasse«, räumt der Eintracht-Trainer ein. Der zuletzt angeschlagene, aber in fitter Form gesetzte Stürmer Del Angelo Williams kehrt nur zurück in die Startelf, wenn kein Restrisiko besteht. Für ihn stürmt ansonsten Felix Nolte.

Die Gäste kassierten nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs zwei Niederlagen ohne eigenen Treffer gegen Ulm (0:3) und die TSG Hoffenheim II (0:2). Im Kraichgau lieferte Stadtallendorf zuletzt unter der Woche aber sein bisher »bestes Auswärtsspiel der Saison« (Sicaja) und will daran im Waldstadion nun anknüpfen.

Mangelnde Chancenverwertung und individuelle Aussetzer in der Defensive sorgten bisher dafür, dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis zueinander stehen. »Der Einsatz stimmt. Uns fehlen aktuell einfach ein paar Prozent Qualität, um dem Gegner weh zu tun«, erklärt Sicaja, der auf die Ex-Gießener Christopher Schadeberg und dem zwischen Spieler- und Trainerbank rotierenden Assistenten und Ex-Gießener Gino Parson baut.

Die Corona-Schnelltests werden von einer Licher Ärztin durchgeführt

Die für die Austragung der Partie notwendigen negativen Corona-Schnelltests wurden derweil wie üblich gestern vor dem Abschlusstraining durchgeführt. Beim FC Gießen werden sie angeleitet von der Licher Allgemeinmedizinerin Dr. Marianne Kosaca. »Einer nach dem anderen wird dann in die Physio-Räumlichkeiten gebeten, das Ergebnis ist nach 15 Minuten da«, erklärt Cimen. Besondere Umstände für ein Derby mit besonderer Brisanz.

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