24. Juni 2021, 12:00 Uhr

Frauenfußball

Es mangelt an Nachwuchs beim SV Ehringshausen

100-jähriges Vereinsjubiläum und 40 Jahre Frauenfußball - angesichts dieser den Ereignisse könnte man beim SV Ehringshausen eine gewisse Feierstimmung erwarten. Doch das ist nicht der Fall.
24. Juni 2021, 12:00 Uhr
GRM
Albrecht Well

Etwaige Feierlichkeiten wird es aufgrund der Corona-Pandemie nicht geben - und auch bei den Frauen gibt es ein Problem: Der Mannschaft fehlt es zunehmend an Nachwuchs. Dennoch hat der SVE die Hoffnung noch nicht aufgegeben, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.

Als eine Gruppe fußballbegeisterter Jugendlicher aus Ehringshausen im Herbst 1921 den »FC Sturmvogel« gründete, konnte keiner von ihnen ahnen, dass sich über die nächsten 100 Jahre daraus der größte Verein des Dorfes entwickeln sollte. Auch im überregionalen Fußball konnte sich der Verein einen Namen machen - allerdings nicht durch seine Herren-, sondern vor allem durch seine Frauenmannschaft.

»Es gab damals einige Damen, die an den Vorstand herangetreten sind, worauf der Vorstand sagte: ›Dann macht mal‹", blickt Albrecht Well, 1. Vorsitzender des SV Ehringshausen, zurück auf die Gründung der Frauenfußballmannschaft am 18. August 1981. Anders als heute hatten auch weitere Vereine aus der Umgebung und im Vogelsberg eigene Frauenteams, gegen die die SVE-Frauen ihre ersten Spiele absolvierten. Bereits 1987 stieg man unter Trainer Armin Sann in die Bezirksliga auf, sein Nachfolger Eckard Adam schaffte mit dem Team sogar den Sprung in die damals zweitklassige Landesliga. Während die Herren des SVE zunehmend mit Spielermangel zu kämpfen hatten und 2000 sowie 2017 sogar den Spielbetrieb einstellten, konnte der Verein ab den 90ern auch im Mädchenbereich Mannschaften melden.

Der Nachwuchs bereitet Sorgen

Über die vergangenen drei Jahrzehnte kamen so die meisten neuen Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs - doch genau dieser bereitet dem Verein nun Sorgen: »Wir haben ein Einzugsgebiet von knapp 20 Kilometern, aus dem wir den Nachwuchs einsammeln, um Frauenfußball darbieten zu können. Die Pandemie ist momentan für uns nicht das treibende Problem, sondern die zurückgehende Jugendarbeit«, sagt Well, der seit einigen Jahren auch Betreuer der Frauenmannschaft ist.

So habe man früher beim Mädchenfußballtag, den der Verein im Rahmen der örtlichen Ferienspiele veranstaltete, bis zu 40 Mädchen begrüßen können - bei der letzten Ausgabe 2019 waren es nur noch vier. Eine ernüchternde Zahl für den Verein, konnte man bei diesen Veranstaltungen immer wieder viele Mädchen für den SVE gewinnen. Ebenso bitter sei auch die zunehmend rückläufige Zahl von Mädchen, die in der Region bei den Jungen mitspielten - da für diese auch ab einem gewissen Punkt ein Wechsel in den Seniorenbereich bei den Frauen anstünde. »Wir hatten letztes Jahr zum ersten Mal keine Mädchenmannschaft mehr. Aktuell gibt es nur eine Trainingsgruppe, die aber nicht am Spielbetrieb teilnimmt«, klärt Well über den derzeitigen Stand des weiblichen SVE-Nachwuchses auf.

Den Spielbetrieb aufrechterhalten

In diesem Zusammenhang weist er auf die unterschiedliche Altersstruktur bei Frauenmannschaften im Vergleich zu den Männern hin: So seien viele Spielerinnen zwar relativ jung bei ihrem Debüt, würden jedoch aus verschiedenen Gründen wie beispielsweise Studium oder Beruf auch deutlich früher ihre Schuhe an den Nagel hängen. Während man beim SV Ehringshausen diese Verluste in der Vergangenheit mit Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs auffüllen konnte, ist dies im Laufe der Zeit zunehmend schwieriger geworden.

Um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, sucht der Verein intensiv Spielerinnen für den Mädchen- und Frauenbereich. Hierbei zeigt sich jedoch eine weitere spezifische Problematik des Frauenfußballs: »Spielerinnen seien rar und diese würden in der Regel zumeist nicht ihren Verein verlassen«, so Well.

All diese Aspekte haben natürlich auch Auswirkungen auf das aktuelle Frauenteam, das im Moment aus 15 Spielerinnen besteht. Dennoch zeigt sich Well kämpferisch: »Es ist eine verschworene Truppe, und davon, dass wir den Spielbetrieb einstellen müssen, ist in Ehringshausen nicht die Rede. Auch unser Trainer (Benjamin May, Anm. d. Red.) hat seinen Vertrag verlängert.«

Auch in Sachen Liga gibt es Neuigkeiten: Der SV Ehringshausen hat beim Hessischen Fußball-Verband einen Antrag auf freiwilligen Abstieg der Frauenmannschaft aus der Gruppenliga gestellt. Die Mannschaft spielt somit in der kommenden Saison in der Kreisoberliga.

Jubiläumsfeiern fallen aus

Während es also auf dem Platz weitergehen soll, wurde von seiten des Vorstands nun beschlossen, die großen Jubiläen im Jahr 2021 aufgrund der Corona-Pandemie nicht mit größeren Feiern zu begehen. »Da wir ein Vielspartenverein sind, hatten wir angedacht, die entsprechenden Veranstaltungen ins Gesamtkonzept des Jahres mit einzubinden. Es ist aber nichts planbar. Was bleibt, ist das Nachholen der turnusmäßigen Jahreshauptversammlungen der Jahre 2020 und 2021«, erklärt Well und betont außerdem, dass man die finanziellen Folgen der Pandemie nicht unterschätzen dürfe: »Die fehlenden Einnahmen durch ausgefallene Veranstaltungen und unsere geschlossene Vereinsgaststätte sind Fakten. Irgendwann geht es auch an die Substanz der Vereine - nicht nur hier, sondern generell.« FOTO: HF

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