Lokalsport

Eine Energieleistung

Die HSG Wetzlar hat in der Handball-Bundesliga die jüngste Heimniederlage gegen Tusem Essen repariert. Gegen den SC DHfK Leipzig gibt es einen unerwarteten, aber verdienten 29:26-Erfolg.
21. Juni 2021, 12:00 Uhr
Daniela Pieth
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Gut im Griff: Philip Henningsson (6) und Anton Lindskog (66) mischten im Innenblock der HSG Wetzlar gegen Nationalspieler Philipp Weber (SC DHfK Leipzig) phasenweise ordentlich Beton an. FOTO: VOGLER

38 Punkte aus 36 Spielen - wer Kai Wandschneider vor der Handball-Bundesligasaison diese Zahlen vorgelegt hätte, hätte die sofortige Unterschrift des scheidenden Trainers der HSG Wetzlar kassiert. Zwei Spiele hat seine Mannschaft nach dem 29:26 (15:14)-Sieg gegen den SC DHfK Leipzig noch Zeit, am Bundesliga-Punkterekord zu kratzen. Dafür müsste beim SC Magdeburg mindestens ein Zähler her und im letzten Spiel der Sieg gegen den TSV GWD Minden eingetütet werden, um die 41 Punkte der Saison 2016/2017 einzustellen.

Die Vorzeichen für das Spiel am Samstag waren eher durchwachsen. Zu den Langzeitverletzten Stefan Cavor, Olle Forsell Schefvert und Alexander Feld gesellten sich Fragezeichen hinter der linken Außenbahn. Emil Mellegard hatte sich unter der Woche mit einer Magen-Darm-Verstimmung herumgeschlagen, bei Maximilian Holst zwickte nachhaltig der Oberschenkel. Doch der Schwede konnte spielen und Holst sich auf die Siebenmeter konzentrierten, die er mit traumwandlerischer Sicherheit vier Mal versenkte.

»Ich bin total stolz auf uns, wir haben noch mal alles rausgehauen«, lobte Wandschneider den Einsatz seiner Spieler, die zuletzt drei Niederlagen in Folge kassiert hatten und angesichts des straffen Programms der letzten Wochen platt schienen.

Vor allem die erste Halbzeit hatte es in sich. Es ging mit viel Tempo auf beiden Seiten munter hin und her. Nach anfänglichem Rückstand legten die Hausherren in der zehnten Minute durch Anton Lindskog auf 6:4 vor. »Wir haben gut umgeschaltet, eine sehr gute Deckungsleistung und eine sehr gute Torwartleistung gehabt«, analysierte Wandschneider. »Und wir haben uns über den Gegenstoß für diese gute Abwehrarbeit belohnt. Die Frage war, wie lange halten wir das durch?«

Den Leipziger 7:7-Ausgleich konterten die Grün-Weißen umgehend. Dreh- und Angelpunkt im Wetzlarer Angriff war Magnus Fredriksen. Der Norweger zog immer wieder zwei, drei Abwehrspieler auf sich, schaffte so Platz für seine Nebenleute und den Kreis. Im letzten Moment glänzte er mit Anspielen, die für Außenstehende kaum zu fassen waren, seine Mitspieler aber zumeist in Tore umwandelten. Der Mittelmann steuerte vier Treffer selbst bei und verbuchte fünf Assists in der Statistik. Die HSG legte auf 14:11 vor und kassierte dafür Lob von Gäste-Coach Andre Haber: »Das hat die HSG zunächst einen Tick besser gemacht. Da sind wir leicht ins Hintertreffen geraten. Die Rückstände haben wir repariert und sind mit einem Tor Rückstand in die Halbzeit.«

Die zweite Hälfte verlief eng, Wetzlar bestrafte Unaufmerksamkeiten der Gäste gnadenlos. Leipzig verdaddelte ein paar Möglichkeiten, über den Gegenstoß zu leichten Toren zu kommen. »Das hat uns ein bisschen wehgetan«, meinte Haber. »Dann hätten wir uns nicht gegen die Wetzlarer 6:0-Abwehr abmühen müssen.«

Denn die stand unnachgiebig und geduldig, Merkmale, die auch den Wetzlarer Angriff auszeichneten. Der rettete sich aus kniffeligen Situationen immer wieder heraus, fand Lösungen an den Kreis oder an die Außenpositionen. »Wir waren nicht clever und in manchen Situationen nicht gut genug, um hier etwas Zählbares mitzunehmen«, musste der Ex-Wetzlarer Philipp Weber anerkennen.

Auch die offene DHfK-Manndeckung brachte die Wandschneider-Truppe am Ende nicht mehr aus der Ruhe. Lukas Binder gelang in der 59. Minute zwar das 26:28 für den SC DHfK, doch das letzte Wort sollten die beiden Positionen haben, die an diesem Abend den Ton angaben. Fredriksen tankte sich eine halbe Minute vor Ende der Partie gegen die Manndeckung durch und versenkte die Kugel zum 29:26 im Leipziger Kasten. Tibor Ivanisevic, der Mitte der zweiten Hälfte für Till Klimpke gekommen war, setzte mit seiner vierten Parade 25 Sekunden später den Schlusspunkt unter ein tolles Handballspiel.

»Am Ende sind wir einfach glücklich, dass wir hier noch mal so eine Energieleistung hinlegen konnten«, so Wandschneider. Ivanisevic ergänzte: »Ich bin froh, dass wir dieses Spiel gewonnen haben, weil wir im ersten Spiel vor Zuschauern nicht gezeigt haben, was wir können. Das haben wir heute besser gemacht.«

Wetzlar: Till Klimpke (1), Suljakovic, Ivanisevic; Srsen (2), Henningsson (1), Björnsen (5), Ole Klimpke, Mirkulovski, Weissgerber (1), Holst (4/4), Fredriksen (4), Gempp (1), Mellegard, Rubin (3), Lindskog (7).

Leipzig: Saeveraas, Birlehm; Witzke (5), Krzikalla (10/5), Binder (5), Larsen, Roschek, Weber (3), Mamic, Remke (1), Gebala (1), Milosevic (1), Esche, Hofmann, Heitkamp.

Stenogramm / SR: Kern/Kuschel (Bellheim/Karlsruhe). - Z: 507. - Zeitstrafen: 8:6 Min. - Siebenmeter: 4/4:5/5.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/eine-energieleistung;art1434,740196

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