21. Juni 2021, 20:47 Uhr

»Ein Highlight für die Seele«

Mit 74 Jahren trotzt Uwe Fischer dem Corona-Blues und dem Alter. Mehrmals wöchentlich legt der Busecker mit seinem Mountainbike noch über 60 Kilometer zurück und schwärmt von der Wohltat des Sports für Körper und Geist. Auch von einer Not- Operation im November 2020 lässt sich die Frohnatur nicht beirren und hält an der Einstellung fest: Aktiver statt passiver werden.
21. Juni 2021, 20:47 Uhr
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Von Sven Nordmann

Sollten Sie ein leuchtendes Beispiel für Lebensfreude und körperliche Fitness mit Mitte 70 suchen, werden Sie in Beuern fündig. Uwe Fischer, Biologie- und Sport-Lehrer im Ruhestand, trotzte zuletzt dem Corona-Blues und Alter und hält mit täglichem Sport Körper fit und Laune hoch.

60-Kilometer-Touren mit dem Mountainbike mehrmals wöchentlich, 2800 Höhenmeter in sieben Tagen, tägliche Wanderungen und Tanz- und Schwimmeinlagen je nach Möglichkeit - »wahrscheinlich hat meine Mutter schon im Mutterleib gespürt, dass ich dem Sport verbunden bin«, sagt Uwe Fischer und muss lachen.

»Gerade in dieser Zeit der Pandemie tut das gut für das Gemüt«, sagt der Busecker. »Du konntest dir nicht den ganzen Tag über nur die Nachrichten ansehen, darüber diskutieren und dir die Probleme anhören.«

Mit seiner Einstellung geht Fischer, Vater des selbstständigen Unternehmers Holger Fischer, gegen den Corona-Trend: Aktiver statt passiver werden. »Ob nach Nidda, zum Inheidener See, an die Burg Gleiburg, nach Grünberg oder zum Hoherodskopf, ich kenne die ganze Umgebung. Bei der Amöneburg, da wird’s richtig steil! Vieles geht derzeit nicht, aber Radfahren kann ich immer.«

Wenn Fischer von seinen Touren mit Mountainbike, Wasserflasche und Riegeln heimkehrt, »fühle ich mich unheimlich wohl. Da werden ja viele Glückshormone ausgeschüttet.«

Fischer war und ist sich der herausfordernden Corona-Zeit bewusst und sieht für sich im Sport eine Lösung: »Es ist jeden Tag eine erneute Auffrischung. Es ist jedes Mal ein Highlight für die Seele.«

Viele Sportarten hat der 74-Jährige in seinem Leben durch: »Als Schüler war ich 1960 der erste 13-Jährige, der in Deutschland über sechs Meter weit gesprungen ist«, erinnert sich Fischer, der in der Folge bei Jugendvergleichswettkämpfen in einem Flugzeug mit Heike Rosendahl (mehrfache Olympiasiegerin, Anm. d. Red.) saß und seine sportliche Aktivität weit über die Weitsprunggrube hinaus ausweitete.

Der in Düsseldorf aufgewachsene und seit über 40 Jahren in Beuern lebende Fischer erinnert sich: »Mit 14 oder 15 Jahren bin ich mit meinem damaligen besten Freund mal spontan mit dem Rad von Düsseldorf nach Aachen gefahren. Weil wir noch einige Umwege über Belgien gemacht haben, hatten sich unsere Eltern schon Sorgen gemacht, weil wir nach 200 Kilometern erst abends um 22 Uhr ankamen. Mit dem Fahrrad war ich immer unterwegs, aber ein Radfahrer war ich nicht. Wissen Sie, was ich meine?«

Später ging’s zum Tennis über, in Gießen tanzt er seit Jahren mit seiner Frau Renate Latein, im Freibad in Grünberg und im Hallenbad in Buseck zieht er seine Bahnen. Der Sport dient dabei - vor allem natürlich vor der Pandemie - als Mulitiplikator für soziale Kontakte: »Wir haben einen großen Bekanntheitskreis, ob im Astaires oder im Freibad in Grünberg und Hallenbad in Buseck. Natürlich kennen wir Menschen mit einem Krankheitsbild und jene, die sich schwer tun. Aber überwiegend haben wir mit Freunden zu tun, die selbst noch sehr aktiv sind.«

Uwe Fischer kennt das Gefühl, keine Luft zu bekommen

Seine 72-jährige Frau erklärt: »In unserem Umfeld gibt es keine phleghmatischen Menschen. Die Menschen, die wir gut kennen, sind aktiv.«

Beide strahlen genau das aus, sind seit 53 Jahren verheiratet und gehen täglich an die frische Luft: »Das Wetter gehört zum Leben.« Fischers lebensbejahende Einstellung hilft auch am 26. November 2020.

Er klagt über starke Bauchschmerzen, muss vom Notarzt in die Asklepios-Klinik nach Lich gebracht und dort notoperiert werden. »Eine schlecht ausgeführte Blinddarm-OP vor mehreren Jahrzehnten verursachte Narben, die nun zu einem Darmverschluss führten. Das war knapp und keine einfache Sache. Aber es hat mir nichts ausgemacht. Ich war in keinster Weise niedergeschlagen. Ich habe nach vorne geguckt.«

Woher rührt diese Einstellung? »Das hat viel mit dem Partner zu tun«, sagt Uwe Fischer. »Diese große Liebe, diese Verbundenheit...Auch wenn nicht immer alles harmonisch verläuft. Und die Verantwortung anderen Menschen gegenüber.«

Hinzu komme »meine generelle Lebensfreude, mein Humor und meine sportliche Aktivität. Ich sehe das Leben einfach positiv und stelle mir immer wieder neue Aufgaben und kleine Ziele.« Natürlich bleibt dem früheren Lehrer der Ludwig-Uhland-Schule in Gießen und der Clemens-Brentano-Schule in Lollar die Gefahr des Coronavirus nicht verborgen: »Ein Merkmal des Lebens ist der Tod. Damit setze ich mich schon auseinander. Gerade in der Pandemie und in Verbindung mit der Intensivstation. Ich kenne das Gefühl, keine Luft zu bekommen: Wenn du 30, 40 Meter im Becken tauchst und hoch kommen willst...«

Der Rentner mache sich schon Gedanken »über eine mögliche Ansteckung. Wir achten auch bei den Spaziergängen an der frischen Luft an die Abstandsregeln. Aber ich denke nur kurz über die ganze Thematik nach und bin insgesamt so positiv gestimmt. Ich beschäftige mich nicht lange damit. Es geht weiter.«

Und so steht für Fischer fest: Auch wenn soziale Kontakte noch immer nicht in gleicher Form vor der Pandemie ausgelebt werden, raus geht’s immer. »Du kannst dich von der ständigen Informationsflut befreien und rausgehen in die Natur. Da zwitschert hier und da ein Vögelchen. Das ist für mich ein kleiner Glücksmoment.«



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