13. April 2021, 17:46 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Was aus der Saison 2020/21 hängen bleibt und wie die Roten Teufel planen

Die Eishockey-Saison 2020/21 war außergewöhnlich. Was bleibt aus dem Winter hängen? Und wie planen die Roten Teufel? Ein Rück- und Ausblick.
13. April 2021, 17:46 Uhr
Wer passt zu wem? Trainer Harry Lange setzt in den kommenden Wochen das personelle Puzzle beim EC Bad Nauheim neu zusammen. FOTO: CHUC

Irgendwie passt das abrupte Hauptrunden-Ende zur Saison des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. Der Winter 2020/21 war außergewöhnlich; durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie im Trainings- und Spielbetrieb im Allgemeinen, für die Roten Teufel aufgrund vieler anderer Faktoren aber auch im Speziellen. Ein Rück- und Ausblick:

Das Fazit: Das sportliche Ziel, die Qualifikation zum Playoff-Viertelfinale, wurde verpasst. In der Tabelle nach Quotientenregel steht Bad Nauheim auf Rang zehn, mit dem niedrigsten Punkteschnitt und den meisten Gegentoren seit dem DEL 2-Aufstieg 2013 sowie der schwächsten Auswärts-Bilanz aller 14 Klubs. »Diese Platzierung entspricht unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Vergleich mit den anderen Standorten. Um die Plätze fünf, sechs oder sieben wiederholen zu können, muss alles, wirklich alles passen. Dafür hatten wir in diesem Jahr auf allen Ebenen aber manche falsche Entscheidung getroffen oder einfach nur Pech gehabt«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer, rückblickend.

Wirtschaftlich stand am Großen Teich im Kurpark - wie bundesweit - das »Überleben« im Fokus. Dank staatlicher Unterstützung konnte die DEL 2 - wenn auch mit Geisterspielen - den Betrieb aufrechthalten. Ortwein sprich in einem ersten Resümee von einen »wohl wirtschaftlich akzeptablen« Ergebnis dank der staatlichen Hilfsprogramme, sowie der Unterstützung durch Werbepartner und Fans. Mehr als 300 Dauerkarten-Besitzer hatten trotz der Geisterspiel-Saison auf Rückerstattung des Kaufpreises verzichtet.

Der Knackpunkt: Viele Mosaiksteinchen führten im Dezember zum Knick in der Formkurve. Da häuften sich die Ausfälle, da konnten Heimsiege die teils desolaten Auswärtsleistungen nicht mehr kompensieren, da folgte auf einen ersten Corona-Fall zum Jahreswechsel eine Team-Quarantäne, da verteidigten plötzlich zwei 16- und 17-jährige Nachwuchsspieler von Kooperationspartner Köln in der DEL 2 und da steckten dem einen oder anderen Profi Virus-Erkrankung und Trainingspause länger als erwartet in den Knochen. Vom Erstliga-Partner kam zwar Quantität, aber weniger Qualität, auch bedingt durch striktere Corona-Test-Szenarien in der DEL. Der Ausfall von Kapitän Mark El-Sayed (nur 18 Spiele) wurde nicht kompensiert. Das Defensiv-Verhalten war zu oft nicht zweitliga-tauglich. Ein Rädchen griff folglich ins nächste - im negativen Sinne.

Die Höhe- und Tiefpunkte: In positiver Erinnerung bleiben die Heimspiele der Monate Oktober und November. Im letzten Vorbereitungsspiel wurden die Eisbären Berlin aus der DEL völlig überraschend bezwungen, zum Hauptrunden-Einstand gab’s acht Heimsiege in Serie; teils spektakulär gegen Bietigheim oder Frankfurt. Deutlich wurden Heilbronn (7:1) und auch Ravensburg (6:0) geschlagen. Tiefpunkte neben einer Reihe von meist deutlichen Auswärtsniederlagen waren zweifelsfrei das 0:8 zu Hause im Derby mit den Kassel Huskies sowie der blutleere Auftritt in Frankfurt (1:5), in dessen Folge ein Wechsel auf der Trainerposition beschlossen wurde.

Der Trainerwechsel: Zum zweiten Mal erst in der DEL 2 (seit 2013) und zum zweiten Mal erst in der Amtszeit von Andreas Ortwein (2008) haben sich die Roten Teufel vorzeitig von ihrem Trainer getrennt. Am 18. Februar wurde Hannu Järvenpää von seinen Aufgaben entbunden (Platz zehn, 39 Punkte aus 28 Spielen). Harry Lange wurde vom Assistenten zum Chef befördert, startete mit sieben Niederlagen in Serie, erhielt mit der Mannschaft aber bis zum Hauptrunden-Abbruch die theoretische Minimal-Chance auf die Playoff-Teilnahme.

Die Handschrift, die Wertevorstellung und die Spielidee von Lange waren rasch erkennbar, wenn auch in dieser Form nicht unmittelbar in der Tabelle abzulesen (21 Punkte aus 21 Spielen). Mitte März unterschrieb Lange einen Vertrag als Cheftrainer für die Saison 2021/22. Wer ihm assistiert, ob die »Leihgabe« Patrick Strauch möglicherweise fest in die Wetterau zurückkehrt, ist noch offen.

Der Shooting-Star: Das ist Jan Luca Sennhenn. Der Verteidiger war eigentlich fest in Bad Nauheim und hatte die Saison im Schatten seiner Förderlizenzkollegen Simon Gnyp und Maximilian Glötzl begonnen. Im nur wenigen Herbst-Spielen empfahl sich der 20-Jährige aber für den DEL-Kader der Kölner Haie und hat sich dort seinen Stammplatz gesichert.

Die Auffälligkeiten: In gleich sechs Spielen in den Monaten Februar/März haben die Roten Teufel innerhalb der letzten 90 Sekunden den spielentscheidenden Gegentreffer kassiert und Zähler liegen lassen. »Wir finden immer wieder einen Weg, Spiele zu verlieren«, musste Lange x-fach einräumen, nachdem sich die Mannschaft zumeist durch einfach taktische oder individuelle Fehler um den (Teil)Erfolg gebracht hat. Die meisten Punkte gwann Bad Nauheim gegen Landshut (zehn Zähler). Ohne Punktegewinn blieben die Roten Teufel gegen Bad Tölz und Crimmitschau. Gegen Frankfurt und Kassel wurden je vier von zwölf möglichen Zählern geholt.

Die Statistik: 36 Spieler - und damit so viele wie nie seit dem DEL 2-Aufstieg - hat der EC Bad Nauheim in dieser Saison eingesetzt. Top-Scorer der Mannschaft ist Cason Hohmann mit 20 Treffern und 59 Vorlagen. Gleich sieben Spieler haben zweistellig getroffen und unterstreichen die Qualität der Offensive. Allerdings: Nur eine Mannschaft (Lausitz) war erfolgloser im Powerplay.

Der Kader: Die größte Baustelle ist d ie Defensive. Hier ist mit den umfangreichsten Veränderungen zu rechnen. Mit Tomas Schmidt wird für die Saison 21/22 zu rechnen sein, auch Huba Sekesi ist - auch dank seiner Allounder-Qualitäten - ein Kandidat für eine weitere Saison. Mark Richardson verlässt Bad Nauheim wieder in Richtung Großbritannien. Aaron Reinig hat die Erwartungen nicht erfüllen können, während Daniel Ketter wohl seine Profi-Laufbahn beenden wird, was drei bis vier neue Verteidiger im Kader erwarten lässt.

Torwart Felix Bick, der zu oft im Stich gelassen worden war zählt - wenngleich er die Leistungen aus den Vorjahren nicht bestätigen konnte - ganz klar als Wunschkandidat für eine Vertragsverlängerung auf der Nummer-eins-Position.

In der Offensive haben Mark El-Sayed und Andreas Pauli bereits Anschlussverträge. Auf den deutschen Positionen haben sich Christoph Körner und Stefan Reiter, dank zweistelliger Trefferzahlen und viel Geschwindigkeit in ihrem Spiel, für Vertragsverlängerungen empfohlen. Ein Mann vom Format von Freddy Cabana steht dem Kader gut, doch erneut konnte der 35-Jährige nur rund die Hälfte der Spiele absolvieren. Cason Hohmann wird Bad Nauheim verlassen, eine Weiterverpflichtung von Jamie Arniel und Kelsey Tessier ist sicher auch eine wirtschaftliche Frage. Nouri Bettahar - in der Defensive auffälliger als im Angriff - und der spät verpflichtete David Aslin haben sich nicht aufgedrängt.

Die Kooperation: Die Zusammenarbeit mit Köln soll fortgeführt werden. Unterschrieben ist aber noch nichts. Die Saison 20/21 glich quasi einem Casting der nachrückenden Talente aus dem Nachwuchs der Rheinländer. Wer zur neuen Saison wieder für Bad Nauheim aufläuft, wird der Sommer zeigen.

Die Multifunktionsarena: Ende August hatten die Spielbetriebs GmbH und die Stadt Bad Nauheim ihr Projekt öffentlich vorgestellt. Im Anschluss war es - bedingt durch die Pandemie - recht still geworden; zumindest nach außen hin. Mit Fachplanern und Partnern wurde das Thema GmbH-intern weitergeführt. Ende April/Anfang Mai wolle man sich zum Sachstand äußern, heißt es.



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