23. Dezember 2020, 23:36 Uhr

Gießen 46ers

Die Unsicherheit lähmt die Gießen 46ers

Die Gießen 46ers sind auch gegen Bonn bei der 68:81-Niederlage überfordert. Ein 0:23-Lauf im ersten Viertel sorgt früh für die Entscheidung. Johannes Richter spricht Klartext.
23. Dezember 2020, 23:36 Uhr
Wie ein Turm hat sich Bonns Center Leon Kratzer (l.) vor Gießens Brandon Bowman aufgebaut, der mit den 46ers am Tag vor Heiligabend eine 68:81-Niederlage kassiert. FOTO: MIKA/SCHÄFER

Gießen 46ers


Dem Gießener Center war die Frustration nach der 68:81-Pleite bei den Telekom Baskets Bonn anzumerken: »Bis auf Brandon Thomas haben wir alle in der ersten Halbzeit zu weich gespielt. Alles, was wir uns vorgenommen haben, haben wir nicht gemacht«, sagte Johannes Richter, der in der Schlussphase mit mehreren Aktionen in Brettnähe nach Kräften dagegengehalten und für Ergebniskosmetik gesorgt hatte bei dieser nächsten deprimierenden Niederlage des Tabellenletzten der Basketball-Bundesliga.

Die Ansätze waren fraglos da, allein an Konstanz mangelte es: »Wir haben immer gute Phasen. Das zeigt, dass wir erstligatauglich sind. Aber wir müssen so über 40 Minuten auftreten«, sagte Richter. Ganz ähnlich hatte sich bei MagentaSport Bonn-Trainer Igor Jovovic geäußert. Auch für die Magenta-Männer war es erst der zweite Sieg. Ein Überteam stand den 46ers am Mittwochabend gewiss nicht gegenüber. Desto alarmierender nimmt sich aus, dass den Rheinländern ein gutes Auftaktviertel reichte, um am Ende ungefährdet zu gewinnen.

Dabei sah die Welt für die Gießener in der Anfangsphase noch in Ordnung aus. Trainer Rolf Scholz hatte sich für eine kleine Aufstellung entschieden. Diese übte mächtig Druck aus, lauerte in den Passwegen. Alen Pjanic erbeutete eine Steal und stellte weniger später von der Dreierlinie auf 12:6 (4.). Thomas hatte vor dem Spiel die Marschroute ausgegeben: »Wir brauchen Defense. Wir haben talentierte Jungs und machen Körbe, aber wir müssen lernen, andere Teams zu stoppen. Das wollen wir zeigen. Und auch unter Beweis stellen, dass wir in diese Liga gehören.« Bis zu diesem Zeitpunkt wurden seine 46ers dem gerecht.

Danach aber gewann die Unsicherheit Überhand. Bonn schlug mit einem erbarmungslosen 23:0-Run zurück. In Ansätzen sah man, dass die Mittelhessen an den so wichtigen Basics gearbeitet hatten. Auch der Wille war unbestreitbar vorhanden. Alleine glücken wollte viertelübergreifend über zehn Minuten so gut wie gar nichts.

Da traf es sich gut, dass auch Bonn im zweiten Viertel das Basketballspielen zwischenzeitlich einstellte. Bis in die 15. Minute blieb der Zwischenstand nach dem ersten Durchgang von 31:16 bestehen. Erst zur Viertelmitte tauten beide Teams im Abstiegsduell auf; Richter nach Tip-in und Jonathan Stark von außen verkürzten auf 25:40 (18.). Symptomatisch nahm sich aber die Schlussminute vor der Pause aus: Scottie James handelt sich abseits des Balls ein völlig vermeidbares Foul ein, ließ die Arme sinken und den Blick konsterniert und frustriert zur Hallendecke wandern. Auf der Gegenseite ließ Bonn den Ball blitzschnell rotieren. Der Ex-Gießener TJ DiLeo fand per Alley-oop-Anspiel James Thompson, der es einschlagen ließ. Zur Halbzeit hieß es 29:49 aus Sicht der Gäste.

Hoffnung machte, dass sich Gießen nach dem Seitenwechsel nicht aufgab. Die Körpersprache stimmte. Misslungene Aktionen wurden nicht mit Gleichgültigkeit quittiert, der Frust war den Lahnstädtern ins Gesicht geschrieben. Neun Assists - davon drei in den letzten Minuten, als Bonn die Schilder sinken ließ - und eine Trefferquote von 34 Prozent aus dem Feld waren aber zu wenig, um eine Aufholjagd zu starten. Dennoch stellte Bonn die von Gießen eingestreute Zonenverteidigung vor kleinere Probleme. So kam es, dass sich die 46ers 20 Punkte weniger einschenken ließen als im bisherigen Saisonschnitt. Über die Stationen 38:65 (27.), 46:70 (30.) und 53:74 (36.) tröpfelte das Vorweihnachtsspiel seinem Ende und dem 68:81 entgegen.

Arbeiten muss Coach Scholz weiter intensiv an den basketballerischen Grundlagen. Die Unsicherheit lähmt, auf dem Parkett scheint Gießen derzeit alles schwer zu fallen. Dafür wird Geduld nötig sein - doch Zeit bleibt kaum. Der Dezember-Spielplan jagt die 46ers bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag nach Bayreuth (20.30 Uhr). Kehrt das Team erneut punktelos zurück, würde der bisherige Negativrekord mit Niederlagen zum Saisonstart übertroffen werden.

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