26. April 2021, 12:00 Uhr

Gießen 46ers GIESSEN - LUDWIGSBURG 80:89 (15:20, 12:28, 25:26, 28:15)

Die Luft wird immer dünner für die Gießen 46ers

Gegen Tabellenführer MHP Riesen Ludwigsburg lag beim Heimspiel der Gießen 46ers zu keiner Zeit eine Überraschung in der Luft. Der zweite Abstieg aus der Basketball-Bundesliga rückt immer näher.
26. April 2021, 12:00 Uhr
Für Trainer Rolf Scholz und seine 46ers rückt der Abstieg immer näher. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Dabei war es nicht das 80:89 (27:48) am Samstagabend, das den womöglich finalen Rückschlag für die Gießen 46ers in der Basketball-Bundesliga markierte. Gegen Ludwigsburg kann man verlieren. Erst zwei Partien hat der BBL-Primus in dieser Spielzeit hergeschenkt, seit Monaten ist das Team unbezwungen. Der immer näher rückende Abstieg der 46ers würde aus den zahlreichen Niederlagen gegen direkte Konkurrenten resultieren. Es ist daher erneut nicht das Ergebnis, sondern eher die Art und Weise, die den Fans sauer aufstoßen dürfte: mangelnde Transition-Defense, wenige Emotionen, hängende Schultern schon vor dem Sprungball.

Wer aus Gießener Sicht auf einen Gänsehautmoment hoffte, wurde immerhin nach Spielende belohnt. Zunächst aber war Spielmacher Diante Garrett vors MagentaSport-Mikro gebeten worden, der eine persönliche Bestleistung aufgestellt hatte (22 Punkte): »Wir kamen raus mit viel Selbstvertrauen, konnten das aber nicht über 40 Minuten beibehalten. Ich glaube an meine Jungs und an mich selbst, wir werden unser Bestes geben, um die nächsten Spiele zu gewinnen.«

Nachdem der 90-fache NBA-Spieler seine Standardplatte abgespielt hatte, bat Kommentator Jörg Dierkes dann Yorman Polas Bartolo zum Gespräch. Der Forward hatte zwei Jahre für die 46ers gespielt - zu »wesentlich besseren Zeiten«, wie es Dierkes ausdrückte. Die Frage lautete, ob es wehtut, den Zustand des Ex-Arbeitgebers mitanzusehen: »Ja schon«, setzte der Deutsch-Kubaner an, bevor er historisch präzisierte: »Ich glaube, genau heute vor sechs Jahren sind wir aufgestiegen. Das macht etwas traurig«, sagte der Aufstiegsheld von einst mit einem melancholischen Lächeln. Ein wenig werde die gute Arbeit von damals durch die gegenwärtige Malaise revidiert, so die Message.

Rechnerisch sind die 46ers noch nicht abstiegen. Um das rettende Ufer zu erreichen, bräuchte es aus den letzten vier Spielen wohl aber vier Siege. Bei drei Punktgewinnen wäre man auf sehr viel Schützenhilfe angewiesen. Schwerer wiegt, dass die längste Siegesserie bislang zwei gewonnene Spiele hintereinander beträgt. Es mangelt an Fantasie, ob sich daran in den zwei letzten Wochen der Saison noch mal etwas ändert.

Hoffnung hatte vor dem Aufeinandertreffen mit dem Tabellenführer gemacht, dass sich die Gießener gegen ranghöhere Teams wie Oldenburg, Bayern und Berlin teuer verkauft hatten. So war es auch in der Anfangsphase gegen Ludwigsburg. »Wir sind eigentlich solide gestartet und haben auch den einen oder anderen freien Wurf erspielt«, erklärte Gießens Headcoach Rolf Scholz. Diese fielen jedoch nicht - »und dann wird es für uns ganz schwer«, so Scholz weiter. Trotzdem gehörte der bessere Start den Mittelhessen, weshalb Ludwigsburg beim Stand von 0:4 zur Auszeit bat.

Gießen hatte wie erwartet Probleme mit der starken Ganzfeldverteidigung der Barockstädter. So fing man sich einen 1:15-Lauf im zweiten Viertel, der letztlich die Vorentscheidung brachte. Erst in der 16. Minute gelang nach langer Durststrecke überhaupt wieder ein Feldkorb. Beim Gang in die Kabine stand es bereits 27:48 aus Sicht der 46ers, die sich bis dahin zehn Ballverluste geleistet hatten.

Ludwigsburg ließ Gießen danach mitspielen, verlor aber nie die Kontrolle. Symptomatisch dafür waren die Geschehnisse ab der 27. Minute. Zunächst verlor John Bryant den Ball und lief in der Defensive nicht mit zurück. Sein Gegner Jamel McLean kam zum freien Dunk, weshalb Scholz zur Auszeit bat. Selbige änderte aber nichts daran, dass die Riesen gleich im nächsten Angriff fast spiegelbildlich erneut zu Punkten nach einem McLean-Dunking kamen. Alen Pjanic konnte sich dabei ein verzweifeltes Lachen nicht verkneifen.

Dass das Ergebnis noch aufgehübscht wurde, hing mit dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Jaleen Smith zusammen. Der MVP-Anwärter war beim Stand von 86:68 mit Jonathan Stark kollidiert und musste vom Feld. Ludwigsburg stellte sein Spiel fast komplett ein. Stark markierte den Mammutteil seiner am Ende 15 Punkte in der Garbage Time.

Bezeichnend: Auch die Eigengewächse Tim Uhlemann und Tim Köpple standen nun auf dem Parkett, hatten aber keinen einzigen Ballkontakt. Scholz will die beiden in den verbleibenden Spielen mehr einsetzen. In Chemnitz am Freitag (20.30 Uhr) und gegen Vechta am Sonntag (18 Uhr) zählen im nackten Abstiegskampf aber nur noch Siege.

Gießen 46ers: Jonathan Stark (15 Punkte), Isaac Hamilton (2), Tim Köpple, Alen Pjanic (2), Tim Uhlemann, Diante Garrett (22, 7 Assists), Ferdinand Zylka (3), Chad Brown (1) Scottie James JR (8, 11 Rebounds), Brandon Thomas (12), John Bryant (15, 6 Rebounds).

Ludwigsburg: Jordan Hulls (11), Jaleen Smith (17), Barry Brown Jr. (5), Johannes Patrick, Jamel McLean (16), Lukas Herzog, Yorman Polas Bartolo (14), Nico Santana Mojica, Jonas Wolhfahrt-Bottermann (4), Desi Rodriguez (14), Tremmell Darden (3), Oscar Da Silva (5)

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