15. März 2021, 07:05 Uhr

Basketball-Bundesliga

Die Luft für die Gießen 46ers wird immer dünner

Nach der 79:82-Niederlage im Hessen-Derby bei den Frankfurt Skyliners sind die Mittelhessen dem Abgrund wieder einen Schritt nähergekommen.
15. März 2021, 07:05 Uhr
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Von Markus Konle
Auf sich alleine gestellt ist in dieser Szene Gießens Center John Bryant (M.), der bei der 79:82-Derby-Niederlage der 46ers starke 31 Punkte erzielt. Hier wird er von Matt Mobley (hinten) und Len Schoormann hart attackiert. FOTO: KESSLER

Die Gießen 46ers waren am Samstagabend so dicht dran - doch am Ende hat es wieder nicht gereicht. Bjarne Kraushaar hatte drei Sekunden vor dem Ende die Chance, die 46ers in die Verlängerung zu bringen. Doch sein Dreierversuch war zu kurz und traf nur den Ring. Den Rebound sicherte sich Frankfurts Matt Mobley. Das war’s. Die 79:82 (35:32)-Niederlage im Hessen-Derby der Basketball-Bundesliga war besiegelt für die Gießener. Obwohl sie sich im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Partien deutlich verbessert präsentierten. Sie kämpften, sie verteidigten aggressiver, sie zeigten eine andere Körpersprache - und sie hatten den überragenden Mann des Derbys in ihren Reihen: Center John Bryant, der am Ende auf 31 Punkte, neun Rebound und fünf Blocks kam.

Doch auch seine Gala reichte nicht zum Sieg für sein Team. Und so sind die 46ers nach dem Sieg von Rasta Vechta gegen Ulm wieder Tabellenletzter - mit sechs Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.

46ers erlauben sich 18 Ballverluste

»Im Rahmen unser Möglichkeiten haben wir eine gute Vorstellung abgegeben«, sagte Trainer Rolf Scholz: »Ich und auch die Jungs werden nie zufrieden sein mit einer Niederlage. Es ist aber der richtige Weg, den wir eingeschlagen haben. Wir müssen das jetzt zeitnah in Siege umwandeln, sonst haben wir davon nichts.«

Die Mittelhessen, die weiter auf Chad Brown und Isaac Hamilton verzichten musten, waren furios in die Partie gestartet, führten vor allem dank Bryant früh mit 20:6 (6.) - und auch nach dem ersten Viertel mit 20:10. Doch die Frankfurter bissen sich nach und nach ins Derby und legten einen 18:2-Lauf aufs Parkett (24:22). Mit zwei ganz weiten Dreiern zum 28:24 hielt Diante Garrett dagegen, wenig später traf Kapitän Brandon Thomas nach zwei punktlosen Begegnungen endlich wieder - per Dreier erzielte er die 33:27-Führung (18.) der 46ers, die sich in der ersten Hälfte insgesamt aber wieder zu viele unnötige Ballverluste leisteten. Gleich zehnmal schenkten sie in den ersten 20 Minuten die Kugel her, dennoch gingen sie mit einem 35:32-Vorsprung in die Halbzeitpause.

»Mit unseren insgesamt 18 Ballverlusten haben wir uns das Leben wieder selbst schwer gemacht«, sah Scholz in diesem Punkt einen der Hauptgründe für die letztliche Niederlage seiner Truppe. Die schaffte es zudem nicht mehr, Mobley zu kontrollieren. Nach nur drei Zählern in der ersten Hälfte brachte der zweitbeste Scorer der BBL, für den am Ende 21 Zähler, sieben Rebounds und acht Ballverluste in der Statistik standen, die Skyliners nach der Pause mit 46:42 (24.) in Führung. Doch Thomas drehte wenig später die Partie wieder für die Gießener (58:53, 28.), die vor dem packenden Schlussviertel mit 61:58 vorne lagen - und diese Führung bis zum 69:63 (34.) sogar leicht ausbauten. Aber die Skyliners legten postwendend einen 11:2-Lauf zum 74:71 hin.

Im letzten Angriff geht Plan nicht auf

Garrett stellte per Dreier knapp zwei Minuten vor dem Ende auf 77:77, Mobley konterte per Dreier zum 80:77 für die Frankfurter. 46 Sekunden vor dem Ende verkürzte Bryant am Brett auf 79:80. Doch Skyliners-Center Michael Kessens legte 26 Sekunden vor Schluss zum 82:79 ab. Auszeit Gießen. »Die erste Option war, dass Diante Garrett einen Wurf kreiert - entweder für sich oder in der zweiten Option für John Bryant«, erklärte Scholz seinen Plan für den letzten Angriff. Doch gegen die Verteidigung der Skyliners konnte Garrett diese beiden Optionen nicht umsetzen - er sah aber Kraushaar in der Ecke lauern, der drei Sekunden vor dem Ende freistehend abdrückte - und für sein Team die Verlängerung verpasste.

»Bjarne ist mutig genug, so einen Wurf zu nehmen. Er wird daran nur wachsen. Wir haben das Spiel nicht verloren, weil er den Dreier nicht getroffen hat«, sagte Scholz, der dem gebürtigen Gießener in der Crunchtime den Vorzug vor dem US-Amerikaner Jonathan Stark gegeben hatte. »Ich hatte nicht das Gefühl, dass Jonathan an diesem Tag den entscheidenden Wurf setzen kann. Es war nicht sein Spiel«, begründete der Coach diese Entscheidung und sprach damit ein weiteres Handicap an: Dass vermeintliche Leistungsträger wie Stark, Thomas oder Brandon Bowman unter ihren Möglichkeiten geblieben waren.

Und so ist für die Gießener nach dem vermutlich letzten Hessenderby gegen Frankfurt für zumindest längere Zeit der Ligaerhalt angesichts des düsteren Tabellenbilds wieder etwas unrealistischer geworden. So lange er rechnerisch aber noch möglich ist, wollen die 46ers weiter kämpfen. Scholz sagt: »Es bleiben uns noch zwölf Spiele und damit zwölf Chancen.« Die nächste am Samstag gegen Würzburg.

Im Stenogramm

Frankfurt: Mobley (21/6 Dreier), Robertson (16/3), Kessens (14, 6 Rebounds), Gudmundsson (10), Rahon (7), Moore (6), Schoormann (5), Murphy (3).

Gießen: Bryant (31/4 Dreier, 9 Rebounds, 5 Blocks), Garrett (17/4, 2 Assists, 4 Ballverluste), James (10, 4 Rebounds, 4 Assists), Pjanic (7/1), Stark (5/1, 4 Assists, 3 Ballverluste), Thomas (5/1, 3 Assists), Bowman (4, 4 Rebounds), Kraushaar (0, 4 Assists, 3 Ballverluste), Zalky (0).

Viertelergebnisse: 12:20, 20:15, 26:26, 24:18.



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