11. April 2021, 20:00 Uhr

FC Gießen

Die Luft für den FC Gießen wird dünner

Sorgen bereitet dem FC Gießen der Trend von nur einem Sieg aus zwölf Spielen und durchschnittlich 0,66 erzielten Toren in diesem Zeitraum. Ein echter Stürmer fehlt dem Fußball-Viertligisten weiter.
11. April 2021, 20:00 Uhr
Gegensätze: Während Gießens Marco Boras (r.) hadert, jubeln Offenbachs Serkan Firat (l.) und Elia Soriano über das 1:0. FOTO: OV (Foto: Oliver Vogler (Oliver Vogler))

Der FC Gießen muss im Saisonendspurt neue Torjäger und mehr Offensivkraft finden, um auch in der kommenden Spielzeit ein Fußball-Regionalligist zu sein.

Das zu erwartende 0:2 (0:1) gegen Aufstiegskandidat Kickers Offenbach bedeutet: Der FC Gießen hat nur eines seiner letzten zwölf Spiele gewonnen. In diesen zwölf Partien schoss Gießen acht Tore.

Zwölf Spiele stellen in einer üblichen Saison ein Drittel der Spielzeit dar - Aussagekraft also ist gegeben. 0,91 Punkte und 0,66 Tore pro Spiel in dieser Phase dürften zum Klassenerhalt nicht reichen.

»Uns ist klar, dass wir mal Siege brauchen, um da unten rauszukommen. Mit den Unentschieden bleibst du dabei, kommst aber keinen richtigen Schritt vorwärts«, wusste Stratege Michael Fink nach dem Hessen-Derby im Gießener Waldstadion.

Die Abstiegszone rückt mit einem Punkt Vorsprung näher und mit einer baldigen Rückkehr eines gelernten Stoßstürmers ist nicht zu rechnen. »Man muss trotzdem ruhig bleiben«, sagt Fink. »Wir wissen um die Qualität, die wir haben. Jetzt kommen die entscheidenden Wochen. Mit Hoffenheim II und der TSG Balingen kommen zwei Gegner, wo wir uns etwas erhoffen.«

In diese Partien muss der FC definitiv ohne Aykut Öztürk gehen. Der Vier-Tore-Stürmer, dessen Wert mehr durch Körperlichkeit und Raffinesse definiert wird, droht, mit einem Muskelfaserriss bis zum Saisonende auszufallen. »Ich habe keine große Hoffnung mehr«, sagt Trainer Daniyel Cimen.

»Bei Marcel Mansfeld kann sich das mit der Schambeinentzündung auch noch ziehen, bei Gino Parson sieht es mit dem Knie nicht so gut aus. Jonas Arcalean könnte nächste Woche wieder zur Verfügung stehen« - bloß ist der 23-Jährige eher ein schneller Konter-, denn Mittelstürmer. Jann Bangert wurde schon vor Monaten suspendiert.

Das Fehlen eines echten Angreifers war dem Gießener Spiel gegen die Kickers am Samstag anzumerken. »Bis auf Milad Salems Abschluss aus 18 Metern haben wir offensiv nicht viel auf den Platz gebracht. Somit verlieren wir verdient mit 0:2«, räumte Trainer Cimen ein.

Der FC kassierte das Gegentor in der 39. Minute zu früh und zu einfach. Ein langgezogener Ball von Außenverteidiger Ronny Marcos aus der eigenen Hälfte segelte gefühlte mehrere Sekunden über den Platz. Während sich in der Gießener Verteidigung keiner verantwortlich fühlte, nutzte Serkan Firat die Gunst der Stunde und nahm den Ball freistehend volley direkt und setzte ihn zum 1:0 in die Maschen.

»So ein Gegentor mit einem langen Ball von der Mittellinie darf uns nicht passieren. Da müssen wir wacher sein«, krittelte Fink, der dann selbst Aktien am 0:2 hatte, als ihm ein für ihn ganz seltener Fehlpass im Aufbauspiel unterlief, aus dessen resultierender Ecke das 0:2 durch Malte Karbstein (87.) entstand.

»Man hat gemerkt, dass wir keinen gelernten Stürmer hatten. Uns haben die Tiefe und die zwingenden Wege gefehlt«, sagte der Ex-Profi. »Wir müssen schauen, wie wir das hinbekommen.«

Die Kickers gaben defensiv kaum Räume frei, agierten geduldig und konnten nach dem 1:0 noch konzentrierter verteidigen. So konnte der OFC auch das Fehlen etlicher Mittelfeld-Stammkräfte vernünftig kompensieren.

Die Hausherren stellten mit zunehmender Spieldauer zwar auf Dreierkette um und agierten offensiver - sowohl der erstmals in der Startelf stehende Neuzugang Nejmeddin Daghfous noch Antonyos Celik oder Tim Korzuschek konnten für Gießen aber Offensiv-Impulse setzen.

Während der OFC unter Neu-Trainer Sreto Ristic mit der besten Defensive der Liga weiter vom Drittliga-Aufstieg träumt, wird die Luft für Gießen allmählich dünner. In den kommenden beiden Spielen in Hoffenheim und gegen Balingen ist Druck auf dem Kessel - geht es danach schließlich gegen die Topteams aus Haiger und Freiburg II. Die FC-Devise: Ruhe bewahren und Offensivlösungen finden.

FC Gießen: Löhe - Weiß, Boras, Starostzik, Takehara (66. Mohr) - Fink - Ibrahimaj, Trkulja (81. Hofmann) - Salem, Daghfous (66. Celik), Korzuschek (81. Colak).

Kickers Offenbach: Flauder - Vetter (67. Fritscher), Zieleniecki, Karbstein, Marcos - Huseinbasic, Garic - Firat, Fetsch, Sobotta (84. Lemmer) - Soriano (88. Reinhard).

Im Stenogramm: Tore: 0:1 (39.) Firat, 0:2 (87.) Karbstein. - SR: Satriano (Zell i. Wiesental).

Schlagworte in diesem Artikel

  • Commerzbank Arena
  • FC Giessen
  • Fußball
  • Kickers Offenbach
  • Mittelstürmer
  • Torjäger
  • Sven Nordmann
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen