25. November 2020, 15:59 Uhr

Sport

Die Badeschlappen im Gruppen-Chat

Strafenkataloge, Glückwünsche, Challenges oder Organisatorisches - Whats-App-Gruppen werden nicht erst seit Corona für unterschiedlichste Zwecke genutzt. Das gilt nicht nur im Teamsport.
25. November 2020, 15:59 Uhr
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Von Christoph Sommerfeld

Die Satire-Website »Der Postillon« informierte dieser Tage über die neuesten Einschränkungen im Corona-Lockdown. Demnach sei die Teilnehmerzahl in Whats-App-Gruppen aus Abstands- und Hygienegründen auf fünf Personen begrenzt. Kein schlechter Kalauer. Tatsächlich aber ist der Instant-Messaging-Dienst gerade in Zeiten der Pandemie auch für Sportler eine gute Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu bleiben. Natürlich nutzten Einzel-Athleten, vor allem aber ganze Mannschaften schon lange vor Covid-19 die beliebte Chat-Plattform - und werden dies auch danach weiterhin tun.

Wie genau allerdings in den Gruppen kommuniziert wird, welche Inhalte die Sportler untereinander teilen, das ist von Verein zu Verein bzw. von Sportart zu Sportart durchaus unterschiedlich.

Martin Schmitt ist Handball-Trainer, er lebt in Grünberg und trainiert die Landesliga-Damen des TSV Griedel. »Bei uns gibt es zwei Whats-App-Gruppen«, verrät er. So wie er es auch aus seiner Zeit als Aktiver kennt. »Eine mit Trainer und eine ohne.« In der Gruppe, in die auch er Einblick hat, werden u. a. organisatorische Dinge wie Trainingsverlegungen oder Termine gepostet. »Aber wir nutzen das auch für schnelle Meinungsabfragen, für Spaßiges und für Glückwünsche.« Fast schon professionell gehen die Butzbacher Frauen in Sachen Strafenkatalog vor. Der wird mit der App »Spieler plus« verwaltet. Sanktionen sind u. a. vorgesehen für verschüttete Getränke, virtuelle Siegtore (z.B. der 22. Treffer bei einem 25:21-Erfolg) und in der Halle vergessene Utensilien. Um das Vergehen nachzuweisen und die straffällig gewordene Spielerin zu überführen, kommt dann wieder Whats App ins Spiel. Ein Foto mit den liegengelassenen Badeschlappen, posten, und schon klingelt’s in der Kasse.

Auf die Gruppe ohne Trainer hat Schmitt natürlich keinen Zugriff. In diesem Chat können die Spielerinnen auch mal »Dampf ablassen«. Die Spielführerin kann das aufgreifen und gegebenenfalls in einer Mannschaftssitzung noch mal thematisieren. »Was genau da geschrieben wird, weiß ich aber nicht. Will ich auch gar nicht wissen«, erklärt Schmitt schmunzelnd.

160 Zeichen? - Nicht mit Tom Kritzer

Tom Kritzer aus Hungen kommt auf fünf Gruppen-Chats, die ihn bei Whats App auf Trab halten. Der 52-jährige Lauftrainer hat die C-Lizenz Breitensport vom Hessischen Leichtathletik-Verband. Er betreut die Sommerbiathleten des SV Laubach, ist derzeit Leiter eines Laufkurses beim SV Queckborn und ist noch dazu als Coach bei einem Wiesbadener Leichtathletik-Verein tätig. All seine bisherigen Kurse beim SVQ hatten ein Corona-konformes Abschlussevent, das über die Chat-Gruppe organisiert wurde. Schon der ersten Unterbrechung im Frühjahr begegnete Kritzer mit einer kurzfristigen Verlegung des Trainingsortes ins »Home Office«. »Die Athletik-Einheiten der Queckbörner gingen dann eben via Zoom-Call über die Bühne«, erklärt der lizensierte Übungsleiter. Verwirrung stiftende Störfaktoren wie fehlender Ton oder unfreiwillig komische Bildausschnitte wurden genüsslich bei Whats App kommentiert. Bei ernst gemeinten Theorie-Fragen der Mitglieder ist Kritzer dann in seinem Element. Wenn es um anaerobe Schwellen oder die Beschaffenheit der verschiedenen Schuhtypen geht, kann er froh sein, dass die Nachrichtenlänge heuer nicht mehr auf 160 Zeichen begrenzt ist - wie im Zeitalter der SMS.

Sehr mitteilungsfreudig ist auch Christof Höfer aus Reiskirchen. Der Motorrad-Rennfahrer, den alle nur »Fifty« nennen, war bereits Mitglied mehrerer Teams. Er fuhr u. a. bei der Langstrecken-WM, in der 1. Bundesliga und bei der Internationalen Deutschen Superbike-Meisterschaft. Die Handy-Gruppen dieser Teams hat er nicht gelöscht und hält noch heute Kontakt. Seine Rennfahrer-Kollegen kommen aus ganz Europa. »Da wird dann natürlich nicht immer auf deutsch oder englisch geschrieben. Manchmal verstehe ich das auch nicht alles«, sagt Höfer mit einem Augenzwinkern. Seine größte Chat-Gruppe heißt »Fifty Racing Saison News«, besteht seit vielen Jahren und hat über 150 Mitglieder. »Da stelle ich aktuelle Ergebnisse und Neuigkeiten - oft direkt von der Rennstrecke - rein. Die Gruppe ist für Freunde, Familie, Mechaniker, Sponsoren«, erzählt der 30-Jährige. »Oft fragen die Leute sogar, wann ich mal wieder etwas poste.« In besonderen Challenge-Chats von Höfer wechseln wöchentlich die Aufgabensteller. »Einer läuft zehn Kilometer und macht 50 Liegestütze. Und die anderen müssen das dann nachmachen.« Beweise sind per Foto zu erbringen.

Solche Challenges gibt’s bei Christine Lenke nicht, auch Strafenkataloge oder theoretische Lektionen sucht man in der Whats-App-Gruppe der Heuchelheimer Tischtennis-Damen vergeblich. »Das ist bei uns etwas unspektakulärer«, sagt die Spielführerin des Hessenliga-Teams. Vor allem die Organisation des Trainingsbetriebs und die Spieleinsätze managen die TSF-Akteurinnen der beiden Frauen-Mannschaften in ihrem Chat. Eine Gemeinsamkeit verbindet Lenke aber mit ihren Sportkollegen: »Im November hat die Kommunikation eher nachgelassen. Wenn weder Training noch Spiel stattfindet, wird’s auch in der Gruppe ruhiger«, sagt sie.

Selbstredend eignet sich der Instant-Messenger mit dem grünen Logo nicht nur für Sporttreibende und Übungsleiter, sondern auch für Funktionäre. Marco Stula ist Vorsitzender beim TV Homberg und diskutiert mit seinen Vorstandskollegen die dringendsten Fragen via Chat. »Zahlungsverkehr, Verträge, Gespräche mit Sponsoren. Über solche Dinge beraten wir uns in der Gruppe«, erzählt Stula, der aber auch zugibt, weniger zu tun zu haben als gewöhnlich. »Wir schleppen uns durch eine ziemlich tote Zeit.« In dem Mehrspartenverein ist Stula derzeit vor allem in den Chats des geschäftsführenden Vorstands (inkl. Spartenleiter) und des erweiterten Vorstands aktiv. Dazu ist er Mitglied in der Zeitnehmer-Gruppe der Handballer, die derzeit tendenziell Sendepause hat. Die »allgemeine Handball-Gruppe«, wie es der Vorsitzende nennt, hat an Spieltagen oft sogar einen Live-Ticker zu bieten, durch den der interessierte Homberger brandaktuell die (Zwischen)-Ergebnisse seines geliebten TVH erfahren kann. »Einen Teil der Kommunikation nimmt aber auch die TV-Homberg-App weg. Hier kommen z.B. Corona-Updates als Push-Nachricht rein. Meldungen auf der Homepage verlinken wir gerne bei Whats App«, berichtet der Homberger Vorsitzende. So werde man auch der jüngeren Generation gerecht.



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