06. Dezember 2020, 22:03 Uhr

Den Sack nicht zugemacht

Der TV 05/07 Hüttenberg holt in der 2. Handball-Bundesliga seinen nächsten Punkt. Am Samstagabend endete das Duell gegen den EHV Aue 26:26 (11:13). Die Truppe von Johannes Wohlrab verpasste es, einen möglichen Sieg ins Ziel zu bringen und verlor zudem Christian Rompf.
06. Dezember 2020, 22:03 Uhr
JSA
Hüttenbergs Youngster Merlin Fuß (2) trug mit fünf Treffern maßgeblich zum Punkt gewinn gegen den EHV Aue bei. FOTO: THÜRMER

Nach dem Trainerwechsel am vergangenen Montag stand für den TV 07/07 Hüttenberg das erste Spiel unter der Leitung von Interimscoach Johannes Wohlrab auf dem Programm. Gegen den EHV Aue holte sich der 34-jährige mit Tim Spengler den Co-Trainer der TVH U 23 in selbiger Position auf die Bank.

Seinem Gegenüber Kirsten Weber fehlte eine Handvoll Spieler, die sich auf Anweisung des Gesundheitsamtes weiterhin in Corona-Quarantäne befanden. Allgemein war den Mannen aus dem Erzgebirge unklar, wo sie denn überhaupt stehen, nachdem die Mannschaft einen Monat lang kein Spiel mehr bestritten hatte. Ins Training eingestiegen waren sie auch erst am Dienstag in langsamen Schritten. Vorzeichen einer Woche auf beiden Seiten, die Spannung garantierten. Jedoch wurde es keineswegs zu einem handballerischen Leckerbissen.

Erstmals seit mehreren Spielen startete Routinier Nikolai Weber wieder im Tor der Hausherren. Sein Gegenüber im Auer Kasten, Anadin Suljakovic, parierte früh gleich den ersten Strafwurf von Tobias Hahn. Für den jungen Suljakovic war es der erste von zwei Auftritten in der Rittal-Arena am Wochenende. Der mit einem Zweitspielrecht von der HSG Wetzlar an EHV abgestellte Torhüter wurde im Vorfeld auch darüber informiert, am Sonntag für Wetzlar zum Einsatz zu kommen. Gegen den ersten Tagestreffer der Gastgeber durch Merlin Fuß war er nach vier Minuten aber machtlos.

Seine Teamkollegen suchten die schnellen Abschlüsse vorne, gönnten sich aber im Positionsangriff entsprechend Verschnaufpausen. So ging es beim 1:2 durch Kevin Roch - wie so oft am Samstagabend - mit Tempo über die Außen. Zehn der 26 Treffer sollten es im Spielverlauf von der Außenposition werden bei den Gästen. Früh gab das Schiedsrichtergespann Cesnik/Konrad die erste Zeitstrafe. Nach einem Stoß in der Luft gegen Hüttenbergs Fuß traf es Adrian Kammlodt. Diese Überzahl nutzte Ian Weber mit einem Doppelschlag, um für die erste Führung des TVH zu sorgen. In den weiteren Minuten gerieten beide Teams zunehmend in den Positionsangriff. Kaum ein Offensivvorstoß verging ohne angezeigtes Zeitspiel. Vor allem auf den Halbpositionen hatte die Hüttenberger Abwehr enorme Probleme, Abschlüsse zu verhindern. »Uns fehlte in der ersten Halbzeit die Aggressivität in der Deckung. Wir wollten hier ganz anders rangehen. Ich habe alles vermisst, was wir uns da vorgenommen haben«, gestand Johannes Wohlrab.

Eine Schwächephase des TVH im Angriff bestrafte Aue mit einem 3:0-Lauf zum 11:8 in der 25. Minute. So sah sich Interimscoach Wohlrab gezwungen, die Phase mit einer Auszeit zu unterbrechen. Einzig Keeper Nikolai Weber war es zu verdanken, dass der TVH nicht schon deutlich weiter hinten lag. Insgesamt elf Paraden steuerte der 40-Jährige bei. Das Halbzeitergebnis von 11:13 spiegelte wider, dass der EHV einfach mehr Galligkeit in der Deckung an den Tag legte.

Was dann jedoch nach der Pause passierte, war mit das Beste, was die junge Mannschaft der Mittelhessen in dieser Saison bislang gezeigt hat. Eine völlig andere Körpersprache und Emotionalität - auf und neben dem Feld. Überrascht von der Wucht und dem Selbstbewusstsein der Hüttenberger, leistete Aue sich Ballverluste. So kam auch der erste Tempogegenstoß überhaupt für Hüttenberg in der 36. Minute zustande, den Christian Rompf zum Anschluss verwertete. Im nächsten Angriff brachte Ian Weber per Siebenmeter den 15:15-Ausgleich. (38.). Es entwickelte sich ein emotionales Feuerwerk bei jeder Aktion. Die wenigen Vereinsverantwortlichen beider Seiten, denen der Zugang in die Rittal-Arena gewährt war, heizten sich gegenseitig auf. Ian Weber, der seine Mannschaft hervorragend führte und seine beste Saisonleistung zeigte, und seine Kollegen ließen sich von den Emotionen tragen und enteilten durch Vit Reichl auf 20:17.

Rompf verletzt sich beim Zurücklaufen

Mitte der zweiten Hälfte wirkte alles, als seien die Hüttenberger auf dem besten Weg, einen Sieg einzufahren. Doch Christian Rompf stand beim eigentlichen 21:17 mit dem Fuß auf der Außenlinie und bekam den Treffer aberkannt. »In der Phase müssen wir den Sack zu machen und dürfen uns das nicht mehr nehmen lassen«, ärgerte sich Wohlrab. Der nächste Schock folgte beim Stande von 22:21 für die Hüttenberger: Rompf verletzte sich beim Zurücklaufen in Höhe der Mittellinie am Knöchel und konnte nicht mehr weitermachen.

Aue bekam noch einmal die zweite Luft und glich in der 49. Minute durch Maximilian Lux zum 22:22 aus. Die letzten Spielminuten verliefen ausgeglichen, beide Teams waren zu unwirsch im Abschluss, sodass die Partie unentschieden endete. Wohlrab und Weber richteten anschließend beste Genesungswünsche an den Auer Chefcoach Stephan Swat. Der wird dem EHV noch mehrere Wochen wegen eines schweren Verlaufs einer Corona-Erkrankung fehlen.

Hüttenberg: Plaue, Nikolai Weber - Fuß (5), Opitz, Theiß, Fujita (1), Ian Weber (7), Rompf (5), Reichl (4), Mubenzem (1), Hübscher, Hahn (2), Klein (1), Jockel, Schreiber

Aue: Suljakovic, Bochmann, Petursson - De Santis (2), Roch (2), Ebert (1), Bornhorn (7/5), Lux (7), Schneider (2), Leubner, Slachta (1), Kammlodt (3), Halfdanarson (1), Tsuyama, Bombelka, Mehlhorn.

Stenogramm / SR: Cesnik/Konrad. - Zeitstrafen: 4/1.



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