31. Oktober 2021, 20:43 Uhr

Beim RSV passt alles zusammen

31. Oktober 2021, 20:43 Uhr
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Von Andreas Joneck
Jannik Blair vom RSV Lahn-Dill (rechts Brian Bell) setzt sich beim 71:69 im Gipfeltreffen gegen die Thuringia Bulls (l., Vahid Azad) durch. FOTO: THEIMER

Ein rundherum gelungener Samstagabend für den RSV Lahn-Dill, eine gute Kulisse mit einer entsprechend prickelnden Atmosphäre, ein hoch spannendes Topspiel gegen die Thuringia Bulls, dazu ein sportliches Happy End und die Tabellenführung in der RBBL. So feierten die Gastgeber am Ende vor 1046 Zuschauern in der Wetzlarer Rittal Arena einen 71:69 (18:23/42:39/ 54:54)-Heimsieg über den Rivalen aus dem Osten der Republik ausgelassen.

Was die gute Kulisse zu sehen bekam, war ein Duell zwischen dem amtierenden Champions-League-Sieger aus Hessen und dem amtierenden deutschen Meister aus Thüringen, das beide Seiten von Beginn an auf Augenhöhe führten. Zunächst lagen die Vorteile jedoch bei den Gästen, die durch Aliaksandr Halouski und Neuzugang Jordi Ruiz über 8:4 (4.) und 14:12 (7.) leicht die Nase vorne hatten. Aufseiten der mittelhessischen Gastgeber war es in dieser Phase Nationalspieler Thomas Böhme, der mit zwölf Punkten und einer Trefferquote von knapp 86 Prozent aus der Mitteldistanz seine Farben im Spiel hielt, ehe die Bulls mit drei Dreiern binnen gut 100 Sekunden den RSV schockten. Halouski und Neuzugang Nummer zwei, US-Boy Dylan Fischbach, waren es, die damit ihr Team auf 23:18 nach dem ersten Viertel nach vorne brachten.

Doch der RSV verlor sein Ziel nie aus den Augen. So folgte den drei Bulls-Dreiern in den zweiten zehn Spielminuten das vielleicht beste Viertel der bisherigen Saison für das Team von Cheftrainerin Janet Zeltinger. In der Defensive hatte sich der RSV nun bestens auf die beiden langen Center Halouski und Vahid Gholomazad eingestellt, nahm diese gut aus dem Spiel und hatte selbst in Böhme einen überragenden Akteur auf dem Parkett. Bestens von seinen Mitspielern in Szene gesetzt, schraubte der 30-Jährige sein Punktekonto bis zur Halbzeit bereits auf 24 Zähler. So machten die Hausherren aus einem 27:33 (16.) im Schlussspurt eine 42:39-Pausenführung.

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sowohl sportlich wie auch dramaturgisch einem Spitzenspiel würdig war. Insgesamt wechselte die Führung zehnmal von der Lahn-Diller Seite zu den Thüringern und wieder zurück. Die Zwischenstände von 46:45 (25.), 48:52 (28.) und 58:54 (32.) waren Zeuge eines Wechselbads der Gefühle. Gegen einen ebenbürtigen Kontrahenten gelang es den Wetzlarern jedoch nicht, den Sack zuzumachen. Im Stil einer Klassemannschaft nutzten die Bulls dies ihrerseits aus und konterten den RSV eiskalt zum 60:58 (35.) aus.

In der folgenden Auszeit fand dann Janet Zeltinger die richtigen Worte, richtete die Köpfe wieder auf - und die Mannschaft dankte es ihr mit einer erfolgreichen Schlussphase, die Topscorer Böhme mit einem Dreier zum 66:65 (38.) einläutete. Nun war es Paralympicssieger Brian Bell, dem die letzten Minuten gehörten und der Verantwortung übernahm. Mit neun Punkten im letzten Abschnitt, darunter das wichtige 70:67 rund 25 Sekunden vor dem Ende, sicherte er den knappen Erfolg und die damit verbundene Tabellenführung für seine Mannschaft.

»Als Team. wie auch jeder einzelne Spieler für sich, haben wir von Beginn an konzentriert und entschlossen agiert. Dadurch haben wir von Anfang an eine extrem hohe Intensität in die Partie gebracht, die letztendlich ausschlaggebend für den Erfolg war. Dieses Spiel war ein sehr wichtiger Schritt für uns - und darauf müssen wir nun weiter aufbauen«, so die 44-jährige RSV-Cheftrainerin nach Spielende.

Unter dem Strich standen sich zwei gleichwertige europäische Spitzenteams in der Rittal Arena gegenüber, bei denen die Gäste einen leichten Vorteil im Inside-Spiel hatten, während die Gastgeber ihre starke Defensive in die Waagschale warfen. Einer 34:29-Reboundüberlegenheit der Bulls mit 30:14 Punkten in der Zone stehen eine ausgeglichene Trefferquote und zwölf durch den RSV erzwungene Ballverluste bei den Bulls in der Statistik. Sieger der Partie waren beim Blick in die Gesichter aber nicht nur die Wetzlarer selbst, sondern vor allem die Fans vor Ort, die ein Klassespiel mit Spannung und Dramatik zu sehen bekamen. Die über 1000 Zuschauer, dürften ihr Kommen jedenfalls nicht bereut haben.

Lahn-Dill: Böhme (35/1 Dreier), Kozai (12), Bell (11), Fujimoto (6), Zantinge (4), Brown (2), Mosler (1), Blair, Weiß, Beissert (n.e.).

Thüringen: Halouski (20/1), Bienek (8), Fischbach (8/2), Ruiz (8), Linden (6), Podnieks (6), Visser (6), Gholomazad (5), Albrecht (2), Hager (n.e.), Kier (n.e.).



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