24. März 2020, 16:20 Uhr

Leichtathletik

Zwischen Stillstand und Hoffnung

Sportplätze und -hallen sind geschlossen. Auch bei den Leichtathleten ist in der Coronavirus-Krise: Stillstand. Die heimischen Vereine gehen von vielen Absagen aus.
24. März 2020, 16:20 Uhr
Die Startblöcke auf den Tartanbahnen im Gießener Land bleiben in den kommenden Wochen ungenutzt. SYMBOLFOTO: DPA

Die nationale Crossläufer-Elite hat für das Jahr 2020 ihre Titelträger gerade noch so gefunden. Knapp eine Woche später, am 14. März, hat die Leichtathletik ihren Betrieb angesichts der Coronavirus-Krise eingestellt. Die Sportplätze- und Hallen sind geschlossen, der Gießener Frühjahrslauf, der am Sonntag angesetzt war, ist das erste größere Opfer im diesjährigen Terminkalender. Auch die Kreis-Crossmeisterschaften in Linden am übernächsten Wochenende sind auf unbestimmte Zeit verschoben, ebenso die »Hessischen« im Langstreckenlauf in Marburg am 19. April. Es werden noch viele weitere folgen.

Nur noch Wald und Wiese möglich

Zunächst unterlagen nur Bundeskader-Athleten einer Ausnahmeregelung, seit Montag darf aber auch für die 61 Athleten der hessischen Vereine kein organisierter Trainingsbetrieb mehr angeboten werden, bestätigte Gudrun Rouhi, Referentin Leistungssport beim Hessischen Leichtathletik Verband (HLV). »Die Türen zu den Frankfurter Stützpunkten Kalbach und Hahnstraße sind abgeschlossen, ebenso wie alle anderen städtischen und kommunalen Sportgelände im Bundesgebiet«, sagte sie. Der HLV hat seinen Wettkampfbetrieb inklusive aller Aus- und Fortbildungen sowie Sitzungen und Tagungen bis zum 3. Mai gestrichen. Überlegungen, ob und wie man Meisterschaften nachholen könne, mochte beim HLV mit Verweis auf die unklare Lage niemand anstellen.

Dass die Topathleten bis zu Wochenbeginn noch trainieren durften, lag daran, dass die Olympischen Spiele in Tokio vom 24. Juli bis 9. August offiziell noch nicht abgesagt worden sind - gleiches gilt für die anschließenden Europa- und Weltmeisterschaften. So müssen beispielsweise die Athleten des Sprintteams Wetzlar alternative Trainingspläne verfolgen. Immerhin habe der Deutsche Leichtathletik-Verband in einer Telefonkonferenz mit den Bundestrainern am Dienstag beschlossen, dass die Kaderathleten mit notwendigen Trainingsgeräten ausgestattet werden sollen, teilte Sprintteam-Medienkoordinator Alexander Fischer mit. Abgesehen davon bleibt Kaderathleten wie dem Gießener Nils Michel Kessler, Michael Pohl, Rebekka Haase und Gina Lückenkemper nichts anderes übrig, als auf Wald und Wiesen auszuweichen.

Im Breitensport steht das sportliche Leben logischerweise auch still. Der Gießener Frühjahrslauf der LGV Marathon Gießen ist das erste Highlight im diesjährigen Wettkampfkalender, das abgesagt wurde. Für den Verein ist es aber zumindest aus finanzieller Sicht verkraftbar. »Wir haben Glück, dass wir kaum Kosten haben«, sagt Vorsitzender Oliver Lauff. Den rund 180 gemeldeten Läufern habe man angeboten, entweder die Startgebühren zu erstatten, oder zum Nachholtermin einen Freistart zu erhalten.

»Wir haben, vorbehaltlich der Entwicklungen, Anfang September ins Auge gefasst«, sagt Lauff. Auch der Frauenlauf am 15. Mai soll verschoben werden, ein Termin im Juni ist hier angedacht. »Die Anmeldungen sind aber gestoppt«, sagt Lauff.

Auch beim TV Großen-Linden, der in diesem Jahr drei Kreisveranstaltungen ausrichten sollte, ist die Lage entspannt. »Sicher finanzieren wir uns stark über die Einnahmen von Sportfesten, aber es fallen nun auch keine eigenen Meldungskosten an. Es ist wirtschaftlich also kein Beinbruch«, sagt TV-Pressewart Heinz-Jürgen Ruhl. Während neben den Kreis-Crossmeisterschaften am 28. März auch die Kreismeisterschaft der Senioren am 19. Juni »vermutlich ausfallen wird«, so Rühl, liegt seine Hoffnung auf den Kreis-Mehrkampfmeisterschaften der U 14 und U 12 am 5. September.

»Shutdown« vorerst bis 19. April

Beim HLV und seinen Kreisverbänden ist momentan Abwarten und Ruhe bewahren das Gebot der Stunde. Wann die Sportanlagen wieder öffnen, liegt ohnehin in der Entscheidungsgewalt der Städte und Kommunen. Am Mittwoch wurde der »Shutdown« von der Landesregierung bis zum 19. April ausgeweitet. An Leichtathletik wird auch danach nur schwer zu denken sein.

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