13. Dezember 2019, 21:51 Uhr

Zwischen Hoffen und Bangen

Die heimischen Verbandsligisten gehen mit gemischten Gefühlen in die Winterpause und bewegen sich zwischen Aufstiegshoffnung und Abstiegsbangen. Während sich der FC Gießen II und der FC Turabdin/Babylon in der Spitzengruppe tummeln, müssen sich die SG Kinzenbach, der SC Waldgirmes II und Schlusslicht FC Cleeberg nach unten orientieren.
13. Dezember 2019, 21:51 Uhr
Tommy Ried nimmt Maß. Seine SG Kinzenbach rangiert zwar als Neunter im Mittelfeld der Verbandsliga, muss den Blick aber eher nach unten richten. FOTO: RAS

Die Vereine der Verbandsliga Mitte sind bereits seit zwei Wochen in der Winterpause. Mit drei Teams aus dem Fußballkreis Gießen und zwei Mannschaften aus dem Kreis Wetzlar ist die heimische Region in der zweithöchsten Spielklasse auf Landesebene so stark wie lange nicht mehr vertreten. Möglich machten dies die Aufsteiger FC Turabdin/Babylon, SC Waldgirmes II und FC Cleeberg, die sich zu den beiden etablierten Teams der SG Kinzenbach und FC Gießen II gesellten. Für Spannung beim Restart 2020 ist gesorgt, die heimischen Verbandsligisten bewegen sich zwischen Aufstiegshoffnung und Abstiegsbangen.

Der FC Turabdin/Babylon ist aus rein sportlicher Sicht die Mannschaft der bisherigen Saison. Mit ganzen zwölf Siegen, drei Unentschieden und vier Niederlagen hat die Elf von Trainer Sherwin Rahmani als Aufsteiger stolze 39 Punkte gesammelt. Der Abzug von zwei Zählern wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls sowie der Malus von (bislang) sieben Zählern aufgrund des Sportgerichtsurteils nach den Vorkommnissen beim Heimspiel gegen den SV Bauerbach (2:3) haben allerdings dafür gesorgt, dass Kevin Rennert und Co. derzeit mit 30 Punkten lediglich auf dem sechsten Tabellenplatz geführt werden. Der Rückstand von sechs Punkten auf das punktgleiche Führungstrio aus Waldbrunn, Eltville und Zeilsheim kann aber bei entsprechender Teilnahme an einem Seminar zur Gewaltprävention noch um drei Zähler verkürzt werden, sodass die Rahmani-Elf sich weiterhin im Aufstiegsrennen befindet.

Beim Blick auf das Torverhältnis der Holzheimer (37:27) fällt sofort auf, dass der FC zusammen mit der SG Kinzenbach und den SF/BG Marburg über die nominell drittschlechteste Angriffsreihe verfügt. Sollte sich das Sturmduo Kevin Rennert (elf Treffer) und Ahmet Marankoz (neun Treffer) nach der Winterpause so richtig warmlaufen und seine Torquote noch nach oben schrauben, könnte das für eine erfolgreiche Aufholjagd sprechen. Die nach dem SV Zeilsheim zweitstärkste Defensive um Pierre Chabou, Albano Sidon, Sven Kusebauch und Co. wird auf alle Fälle weiter ihren Teil dazu beitragen wollen, dass der angestrebte Durchmarsch in die Hessenliga trotz des massiven Punktabzuges noch gelingen kann. Einen Rückschlag musste die Rahmani-Elf allerdings durch den Kreuzbandriss von Spielmacher Helmut Schäfer hinnehmen, der in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung steht.

Kein fünftes Rad am Wagen

Der FC Gießen II ist in der Tabelle das beste Team aus dem heimischen Raum. Mit 35 Punkten liegt die Elf von Trainer Marcel Cholibois nur einen Zähler hinter dem punktgleichen Führungstrio. Dass die Regionalligareserve nicht als Tabellenführer überwintern konnte, liegt an einer Schwächephase zum Jahresende, als man in vier der letzten fünf Spiele als Verlierer vom Platz gehen musste. Hier machte es sich bemerkbar, dass das zuvor sichere Abwehrduo Samuel Sesay und Christopher Schadeberg nach guten Leistungen in die Regionalliga-Mannschaft aufrückte und sich Spielmacher Timo Schmidt zuletzt als Abwehrchef auf einer völlig neuen Position wiederfand. Dennoch sieht Cholibois sein »Reserveteam« nicht als fünftes Rad am Wagen, sondern gibt der eigenen Jugend eine Chance. Bestes Beispiel hierfür ist Felix Lau, der sich mittlerweile einen Stammplatz erkämpft hat. Mit 54 Treffern zählt die Cholibois-Elf neben dem FC Ederbergland nach Spitzenreiter FC Waldbrunn zu den torgefährlichsten Teams der Liga. Sollte man die mit 40 Gegentoren noch etwas löchrige Abwehr stabilisieren können, muss man auch den FC Gießen II nach der Winterpause weiterhin zu den möglichen Aufstiegsanwärtern zählen. Voraussetzung ist dabei allerdings auch, dass das Regionalliga-Team nicht in die Hessenliga absteigt und damit die Aufstiegstür vereinsintern zugeschlagen wird.

Die SG Kinzenbach musste bislang ein Wechselbad der Gefühle durchlaufen. Nach der überragenden Vorsaison verschlief die Elf von Trainer Oliver Dönges den Saisonstart, als man sich nach vier Niederlagen in den ersten fünf Spielen plötzlich im Tabellenkeller wiederfand. Es folgte eine Serie von fünf Siegen in Folge, ehe im dritten Drittel der Saison die Ergebnisse stetigen Schwankungen unterlegen waren. Mit acht Siegen, drei Unentschieden und sieben Niederlagen ist die Bilanz leicht positiv, doch mehr als Platz neun ist bislang für Tommy Ried und Co. nicht herausgekommen. Derzeit müssen die Rot-Weißen den Blick daher eher nach hinten richten, denn der Vorsprung zu den Abstiegsrängen beträgt gerade einmal sechs Zähler. Allerdings hat die Dönges-Elf zwei Spiele weniger als die unter dem Strich postierten Teams vom SV Bauerbach, Germania Schwanheim und SSV Langenaubach absolviert. Und sollte man gegen den FC Cleeberg und den FC Turabdin/Babylon siegreich sein, kann der Zug in dieser »verrückten Liga« auch schnell wieder nach oben fahren.

Ein Auf und Ab in der Lahnaue

Die Hessenligareserve des SC Waldgirmes hat als Aufsteiger bislang achtbare 25 Punkte eingefahren. Damit belegt die Elf von Trainer Mario Schappert den elften Tabellenplatz und besitzt ein Polster von vier Punkten zu den Abstiegsrängen. Der bisherige Saisonverlauf der Lahnauer ist mit einer Ziehharmonika zu vergleichen, bei dem das Instrument immer wieder »Luft holen« muss, um dann positive Töne von sich geben zu können. Nach einem Punkt aus vier Spielen folgte eine imponierende Serie von sechs Siegen in Folge. Dieses Hoch wurde abrupt durch vier Niederlagen in Folge unterbrochen, ehe man gegen die SpVgg. Eltville (4:0) und den FC Cleeberg (3:2) zwei wichtige Heimsiege feiern konnte. Zum Jahreskehraus folgten drei weitere Niederlagen, wobei vor allem das 1:2 beim damaligen Tabellenletzten RSV Weyer besonders schmerzte. Wie auch beim Hessenligateam des SCW war man bei der Schappert-Elf froh über die einsetzende Pause. In der Wintervorbereitung gilt es nun, zu alter Stärke zu finden, damit das Ziel Klassenerhalt möglichst frühzeitig in trockene Tücher gepackt werden kann.

Am Ende der Tabelle findet sich mit dem FC Cleeberg der dritte Aufsteiger aus dem heimischen Raum. Die Elf von Trainer Daniel Schäfer konnte bei vier Siegen, vier Unentschieden und elf Niederlagen bislang 16 Punkte auf der Habenseite verbuchen. Das Abenteuer Verbandsliga stand bislang unter keinem guten Stern, denn mit Marvin Garth (noch in der Vorsaison) und Torjäger Henrik Keller (am sechsten Spieltag) fielen zwei Leistungsträger mit Kreuzbandrissen langfristig aus. Auch darüber hinaus war die Schäfer-Elf personell nicht auf Rosen gebettet, denn auch Moritz Schmidt, Simon Kranz, Philipp Watz und Daniel Wiesenfeller fielen mehr oder weniger lange verletzungsbedingt aus. Bei der Frage, ob Dominik Huisgen und Co. am Ende noch der Sprung ans rettende Ufer gelingen kann, wird die Anzahl der Absteiger sicher eine entscheidende Rolle spielen. Bei der minimalen Anzahl von drei Absteigern beträgt der Rückstand des FC vier Punkte, während bei einer maximalen Anzahl von fünf Absteigern bereits acht Zähler aufzuholen sein werden. Die mannschaftliche Geschlossenheit, die den FC in seiner Aufstiegssaison ausgezeichnet hatte, ist nun das große Pfund, mit dem man im Kampf um den Klassenerhalt wuchern muss.

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