17. Mai 2019, 17:33 Uhr

Zielinski: »Nehmen das Thema ernst«

17. Mai 2019, 17:33 Uhr
Hilfestellung bei den Sportübungen ist notwendig, aber ein sensibles Thema. (Symbolfoto bf)

Nimmt man die nackten Zahlen, die die Stadt Gießen bei ihrer Zwischenbilanz zum Schutzkonzept »Kindeswohl im Sport« vorgelegt hat, so kann man durchaus zu der Feststellung gelangen, dass seit der Nivellierung der Sportförderrichtlinien 2014 nicht viel in Bewegung gekommen ist. Gerade einmal 17 der 87 dem Landessportbund angeschlossenen Sportvereine der Stadt haben sich der Initiative angenommen, beanspruchen seitdem die von 3,50 Euro auf 7,50 Euro angehobene Jugendförderung pro Mitglied. Das ist sogar ein erheblicher Rückgang von in der Spitze 47 Vereinen im Jahr 2012.

Der dadurch entstehenden Einschätzung, das Thema Kindeswohlgefährdung sei im Sportkreis von untergeordneter Bedeutung, tritt der Vorsitzende Prof. Dr. Heinz Zielinski (Linden) entgegen. »Dem ist nicht so. Wir nehmen das Thema ernst. Es gibt eine Fülle an Aktionen«, bekräftigt das Vorstandsmitglied des Landessportbundes Hessen, »wir sind schon in unserer Grundhaltung für das Thema sensibilisiert.« Zielinski führt aus, dass es bei jeder Übungsleiterausbildung ein Seminar-Modul »Kindeswohl« und zudem ein umfangreiches Qualifizierungsangebot gebe. Seit dem 1. September 2017 müsse jeder Übungsleiter bei Lizenzerwerb oder -verlängerung den aktualisierten Verhaltenskodex unterschreiben, der sich zudem nicht nur auf das Thema Missbrauch beschränke, sondern sich auch der Verbreitung von Gerüchten, Mobbing, Drohungen und Beschimpfungen entgegenstellt und dabei auch die digitale Kommunikation mit einbezieht.

Der Grund für die Zurückhaltung der Stadtvereine ist für den Sportkreis-Vorsitzenden eindeutig: Geld gibt es nur noch für Vereine, die für ihre Trainer, Übungsleiter und Betreuer das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis vorweisen können. Das ist eine hohe Hürde.

»Wir haben in Hessen 23 000 Übungsleiter, die vier Millionen Sportstunden geben«, erinnert Zielinski an die Dimension der geleisteten und zu leistenden, überwiegend ehrenamtlichen Arbeit, »für die gibt es ständig Kindeswohl-Projekte der Sportjugend sowie Schutzkonzepte der Fachverbände«, die für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen wichtig seien. Von Untätigkeit könne demnach keine Rede sein.

Weshalb aber sagen die Zahlen der Stadt etwas anderes aus? »Die verwaltungstechnischen Hürden gerade für kleinere Vereine sind zu hoch«, entgegnet Sportkreis-Vorstandsmitglied Klaus Greilich, der 2011 als FDP-Stadtverordneter mit am »Runden Tisch« saß, als die Problematik erstmals erörtert wurde, und der sich als Gegner des 2014 in der Stadt eingeführten erweiterten Führungszeugnisses bekennt. »Im Landkreis gibt es keine Verpflichtung, nur in der Stadt«, hält Greilich diese Maßnahme nach wie vor für falsch. »Der Gießener Weg geht weit über das hinaus, was das Jugendhilfegesetz vorgibt.«

Tatsächlich hat von den Vereinen, die weniger als 25 Mitglieder haben, kein Einziger einen Antrag auf Jugendsportförderung gestellt. Während die Fünf-Jahre Bilanz der Stadt aus der Sicht des Sportkreises zu »zahlenlastig« ist und »ein falsches Bild vermittelt, weil es suggeriert, dass 70 Vereine nichts tun« (Zielinski), kann der Sportkreis umgekehrt für den Landkreis aber auch nicht mit validen Zahlen aufwarten, die die eigene Sichtweise untermauern.

Als großes Hindernis haben die Sportkreis-Verantwortlichen zwar die Verpflichtung zur Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses ausgemacht, zugleich aber erkannt, dass die vielfältigen eigenen Initiativen und Maßnahmen bei der heterogenen Struktur der Sportvereine der Stadt noch nicht ausreichen, um bei allen Klubverantwortlichen das Bewusstsein zu schärfen. Auch die Fortbildungs- und Workshop-Angebote der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Verein Wildwasser Gießen haben demzufolge noch nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.

Die Frage, ob sowohl die Zwischenbilanz der Stadt als auch die Betrachtung des Sportkreises nicht ausdifferenziert genug kommuniziert seien, fand bei Prof. Dr. Heinz Zielinski Gehör: »Wir müssen uns aktiv sicher noch intensiver um die Stadtvereine etwa aus den sozialen Brennpunkten oder mit Migrationshintergrund kümmern«, denn schließlich würden die vorlegten Zahlen gerade »den anderen Vereinen, die großartige Arbeit leisten, nicht gerecht«.

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