29. Januar 2018, 17:47 Uhr

Wie man Holzbretter sicher zerbricht

29. Januar 2018, 17:47 Uhr
Souverän zerschlägt der Wetterfelder Kickboxer Erdogan Celik im gut gefüllten Wilhelm-Hanle-Hörsaal und vor den Augen von Prof. Dr. Christian Heiliger (l.) ein Holzbrett. (Foto: sno)

Welche physikalischen Kräfte wirken bei Judo, Karate und Co. auf den Körper? – diesem Thema widmete sich Prof. Dr. Christian Heiliger von der JLU Gießen am Samstag. Zwei konkrete Beispiele standen im prall gefüllten Wilhelm-Hanle-Hörsaal im Vordergrund: Was der menschliche Kopf beim Boxschlag aushalten muss und welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um ein Holzbrett zu zerschlagen. »Holz hacken für Kampfsportler«, nannte Dr. Heiliger seinen Vortrag dann auch scherzhaft.

Für die praktische Umsetzung stand Erdogan Celik zur Verfügung – der 24-jährige Wetterfelder zählt zu Deutschlands besten Kickboxern und promoviert derzeit am Zentrum für Materialforschung. »So konnte ich Arbeit und Sport miteinander verbinden. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit meinem Trainingsanzug an die Uni komme, das war amüsant.«

Celik schlug unter anderem auf das Messgeträt, um zu zeigen, welche Kräfte auf den Gegner wirken, wenn er einen Schlag hinnehmen muss. Mit einem Handkantenschlag komme er beispielsweise auf bis zu 37 km/h. Anschaulich erklärte der Professor, wie das Gehirn bei einem Wirkungstreffer hin- und herschwappt und dass der Boxhandschuh die Verletzungsgefahr tatsächlich sogar noch erhöhe. Die Kräfte, die durch die »Abfederung« des Handschuhs auf den Kopf wirken, sind nur minimal geringer – viel mehr wird die Hand geschützt und der Schmerz des Schlages an der Hand gelindert, was den Boxer zu mehr Kopfschlägen veranlasst und die Verletzungsgefahr am Kopf folglich erhöht.

Zweites zentrales Thema war das Durchschlagen eines Holzbrettes bzw. das Zerschlagen von Beton. Wichtige Erkenntnisse vorab: Die Faserrichtung (parallel) ist entscheidend. Die Bruchfestigkeit des Knochens ist zudem höher als die von Holz oder Beton. Unverwüstlich sind die menschlichen Knochen logischerweise trotzdem nicht. Bei einer Krafteinwirkung zwischen 1000 und 3000 Newton droht der Knochen zu brechen. 1800 Newton sind notwendig, um ein dünnes Holzbrett zum Brechen zu bringen, die Geschwindigkeit des Schlages sollte dabei 28 km/h überschreiten. Mehrere einzelne dünne gestapelte Bretter können so zerschlagen werden. Würde man sich daran versuchen, einen massiven Holzblock zu zerbrechen, wäre das Zehnfache an Kraft notwendig, sprich 180 000 Newton – der Knochen würde also unweigerlich brechen.

Souverän zerschlug Celik im Anschluss ein Holzbrett in zwei Teile vor den komplett gefüllten Reihen des Hörsaals. Das habe er schon öfter gemacht, das sei für ihn nichts Besonderes. An mehr als an ein Brett wagte sich der 24-Jährige bisher aber auch nicht, denn: »Der Professor hat ja erklärt, dass man das besser sein lassen sollte«, so Celik abschließend.

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