02. Juni 2020, 22:23 Uhr

Widerstand formiert sich

02. Juni 2020, 22:23 Uhr

Am Samstagmorgen wird es ernst. Ab 9.30 Uhr will der Vorstand des Hessischen Fußballverbandes in einer weiteren virtuellen Sitzung endlich Klarheit in Bezug auf die vor dem Abbruch stehende Amateurfußball-Saison schaffen - und vor allem die zuletzt immer noch strittige Frage nach dem Umgang mit den Mannschaften auf den Relegationsplätzen klären. Derweil erhöht eine Gruppe von Klubs bereits im Vorfeld den Druck auf die Funktionäre.

Zur Erinnerung: Der Verbandsvorstand hatte in Zusammenarbeit mit dem Präsidium und nach etlichen Kreis- und Regionalkonferenzen mit Vereinsvertretern bislang ein Szenario favorisiert, wonach die Saison abgebrochen, die Abschlusstabellen mittels eines Quotienten ermittelt und lediglich ein Auf- aber kein Abstieg durchgeführt wird. Erst kurz vor Toreschluss kam die Diskussion um die Teams auf den Relegationsplätzen auf, die sich angesichts der Regel um ihren sportlichen Lohn betrogen fühlten.

Inzwischen hat eine entsprechende Online-Petition rund 650 Unterzeichner. Androhungen einer möglichen Klage im Falle einer Nichtberücksichtigung der Relegationsteilnehmer beim Saisonabbruch hatte es daher bereits ebenfalls gegeben.

Nun zündet offenbar die nächste Stufe des Widerstands: Den Regionalbeauftragten des HFV ist dieser Tage ein Schreiben zugestellt worden, das von 41 Vereinen, teils mit namentlich genannten Vertretern (liegt der Redaktion vor), unterzeichnet worden ist. Nach eigenen Angaben hat sich die Gruppe, deren Größe laut übereinstimmender Medienberichte weiter wächst, in einer WhatsApp-Gruppe organisiert, um mit möglichst breiter Front den HFV davon zu überzeugen, die Relegationsteilnehmer doch noch zu berücksichtigen.

In dem gut zwei DIN-A4-Seiten langen Text an die sechs Regionalbeauftragten heißt es unter anderem: »Wir möchten, wenn irgend möglich, jegliche Form von Auseinandersetzungen und Konfrontationen vermeiden, werden aber Ihr derzeit beabsichtigtes Vorhaben in dieser Form auch nicht hinnehmen.« Intern wird wohl bereits über das Einlegen möglicher Rechtsmittel diskutiert.

In den Ausführungen geht es vor allem um die Aussetzung des Abstiegs bei gleichzeitiger - möglicher - Nichtberücksichtigung der Relegationsteilnehmer, also eine Verschonung der schwachen zuungunsten der starken Mannschaften. Der Vorschlag: Alle auf den Relegationsplätzen befindlichen Mannschaften soll aufsteigen, 50 Prozent der Mannschaften auf den Abstiegsplätzen sollen absteigen - auch um das Problem überquellender Verbandsspielklassen zu vermeiden. »Die sportlich fairste Variante« aber wäre eine Fortsetzung der Saison, wenn der Spielbetrieb aufgrund weiterer Lockerungen der Beschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie wieder möglich sei. Dies könne »ohne Weiteres auch erst im nächsten Jahr » sein.

Gegen eine solche Variante und für die besagte Regelung mit Auf- und ohne Abstieg hatte sich bei Umfragen allerdings die Mehrheit der Vereine ausgesprochen, ehe die Diskussion neu entfacht wurde. Auch darauf hat die Gruppe bereits eine Antwort: »Aus unserer Sicht waren die Videokonferenzen mit den Vereinen über den Umgang mit der laufenden Spielzeit so ausgelegt, dass das Abstimmungsergebnis von vornherein vorhersehbar war.« Und: »Völlig unverständlich für uns ist, dass bei den vorgestellten Szenarien die Relegationen nur am Rande erwähnt wurden, obwohl sich diese Mannschaften bis zum Zeitpunkt des Abbruchs gemäß der Verbandsstatuten das Recht erworben hatten, um den Aufstieg via Relegation anzutreten.«

Eine offizielle Stellungnahme vonseiten des HFV gibt es bislang nicht. Etwas mehr Klarheit wird erst die Sitzung am Samstag geben, auf der dann der endgültige Vorschlag für den außerordentlichen Verbandstag am 13. oder 20. Juni ausgearbeitet werden soll.

Im Zentrum steht nun ein vom HFV in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten, das laut Verbandsspielwart Jürgen Radeck (Ortenberg) zwar vorliegt, über dessen Inhalt bis Samstag aber absolutes Stillschweigen bewahrt werden soll. »Aktuell ist noch alles offen«, bestätigte Radeck auf Nachfrage. In anderen Landesverbänden (zum Beispiel Schleswig-Holstein) haben die Vereine auf den Relegationsplätzen übrigens bereits »Grünes Licht« für den Aufstieg bekommen - weiteres Wasser auf die Mühlen der Klubs, die sich bereits zum Widerstand formieren.

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