18. November 2018, 20:11 Uhr

Wutrede

Wetzlar verliert in Minden

Die HSG Wetzlar hat beim 22:24 bei GWD Minden erneut eine große Punkte-Chance vertan. Trainer Kai Wandschneider faltet sein Team in der ersten Auszeit so richtig zusammen.
18. November 2018, 20:11 Uhr
Auch von oben kommt keine Hilfe mehr. Nikola Marinovic (76) und die HSG Wetzlar müssen sich bei GWD Minden mit 22:24 geschlagen geben. (Foto: Eibner)

HSG Wetzlar


Diese Auszeit hatte es in sich! Beim 6:10-Rückstand in der 23. Minute und vorhergehender Zeitstrafe gegen Torhüter Till Klimpke nach einer unglücklichen Abwehraktion knöpfte sich Trainer Kai Wandschneider sein Team der HSG Wetzlar mal so richtig vor, faltete es vor laufenden Sky-Kameras (»Minden ist nicht gut. Ihr seit grottenschlecht!«) lautstark zusammen und forderte für den weiteren Verlauf der Partie unmissverständlich ein »Reißt euch endlich den Arsch auf!« ein.

Die ungewohnte Wutrede des ansonsten stets hinter seinen Spielern stehenden Trainers verfehlte ihre Wirkung nicht, nach einem 5:0-Lauf und einer erfolgreichen Eins-gegen-eins-Aktion von Olle Forsell Schefvert führte die HSG Wetzlar fünf Minuten später plötzlich mit 11:10. Am Ende aber stand am Sonntag wieder eine bittere, sich früh abzeichnende 22:24 (12:12)-Niederlage bei GWD Minden, durch die nach der verlorenen Heimpartie gegen die stark dezimierten Füchse Berlin binnen zehn Tagen die zweite große Chance auf Zählbares im Bundesliga-Abstiegskampf vertan wurde.

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Mindens norwegischer Wurfmaschine Christoffer Rambo sowie der roten Karte von Kreisläufer und Abwehrchef Magnus Gullerud nach 45 Minuten nutzten die Grün-Weißen mit dem 18:18 von erneut Olle Forsell Schefvert (44.) die Gunst der letzten Viertelstunde nicht und mussten nach einer Fehlwurf- und Fehlpassorgie entscheidend zum 20:24 (58.) abreißen lassen. Chance vertan, Punkte verschenkt – kommenden Samstag im Muss-Spiel gegen Schlusslicht Eulen Ludwigshafen wäre das der Worst Case!

Dem Wetzlarer Spiel fehlten trotz zwischenzeitlicher Besserung etliche Basisdaten bundesligatauglichem Wirkens. Der Aufbau zu langsam, die Sperren am Kreis mangelhaft, das Umschaltspiel kaum zu sehen, die Flügel zu selten eingebunden, das Entscheidungsverhalten unter Stress unbefriedigend, in den Zweikämpfen meist unterlegen, vier Gegentreffer in Überzahl kassiert und vor allem wiederholt zu schnelle und damit auch zu unkonzentrierte Abschlüsse.

Das 22:24 (12:12) täuscht ergebnismäßig allein deshalb über die unzähligen Defizite hinweg, da auch Gastgeber GWD Minden am Ende nur über den Willen zum Erfolg gelangte. Aber selbst der war bei den Wetzlarern bis zu Wandschneiders Wutrede nach den 4:8- (18.) und 6:10-Rückständen (23.) kaum zu erkennen. Da fehlte das Feuer, wirkten die Angriffsaktionen blutleer. Von der Überzeugung, mit der die HSG vor zwei Wochen beim VfL Gummersbach aufgetreten war, war nichts zu spüren.

Die Note »gut« verdiente sich bei den Mittelhessen allein der nach 23 Minuten für Till Klimpke eingewechselte Nikola Marinovic im Tor. Der 42-Jährige registrierte bis zum 19:19 in der 50. Minute 42 Prozent gehaltene Bälle, dann aber führten ein Wechselfehler von Olle Forsell Schefvert sowie zwei »Alibi«-Aktionen von Filip Mirkulovski im Aufbau direkt in den Abgrund. Die nun offensivere 5:1-Deckung der Mindener, die Siebenmeter-Sicherheit von Routinier Dalibor Doder (21:19, 53.) sowie zwei herausragende Einzelaktionen des in der entscheidenden Phase Verantwortung übernehmenden Youngsters Marian Michalczik (22:20, 55./23:20, 56.) machte den Deckel zugunsten der Ostwestfalen drauf.

»Das war ein hartes Stück Arbeit«, sagte Mindens Trainer Frank Carstens, »auch wenn es am Ende nur zwei Tore Vorsprung sind, waren wir über weite Teile des Spiels die bessere Mannschaft. Insbesondere am Ende.« HSG-Keeper Marinovic zeigte sich enttäuscht: »Wir haben einfach das ganze Spiel über keine Formel gegen Minden gefunden. Wir haben leichte Tore nicht genutzt, in Momenten, in denen Minden wackelig war.« Trainer Kai Wandschneider brutal ehrlich: »Im Angriff war das in der zweiten Halbzeit Standhandball.«

GWD Minden: Christensen, Sonne-Hansen; Mansson, Sawas, Doder (5/2), Michalczik (5), Cederholm (4), Korte (3), Gulliksen (2), Pusica (2), Zvizej (2/2), Staar (1), Nowatzki, Strakeljahn.

HSG Wetzlar: Klimpke, Marinovic; Frend Öfors (4), Hermann (4), Holst (3/3), Ferraz (2), Forsell Schefvert (2), Lindskog (2), Cavor (1), Lux (1), Mirkulovski (1), Rubin (1), Torbrügge (1), Schreiber.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Wild (Elgersweiher)/Baumgart (Altenheim). - Zuschauer: 2264. - Zeitstrafen: Gullerud (14.), Kister (20.), Staar (12./alle GWD Minden); Klimpke (23.), Ferraz (24.), Mirkulovski (36.), Cavor (48.), Schefvert (50.), Lux (52./alle HSG Wetzlar). - Disqualifikation: Gullerud (44., Minden).

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