13. April 2020, 10:00 Uhr

Volleyball

Wenn die Saison abrupt endet - Bei heimischen Teams überwiegt Zufriedenheit

Bedingt durch die Covid-19-Pandemie wurden in fast allen Sportarten die laufenden Spielzeiten unter- bzw. abgebrochen. Von einem vorzeitigen Saisonende betroffen sind auch die Volleyball-Ligen.
13. April 2020, 10:00 Uhr
Bester heimischer Vertreter nach dem Saisonabbruch ist Frauen-Oberligist USC Gießen als Tabellendritter. FOTO: FRIEDRICH

Nachdem der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) zunächst die Regelungen für die 1. und 2. Bundesligen bekannt gab, folgten vor Kurzem auch Informationen zur Wertung der 3. Ligen sowie der Regionalligen. In diesen wird kein Meistertitel für die Saison 2019/2020 vergeben. Lediglich für Vereine, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs bereits als Auf- bzw. Absteiger feststanden, gelten die üblichen Regelungen. Alle anderen Vereine, welche rechnerisch noch Chancen auf den Aufstieg bzw. den Klassenerhalt hatten, dürfen ihr Aufstiegs- bzw. Klassenverbleibsrecht in Anspruch nehmen. Dabei darf jedoch in keiner Liga die maximale Staffelstärke von 14 Mannschaften überschritten werden. Der Hessische Volleyball-Verband hat noch keine Regelungen bekannt gegeben. Die Vermutung, dass sich der HVV an den Entscheidungen des DVV für die 3. Ligen und Regionalligen orientiert, liegt jedoch nahe. Welche Auswirkungen dies auf die mittelhessischen Volleyballvereine hat und wie diese das jähe Saisonende und ihr Abschneiden bewerten, lesen Sie in diesem Artikel.

2. Bundesliga Süd - TV Waldgirmes (Frauen/11. Platz): Die Lahnauerinnen werden auch in der neuen Spielzeit in der 2. Bundesliga Süd an den Start gehen. Das Team von Trainer Peter Schlecht stand zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs auf dem vorletzten Tabellenrang, der aller Wahrscheinlichkeit nach den Klassenerhalt bedeutet hätte. »Das abrupte Ende ist sehr schade, zumal wir im nächsten Spiel mit einem Sieg gegen Stuttgart hätten vorrücken können. Nichtsdestotrotz ist der Abbruch eine nachvollziehbare, richtige Entscheidung aus verständlichen Gründen«, fasst Schlecht seine Gedanken zusammen. Die Liga wird in der neuen Saison vermutlich um zwei oder drei Aufsteiger ergänzt und aufgrund des Rückzugs der Volleys Sonthofen folglich mit 13 oder 14 Teams an den Start gehen. In der Runde 2020/2021 peilen die Waldgirmeserinnen einen Platz im Mittelfeld an. »Ich hätte uns schon dieses Jahr lieber im Mittelfeld gesehen, aber wir haben einige Stolpersteine in den Weg gelegt bekommen«, verweist Schlecht auf den Umbruch vor der Saison, viele knapp verlorene Spiele und einige Verletzungen. »Den elften Platz muss man am Ende so hinnehmen, man hat aber auch gesehen, dass wir Möglichkeiten für mehr haben«, resümiert Schlecht.

3. Liga Süd - TV Waldgirmes (Männer/9. Platz): Durch die vom DVV getroffene Regelung ist auch den Männern des TVW eine weitere Saison in der 3. Liga sicher. Die Mannschaft des Trainergespanns Thomas Autzen/Daniel Bock schloss die vorzeitig beendete Saison auf dem vorletzten Platz ab. Der Abstand zum Tabellenachten betrug allerdings nur einen Punkt. »Wir hätten den Klassenerhalt lieber sportlich geschafft, so bleibt ein leichter fader Beigeschmack. Andererseits lag der Klassenerhalt auf jeden Fall noch im Bereich des Möglichen. Alles in allem sind wir mit einem blauen Auge davongekommen«, kommentiert Autzen die seiner Meinung nach durchwachsene Saison und sieht die Regelung des Verbandes als »absolut sinnvoll« an. Aufgrund diverser beruflicher oder familiärer Einschränkungen der Spieler und teilweise auch fehlendem Engagement sei aus seiner Sicht nicht viel mehr möglich gewesen. »Es war relativ früh klar, dass es gegen den Abstieg gehen würde - und so kam es dann auch. Sportlich war zwar mehr drin, aber es haben Konstanz und Engagement gefehlt«, benennt der Coach die Defizite und fügt an: »Mit dem vorletzten Platz kann man nicht zufrieden sein, wir sind oft unter unseren Möglichkeiten geblieben.« Leidtragender der Regel, keinen Titel zu vergeben, ist Tabellenführer TV Bliesen, der zwei Spieltage vor Saisonende mit acht Punkten Vorsprung von Rang eins grüßte.

Oberliga Hessen - USC Gießen (Frauen/3. Platz): Der USC beendete seine zweite Oberliga-Spielzeit auf Rang drei. »Wir hätten die letzten zwei Spiele gerne noch zu Ende gespielt. Das ist kein schöner Abschluss, wir hätten uns das anders gewünscht. Die Saisonabsage ist aber verständlich. Es ist sehr schade, aber nachvollziehbar«, äußert sich USC-Mittelblockerin Maria Klapczynski zum Saisonende. Die Gießenerinnen bedauern dabei insbesondere die - wenn auch sehr kleine - verpasste Chance, doch noch Rang zwei zu erreichen. Bei zwei ausstehenden Partien betrug der Rückstand auf den TV Waldgirmes II vier Punkte. Mit dem dritten Platz sind die Uni-Städterinnen dennoch nicht unzufrieden: »Wir hatten uns Anfang der Saison vorgenommen, wieder vorne dabei zu sein. Bei uns wurde aufgrund von Abgängen, Rückschlägen und Verletzten ein großer Teil des Teams ausgetauscht. Wir haben unsere Abstimmung neu gefunden und können insgesamt relativ zufrieden sein«, bilanziert Klapczynski. Die Gießenerinnen können in der nächsten Saison zudem auf einen neuen Sponsor bauen. Das #stylewerk Gießen sponsert der von Patrick Milling trainierten Mannschaft bereits Einspiel-Shirts und Pullover.

Oberliga Hessen - USC Gießen (Männer/5. Platz): In der Oberliga beendete der USC die Spielzeit auf Rang fünf. »Damit können und müssen wir zufrieden sein. Wir hatten einen dünneren Kader als in den letzten Jahren, oft wenige Spieler an den Spieltagen und haben letztlich mindestens so gut wie in den Vorjahren abgeschnitten«, zeigt sich USC-Coach Stefan Eder zufrieden. Durch die Niederlagen im direkten Duell gegen den Tabellenvierten TV Bommersheim sei ein »höherer Platz dann auch nicht angemessen gewesen«, so Eder.

Landesliga Nord - Gießener SV (Frauen/8. Platz): Die »Schwimmerinnen« standen als Tabellenachter zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs mit sieben Punkten Rückstand bei zwei ausstehenden Spielen bereits als Absteiger fest. Sollte der HVV die Regelungen des DVV übernehmen, würde dies bedeuten, dass die Gießenerinnen absteigen. Die VGG Gelnhausen und der Hünfelder SV, Tabellenerster und -zweiter, zeigten als die besten Mannschaften und waren am Thema Aufstieg sehr interessiert. Für die Gießenerinnen heißt es nun abzuwarten, bis der HVV eine Entscheidung bekannt gibt. »Die Hoffnung auf einen Verbleib in der Landesliga ist in der Mannschaft noch da. Sollten wir absteigen, müssen wir schauen, etwas Schlagkräftiges auf die Beine zu stellen und vielleicht wieder aufzusteigen. Sollten wir die Klasse halten, hoffen wir im nächsten Jahr auf weniger Ausfälle und mehr Auswahl auf der Zuspielposition«, fasst GSV-Coach Claus Schüring zusammen. »Wir waren eigentlich locker drauf und wollten aufgrund des feststehenden Abstiegs befreit und ohne Druck aufspielen. Aber Gesundheit und Schutz von anderen gehen natürlich vor«, gibt Schüring zu Protokoll. Während der erfahrene Coach mit dem Abschneiden nicht glücklich sein kann, zeigt er sich mit der Entwicklung der Spielerinnen durchaus zufrieden. Schüring analysiert: »Wir waren leistungsmäßig besser als im Vorjahr, konnten das im Spiel aber nicht immer kons-tant abrufen. Wir hatten zudem viele Ausfälle und mussten oft mit positionsfremden Spielerinnen auf der Zuspielposition agieren.«

Landesliga Nord - Gießener SV (Männer/5. Platz): Nach 13 von 16 absolvierten Spielen stand zum Zeitpunkt des Saisonendes der fünfte Platz für die Mannschaft von Spielertrainer Dennis Krieger zu Buche. »Objektiv betrachtet kann man mit dem fünften Platz als Aufsteiger aus der Bezirksoberliga gut leben, wir haben uns in der Liga etabliert«, bewertet Krieger die Saison, fügt aber an: »Aus meiner Sicht als Spielertrainer ist es aber auch sehr schade, es wäre mehr drin gewesen. In den wichtigen Spielen haben wir nicht konstant gut abgeliefert und oft knapp verloren.« Krieger und seine Mannschaftskollegen können das plötzliche Saisonende nachvollziehen. »Es hat sich schnell zugespitzt, Montag waren wir noch voller Vorfreude auf das Spiel am Wochenende, am Donnerstag wurde die Saison abgesagt. Die Mannschaft hat großes Verständnis und begrüßt die Entscheidung«, merkt Krieger an. Lediglich der verpassten Revanche gegen den Lokalrivalen USC Gießen II trauern die »Schwimmer« nach der 1:3-Niederlage in der Hinrunde nach. »Mit einem Sieg gegen den USC II hätten wir Revanche nehmen können und vermutlich den vierten Platz erobert«, ärgert sich Krieger. Spitzenreiter VfL Marburg wird dem Vernehmen nach aufsteigen.

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