30. Januar 2020, 12:00 Uhr

Rollstuhlbasketball

Weg nach Wetzlar beginnt für RSV Lahn-Dill in Bilbao

Der RSV Lahn-Dill will in der Champions League den ersten Schritt Richtung Final Four machen. Auch wenn dieses in Wetzlar über die Bühne geht, sind die Mittelhessen nicht automatisch qualifiziert.
30. Januar 2020, 12:00 Uhr
Thomas Böhme (links) und Brian Bell vom sechsmaligen Champions-League-Sieger RSV Lahn-Dill haben es in dieser Szene aus dem Vorjahr mit Joshua Turek (Mitte, Bilbao) zu tun. FOTO: DIEKMANN

Was sich geographisch wie Unsinn anhört, ist in der Champions League der Rollstuhlbasketballer für den RSV Lahn-Dill die sportliche Realität. Der Weg nach Wetzlar beginnt im spanischen Bilbao. Das Ziel für den RSV ist nichts Geringeres als die Qualifikation für das Final Four in der Königsklasse im eigenen Wohnzimmer. Um am 1. und 2. Mai in der August-Bebel-Halle dabei sein zu können, muss sich der sechsfache Champions-League-Sieger aus Mittelhessen zunächst in Bilbao in der Gruppenphase beweisen, um über das im März stattfindende Viertelfinale letztlich das Ticket für die Endrunde zu buchen. Im Baskenland treffen Thomas Böhme und Co. am Wochenende (Freitag und Samstag) auf Amicacci Giulianova aus Italien, TSK Merkezi Ankara aus der Türkei, den französischen Erstligisten CS Meaux und Gastgeber Bidaideak Bilbao BSR.

Der Modus - Um ins Viertelfinale einzuziehen, müssen die Mittelhessen in der Fünfergruppe mindestens Platz zwei belegen. Gelingt dies in den vier Spielen, steht der RSV - wie seit 2004 durchgehend - unter den Top acht des Kontinents. Das Viertelfinale wird dann vom 13. bis 15. März in zwei Vierergruppen in Madrid und in Thüringen ausgetragen, ehe das Final Four mit den besten vier europäischen Teams Anfang Mai in Wetzlar stattfindet.

Schaffen die Wetzlarer nicht den Sprung unter die beiden Erstplatzierten, würden sie sich als Dritter für die Endrunde der EuroLeague I im spanischen Badajoz oder als Vierter für die Endrunde der EuroLeague II in Valladolid qualifizieren. Nur wenn der sechsfache Champions-League-Sieger auf dem fünften und letzten Rang ins Ziel kommen sollte, wäre das Abenteuer Europa vorzeitig beendet.

Analog dazu kommt es in den beiden anderen Champions-League-Gruppen A und C im italienischen Cantu und im spanischen Albacete zur gleichen Konstellation. Während RBBL-Kontrahent Thuringia Bulls als Finalist des Vorjahres bereits für das Viertelfinale qualifiziert ist, müssen die beiden anderen deutschen Teams aus Köln und Wetzlar in ihren Gruppen die entsprechende Fahrkarte erst noch buchen. Dass dabei der Zweitligist aus dem Rheinland in der Königsklasse an den Start gehen kann, wirkt zwar sportlich eigenartig, hängt aber mit dem europäischen Ranking der IWBF zusammen, in der die Kölner als langjähriger Teilnehmer eine Startberechtigung besitzen.

Der Spielplan - Der Modus ist so einfach wie intensiv, jeder muss gegen jeden binnen der zwei Turniertage antreten. Los geht es für den RSV Lahn-Dill gleich mit einem Kracher. Am Freitag um 11.15 Uhr wartet zum Auftakt mit Gastgeber Bilbao der ärgste Herausforderer auf die Wetzlarer. Es folgen die Duelle mit den türkischen und italienischen Erstligisten aus Ankara (Fr., 15.45 Uhr) und Giulianova (Sa., 9 Uhr), ehe die Begegnung am Samstag um 15.45 Uhr gegen Meaux den Abschluss in der Arena de Txurdinaga bildet.

Die Konkurrenten - Das Teilnehmerfeld in der europäischen Königsklasse ist fraglos anspruchsvoll, eine sportliche Auszeit kann man sich gegen keinen der vier Konkurrenten leisten. Als ärgster Konkurrent des RSV Lahn-Dill auf das Weiterkommen gilt dabei vor allem der Gastgeber Bidaideak Bilbao BSR. Dem Dritten der Primera Divsion standen die Mittelhessen bereits im Vorjahr im Viertelfinale gegenüber. Damals sorgte der lange hart umkämpfte 70:62-Erfolg gegen die Basken für den entscheidenden Schritt ins Final Four. Die Spanier gelten als eingespieltes und physisch starkes Team, das zum Vorjahr fast unverändert an den Start geht. Bilbaos Leistungsträger sind der Center Asier Garcia, der Australier Tom O’Neill-Thorne sowie US-Nationalspieler Joshua Turek.

TSK Merkezi Ankara ist türkischer Vertreter der große Unbekannte. Als Neuling in der europäischen Königsklasse reist die Mannschaft mit einem rein türkischen Kader an. Gegen den Außenseiter ist die Favoritenrolle des RSV daher nicht nur von der Papierform unbestritten, belegt das Team aus Ankara im kontinentalen Ranking doch Platz 20. In der Breite mit vielen Lowpointern, aber mit nur zwei etatmäßigen Centern bestückt, darf in diesem Duell nichts anderes als ein klarer Erfolg das Ziel für Lahn-Dill sein.

Zum italienischen Erstligisten aus Giulianova, aktuell Tabellenvierter der Serie A, hat vor allem Weltmeister Simon Brown eine enge Beziehung. Der Brite wechselte erst im vergangenen Sommer von der Adriaküste nach Mittelhessen und trifft somit auf seine alte Mannschaft, die jedoch auf zahlreichen Positionen personell verändert ist. Als Ersatz für Brown verpflichteten die Italiener den auch aus der Bundesliga bekannten Letten Raimund Beginskis. Zentrale Figur unter den Brettern ist weiterhin Galliano Marchionni, der dem RSV Lahn-Dill im Vorjahr beim 87:72 stolze 20 Punkte einschenkte.

Der vierte und letzte Gegner des RSV ist der dreifache Champions-League-Sieger CS Meaux. Mit den Franzosen kreuzten die Wetzlarer seit 2008 bereits viermal die Klingen im Europapokal und blieben dabei bisher ohne Niederlage gegen das Team aus dem Großraum Paris. Mit dem Litauer Zymantas Bucinskas und dem Australier Jontee Brown stehen zwei ehemalige RBBL-Spieler im Kader des 14-fachen französischen Meisters.

Sportliche Ziele - Für den RSV Lahn-Dill ist das Ziel klar. Der Weg soll am Ende nach Wetzlar in die eigene Halle führen. Doch dies ist auch für einen Klub, der seit 2004 in 17 Jahren insgesamt 16-mal im Halbfinale stand, davon zehnmal das Endspiel erreichte und dieses sechsmal für sich entscheiden konnte, kein Automatismus. »Wir müssen von Spiel zu Spiel und von Runde zu Runde denken, alles andere wäre vermessen und den Gegnern gegenüber überheblich«, so RSV-Geschäftsführer Andreas Joneck. Dabei müssen Kapitän Michael Paye und Co. in Bilbao viermal konzentriert zur Sache gehen, denn ein Ausrutscher kann in diesem Teilnehmerfeld bereits das Aus bedeuten. Vor allem der spanische Gastgeber dürfte ein harter Brocken werden. Die internationale Erfahrung, die das Team von Cheftrainerin Janet McLachlan aufweist, könnte ein Faktor werden.

Historie - Die europäische Königsklasse, gestartet 1976 als West European Cup, geht in diesem Jahr in ihre 45. Spielzeit. Bisher konnten sich 17 verschiedene Teams in die Siegerlisten eintragen, angefangen vom Premieren-Champion ISA Amsterdam bis zum aktuellen Titelträger aus Thüringen. Je fünfmal triumphierten der BC Verkerk Zwijendrecht und Galatasaray Istanbul. Rekordsieger ist mit sechs Titeln seit 2015 aber der RSV Lahn-Dill. Die Wetzlarer Rollis bestiegen erstmals 2004 als erstes deutsches Team den Thron. Insgesamt bestritten sie bis heute 124 internationale Pflichtspiele gegen Teams aus 18 Nationen. 94 dieser Partien beendete der RSV als Sieger, nur 30 gingen verloren, darunter jedoch auch vier Champions League Endspiele.

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