17. März 2017, 16:00 Uhr

Florian Billek

Vom »Mitschwimmer« zum Nationalspieler

Besser spät als nie: Mit 28 Jahren nimmt Florian Billek zum ersten Mal an einem Lehrgang der Handball-Nationalmannschaft teil und wird wohl gegen Schweden zum Einsatz kommen. Ein Porträt.
17. März 2017, 16:00 Uhr

Ein Heuchelheimer als Nationalspieler – »normalerweise verbindet man mit Heuchelheim ja nur Til Schweiger, ich weiß jetzt auch nicht ob das mit meinem Länderspieldebüt so viele mitbekommen, aber es ist einfach schön«, sagt Billek, der sich direkt nach der Nominierung »unfassbar glücklich« zeigte. »Ich habe absolut nicht damit gerechnet, nochmal so eine Chance zu erhalten.« Der Rechtsaußen hat gute Chancen, in den Testspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden (Sa., 14 Uhr in Göteborg und So., 17.30 Uhr in Hamburg, live auf SkySportNewsHD) erstmals für Deutschland aufzulaufen.

Im Alter von 28 Jahren das Debüt in einer Nationalmannschaft zu feiern gelingt nicht vielen. Es passt aber auch ein wenig in die Karriere des Florian Billek: In der Jugend des TV Hüttenberg bezeichnet sich Billek selbst als »Mitschwimmer. Ich war ein Spätzünder und hatte meine Leistungsexplosion dann erst im letzten A-Jugendjahr. Ich war auch nie in einer Hessenauswahl.«

Jan Gorr, damals wie heute sein Coach, holte ihn als 18-Jährigen ins Zweitligateam aus Hüttenberg – dort sammelte Billek später seine ersten Bundesligaminuten, ehe es 2012 nach Balingen-Weilstetten ging – 2014 folgte der Wechsel zum HSC 2000 Coburg, für den er in dieser Saison bereits 118 Treffer erzielte. Damit ist der Rechtsaußen der beste Schütze des aktuellen Tabellenletzten. »Er spielt seit Jahren auf hohem Niveau und ist mit wahnsinnigem Ehrgeiz bei der Sache«, sagt Trainer Gorr über ihn.

Dass Florian Billek, geboren in Heuchelheim, ein außergewöhnliches Bewegungstalent besitzt, zeichnet sich früh ab: Im Fußball spielt er in Kinzenbach, in der Leichtathletik läuft er nach eigenen Angaben die 100 m im Jugendalter unter elf Sekunden, letztlich entscheidet sich Billek für den Handball. Bis zur C-Jugend spielt er bei den TSF Heuchelheim, dann folgt der vorgezeichnete Weg nach Hüttenberg. »Ehrlich gesagt habe ich fast nie mit dem Gedanken gespielt, es mal in die Nationalmannschaft zu schaffen«, gesteht Billek. »Gerade in den letzten Jahren in Coburg habe ich hart gearbeitet und versucht, mich weiterzuentwickeln. Es ist schön, dass das nun gewürdigt wird, aber ich denke, es gehört auch Selbstreflexion dazu. Die ersten drei Rechtsaußen fehlen aus den verschiedensten Gründen, vor allem deshalb bin ich jetzt dabei.«

Wieviele Minuten es morgen und am Sonntag werden, das sei ihm relativ egal, Hauptsauche auflaufen, einen guten Eindruck hinterlassen und sich Nationalspieler nennen können: Mit diesem Gefühl lässt es sich dann auch gut zurückkehren in die Heimat nach Heuchelheim, wo seine Familie noch immer wohnt und wohin Billek alle »sechs bis acht Wochen« zurückkehrt. Dort übernachtet er, wenn er vom Studium in Frankfurt (Fitness- und Sportökonomie) kommt. »Als zweites Standbein« bezeichnet er das. »Bis ich 33, 34 Jahre alt bin, kann ich mir vorstellen zu spielen. Dann werde ich vielleicht prophylaktisch meinen Trainerschein machen, aber das Studium eröffnet mir schon einige Möglichkeiten. Einen genauen Plan, was die spätere Berufswahl angeht, habe ich noch nicht.« In diesen Tagen, die zunächst einmal »ungewohnt« anmuteten, geht’s auch erst einmal um andere Dinge: Die zuletzt starken Leistungen beim Lehrgang bestätigen, den Lohn für jahrelange Arbeit auf dem Parkett einfahren und Heuchelheimer Nationalspieler werden.

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