24. Juli 2018, 06:50 Uhr

Fußball

Volkan Vural kann Mesut Özil verstehen

Der Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat eine Diskussion über Integration entfacht. Wir haben bei dem in Mittelhessen bekannten Fußballer Volkan Vural nachgefragt.
24. Juli 2018, 06:50 Uhr
Der in Mittelhessen bekannte und aktuell bei der SG Kinzenbach spielende Volkan Vural (r., hier im Trikot des VfB 1900 Gießen) nimmt zum Rücktritt von Mesut Özil Stellung. (fro)

Volkan Vural spielt beim Verbandsligisten SG Kinzenbach Fußball. Im Mittelfeld, wie Mesut Özil. Der 27-jährige Vural ist aber von seiner Spielweise eher ein wenig defensiver geprägt. Ein Sechser halt. Özil spielt die Zehn. Offensiv. Und so hat er sich bei seinem Rundumschlag auch geäußert – auch wenn inzwischen seit dem Auslöser-Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einige Zeit ins Land gegangen ist. Vural indes hat schnell reagiert und sich unseren Fragen prompt gestellt.

Fühlen Sie sich als Deutsch-Türke in Ihrer Fußballmannschaft wohl?

Volkan Vural: In meiner Fußballmannschaft auf jeden Fall. Es gab nie Probleme oder eine Debatte in den Teams, in denen ich gespielt habe. Die Jugend habe ich in Wieseck verbracht. Dann ging es nach Fernwald. Damals haben dort auch viele ausländische Spieler gespielt, dann kam der VfB Gießen. Ich habe in keiner der Mannschaften Rassismus erfahren. Ich habe aber auch mitbekommen, dass es woanders anders gelaufen ist. Ich habe Glück gehabt.

Was ist Ihre Meinung zu dem Vorwurf von Özil, dass er ein Opfer von Rassismus sei?

Vural: Ich stimme ihm zu. Die Pfiffe nach dem Testspiel gegen Österreich waren schon hart für ihn. Die Zeitungen schrieben, dass rechte Randgruppierungen das als Vorwand genommen hätten, um ihn auszupfeifen. Inwiefern das von der deutschen Mitte genutzt wurde, zu sagen, dass geht überhaupt nicht, ist schwierig zu sagen. Der DFB hätte sich auf jeden Fall klarer positionieren müssen.

Wie interpretieren Sie den Rücktritt von Özil aus den genannten Gründen?

Vural: Aus meiner Sicht das einzig Richtige, was er machen konnte. Ich finde es schade, dass man medial aus der Sache so ein großes Thema gemacht hat. Ich bin kein Erdogan-Befürworter. Aber wenn ein Staatspräsident eines Landes ihn empfängt, dann steht es ihm als Fußballer nicht zu, politisch zu sagen, das geht nicht, das ist ein Diktator. So wie es Özil erläutert hat, dass es der Präsident seines Heimatlandes ist, bin ich nicht der, der mit dem Finger auf ihn zeigt und sagt, du Idiot. Das kannst du nicht machen.

Wie erleben Sie Ihre eigene Integration in Deutschland?

Vural: Meine persönliche sehe ich als gelungen. Aber es gibt viele Sachen, die Außenstehende nicht nachvollziehen können. Ich habe im letzten Winter ein Auslandssemester in der Türkei absolviert. Ich bin hier in Deutschland aufgewachsen, habe größtenteils deutsche Freunde. Wenn ich mich hier vorstelle, sage ich: Ich bin Deutscher. Aber irgendwann bekommst du gesagt, du bist kein Deutscher. Du bist wohl dabei, aber du bist nicht der Deutsche. Und als ich in der Türkei war, dachte ich, jetzt bist du in deiner Heimat als Deutsch-Türke. Aber dort bist du dann der Deutsche. Weder dort noch hier gehört man dazu.

Und wie fühlen Sie?

Vural: Ich fühle mich hier in Deutschland integriert, als zugehöriger Deutscher. Aber ich fühle mich auch mit der Heimat meiner Eltern verbunden, unabhängig davon, dass ich hier geboren bin. Du kommst in die Türkei und fühlst etwas ganz anderes. Ich komme zurück nach Gießen und denke, endlich bist du wieder zu Hause. Diese zwei Herzen, was Mesut anspricht, schlagen in einem. Das ist vollkommen richtig – und das macht die Sache schwierig.

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