23. April 2020, 07:00 Uhr

Kreativ durch die Krise

Virtueller Verkauf - reale Einnahme: Wie Klubs von einer Online-Plattform profitieren können

Die Einnahmen fehlen, aber die Kosten laufen weiter. Eine Online-Plattform schafft Amateur-Klubs die Möglichkeit, Gelder zu generieren. Die Resonanz ist groß; auch bei den heimischen Vereinen.
23. April 2020, 07:00 Uhr
Die Plattform »Geisterspieltickets.de« bietet Vereinen die Möglichkeit, durch virtuelle Verkäufe von Eintrittskarten, Essen oder Getränken echte Einnahmen in Zeiten der Coronavirus-Krise zu generieren. FOTO: PM

Ein Bierchen gehört ja eigentlich immer dazu. Eine Bratwurst ebenso. Und der Eintritt, na klar! Zehn Euro pro Zuschauer sind beim Fußball auf diese Weise schnell zusammen. Geld, das sich summiert und den Amateurklubs gerade jetzt angesichts der Saison-Unterbrechung fehlt. Die Plattform »Geisterspieltickets« bietet Vereinen nun online die Möglichkeit, trotzdem Einnahmen zu generieren.

Regionalligisten wie Lok Leipzig, Rot-Weiß Essen oder Kickers Offenbach haben’s vorgemacht; im Wetterau zählt Kreisoberligist TSG Ober-Wöllstadt zu den Vorreitern. Doch längst richtet sich das Angebot nicht nur an Fußballer. Längst hat sich das Projekt »Geisterspieltickets« herumgesprochen. »Inzwischen sind bei uns auch Rugby-, Darts-, Schach- oder Schützen-Klubs registriert. Auch in anderen Bereichen, beispielsweise für Veranstalter kultureller Events, ist eine Nutzung denkbar«, sagt Gerrit Kremer von Anbieter »Doppelpass UG« zu dieser Plattform, die Amateurklubs über die Zeit der Coronavirus-Krise hinweghelfen soll.

Am 1. April ist »Geisterspieltickets.de« online gegangen, in den ersten 24 Stunden hatten sich bereits 50 Klubs gemeldet, heute sind es über 500 - Tendenz steigend. Die Idee: Den Klubs über wenige Maus-Klicks Einnahmen zu ermöglichen; in der Ausgestaltung der Preise sind die Vereine flexibel. Bei der TSG Ober-Wöllstadt kostet beispielsweise das virtuelle Bier ebenso wie der Apfelwein zwei Euro, die Wurst gibt’s für 2,50 Euro, die Kiste Bier für 25 Euro. »Wir finden das eine lustige Idee und eine coole Sache, ein virtuelles Bier zu trinken«, sagt Stefan Schneider, Vorstandsmitglied der TSG. »Uns fehlen - wie auch allen anderen Klubs - Einnahmen, wobei die Kosten weiterlaufen.«

Online-Plattform startet durch

Bezahlt wird beispielsweise per Pay-Pal oder mit Kreditkarte. 80 Prozent »seiner« Einnahmen erhält der Klub, 20 Prozent gehen als Betriebskosten an den Plattform-Betreiber. Kosten für eine Anmeldung entstehen nicht. »Bevor sich jeder Verein für sich um technischen Support bemüht und selbst eine Plattform bastelt - hier ist man mit wenigen Klick schnell registriert«, sagt Schneider, der von positiven ersten Reaktionen aus dem Umfeld zu berichten weiß. Nach inzwischen drei Wochen wurden auf der gesamten Plattform über 6800 Tickets, 5200 Würstchen, 7500 Bier und 1500 Bierkisten verkauft.

Die Idee stammt ursprünglich aus einer Online-Plattform des TC Freisenbruch. »Wir wollten, dass auch alle anderen Vereine in Deutschland daran partizipieren, die so etwas nicht so einfach umsetzen können«, sagt Kremer. Dass der Kreisligist aus Essen die Idee »Geisterspiel-Shop« rasch realisieren konnte, ist kein Zufall. Denn ein Großteil des Vereinslebens spielt sich schon lange online ab. Mitglieder bestimmen dort unter anderem über die Aufstellung, Finanzen und Transfers mit. Der TC Freisenbruch bezeichnet sich als Deutschlands erster digitaler Fußball-Klub.

Betreiber und Nutzer von der Geisterspiel-Plattform zeigen sich durchaus kreativ. So manche Jugendmannschaft verzichtet beispielsweise auf den Bier-Verkauf, setzt stattdessen auf Limonade oder Wasser. Mancher Klub bietet seinen Fans auch VIP- oder Dauerkarten oder - ganz original - »Helga’s Frikadelle« an.

Klubs haben jederzeit die Möglichkeit, ihr »Kassenbuch« einzusehen. Abgerechnet wird am Monatsende. Und sollten die einbehaltenen Betriebskosten die tatsächlichen Kosten überschreiten, so hat der TCF angekündigt, 50 Prozent dieser Summe der von den Nationalspielern Leon Goretzka und Joshua Kimmich ins Leben gerufenen Aktion #WeKickCorona« als Spende zur Verfügung zu stellen.

Diese heimischen Vereine machen mit

Etliche Sportvereine aus dem Landkreis Gießen und dem Vogelsbergkreis haben inzwischen die Plattform »Geisterspieltickets.de« für sich entdeckt. So sind neben der FSG Grünberg/Lehnheim/Stangenrod auch die Fußballer des TSV Burg-/Nieder-Gemünden, die besonders viel Liebe zum Detail in ihren Auftritt gesteckt haben, des TSV Klein-Linden, der FSG Lumda/Geilshausen und der SG Salzböde-Lahn dabei. Auch die Handballer der HSG Hungen/Lich, der HSG Kleenheim-Langgöns und der HSG Lollar/Ruttershausen versuchen, ihre Vereinskasse während der Corona-Krise etwas aufzubessern - ebenso die Tischtennisgemeinschaft Mücke. Am Mittwoch vermeldeten die Organisatoren der Plattform, dass bei den Spenden die 100 000-Euro-Marke geknackt wurde.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Betriebskosten
  • Einnahmen
  • HSG Hungen/Lich
  • Ideen
  • Internet
  • Joshua Kimmich
  • Kickers Offenbach
  • Krisen
  • Leon Goretzka
  • Plattformen
  • Rot-Weiß Essen
  • Sport-Mix
  • Stefan Schneider
  • TSG Ober-Wöllstadt
  • TSV Klein-Linden
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen