18. Oktober 2020, 22:08 Uhr

Viertelstunde zum Vergessen

18. Oktober 2020, 22:08 Uhr
JSA
Hüttenbergs Vit Reichl setzt sich schön gegen die Bietigheimer Abwehr durch. Er erzielt bei der 20:22-Niederlage seines Teams vier Treffer. FOTO: THÜRMER

TV 05/07 Hüttenberg


Der TV 05/07 Hüttenberg bleibt in der 2. Handball-Bundesliga auch nach dem 20:22 (6:13) am Samstagabend gegen die SG BBM Bietigheim sieg- und punktlos. Schuld daran waren - erneut - 15 schwache Spielminuten und ein 0:9-Lauf vor der Pause.

Erstmals in der Rittal-Arena, erstmals vor Zuschauern. Die Rahmenbedingungen unter den gegebenen Corona-Umständen hätten nicht besser sein können, um aus Sicht des TV 05/07 Hüttenberg gegen den Favoriten aus Bietigheim eine Überraschung zu vollbringen. Und doch saß am Ende in der Pressekonferenz ein sichtlich geknickter und nachdenklicher TVH-Coach Frederick Griesbach, der schwer an der Niederlage seines Teams zu knabbern hatte.

So wirkten die Hausherren förmlich angestachelt von der Unterstützung durch Trommler und 625 Besucher. Die Hütenberger Abwehr zeigte sich enorm beweglich, die immer wieder aggressiv den Angriffsfluss Bietigheims unterbrach und die Zuschauer mitriss. Nachdem Ryuga Fujita zuvor erstmals vor heimischer Kulisse getroffen hatte, besorgte Hendrik Schreiber eine 4:1-Führung (9.). Mit diesem Schwung schien etwas möglich zu sein für den TVH, zumal Torhüter Dominik Plaue schon früh einige Möglichkeiten vereitelte. Doch seine Teamkollegen verpassten es in der Folge immer wieder, die Führung auszubauen, denn es schlichen sich wieder technische Fehler ein. Bis zum 6:4 durch den bis dato gut aufspielenden Dieudonne Mubenzem nach 15 Minuten sah das alles vielversprechend aus - aber dann: Alles, womit die Hüttenberger den Favoriten bis dahin geärgert und in Schacht gehalten hatten, funktionierte nicht mehr. Statt die Chancen zu nutzen und mit fünf, sechs Toren selbst vorne zu liegen, erinnerte die folgende Viertelstunde an die spielentscheidende Anfangsphase des vergangenen Wochenendes gegen Rimpar. Nichts, aber gar nichts mehr lief zusammen. Auch die bis dahin zwei vergebenen Strafwürfe spiegelten das wider.

SG bestraft alle Fehler gnadenlos

Die Bietigheimer hingegen bewiesen, warum sie zum engen Kreis der Aufstiegskandidaten zählen. Gnadenlos bestraften die Gäste die fehlerhaften Minuten des Gegners vor dem Wechsel und legten einen 9:0-Lauf zur 13:6-Pausenführung hin. Insbesondere ihr Top-Torschütze Christian Schäfer fand in dieser Phase seinen Rhythmus. Die Stimmung auf den Rängen sank auf dem Tiefpunkt.

»Wir wollten die Zuschauer abholen und in unseren Bann ziehen. Das ist uns nur teilweise gelungen. Wir hören vor der Halbzeit auf, als Mannschaft zu spielen und stehen uns damit bei allem selbst im Weg, gehen nur noch in Eins-gegen-eins-Duelle«, sagte Griesbach. Sein Trainerkollege Hannes Jón Jónsson gab Einblicke in die Änderung nach seiner Auszeit unmittelbar vor dieser Phase: »Hüttenberg hat uns das Leben extrem schwer gemacht. Ich habe in der Auszeit dann einige Dinge angesprochen und die Abwehr verändert. Mit solch einer Führung dann in die Halbzeit zu gehen, war für uns natürlich sehr komfortabel.«

Der zweite Durchgang begann wieder vielversprechend für den TV Hüttenberg. Fujita verkürzte auf 8:13. Doch die insgesamt sieben Zeitstrafen brachten die Mittelhessen immer wieder aus ihrem Flow. In der 39. Minute erzielte das 18-jährige Eigengewächs Philipp Schwarz seinen ersten, vom Publikum umjubelten Bundesligatreffer. Schreiber, der an dem Abend so einiges einstecken musste, führte sein Team in der 44. Minute auf 13:17 heran. Den folgenden Angriff der Gäste vereitelte einmal mehr Plaue, sodass zum gefühlt dutzenden Mal die Chance bestand, nochmals in Schlagdistanz zukommen. Mubenzem scheiterte allerdings an Edvardsson im Tor der SG, und Schäfer zog mit dem 18:13 endgültig den Stecker.

Kleins spätes Erfolgserlebnis

Bezeichnend auch, dass Johannes Klein nach 48 Minuten sein erster Tagestreffer gelang. Wie ein Brustlöser schrie er den Frust der vorausgegangenen Spielzeit heraus und war danach noch viermal in Serie erfolgreich, was allerdings nichts mehr an der 20:22-Niederlage änderte. Und sicherlich viele der 650 Zuschauer stellten sich hinterher die Frage: »Was wäre, wenn die Mannschaft ihre Leistung konstant über 60 Minuten abrufen würde?« Am Mittwoch wartet der nächste Aufstiegsfavorit, der VfL Gummersbach, als Gastgeber auf den TVH.

Hüttenberg: Plaue, Nikolai Weber; Fuß, Schwarz (2), Opitz, Fujita (2), Ian Weber (2/1), Rompf, Reichl (4), Mubenzem (2), Hübscher, Hahn, Klein (5), Jockel, Schreiber (3).

Bietigheim: Lehmann, Edvardsson; Vlahovic, Rentschler (1), Claus (3), Öhler, Schäfer (8/4), de la Pena (3), Mario Urban, Dahlhaus, Link (1), Asmuth (4), Barthe (1), Lukas Urban, Boschen, Fischer (1).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Dietz/Biehler. - Zuschauer: 650. - Zeitstrafen: 14:8 Minuten. - Rote Karte: Vlahovic (3. Zeitstrafe/38).

JONAS SPÄTH

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