04. Mai 2020, 07:00 Uhr

Handball

Viele personelle Veränderungen beim TV 05/07 Hüttenberg

Der TV 05/07 Hüttenberg steht vor neuen Herausforderungen. Der Zweitligist verliert wichtige Stammspieler. Dennoch blickt der Handball-Club zuversichtlich in die Zukunft.
04. Mai 2020, 07:00 Uhr
Fliegt nicht mehr für den Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg - Moritz Lambrecht beendet seine Handball-Karriere. FOTO: RAS

TV 05/07 Hüttenberg


Am 21. April wurde Gewissheit, was fünf Wochen gemutmaßt wurde: Die Saison 2019/20 in der 2. Handball-Bundesliga endete wegen der Coronavirus-Krise bereits nach dem 24. Spieltag und damit zehn Spieltage früher als vorgesehen. Und wann der Ball wieder fliegen wird, kann keiner in der aktuellen Situation vorhersagen. Der TV 05/07 Hüttenberg beendet damit die Runde auf Tabellenplatz 15 - und damit direkt vor dem Relegationsplatz. Eine Saison, die schon im Vorfeld von Geschäftsführer Fabian Friedrich als »spannendes Projekt« eingestuft wurde und nach finanziellen Schwierigkeiten, unter anderem aufgrund von vertraglichem Klärungsbedarf mit einem geplanten Hauptsponsor, über mal wieder verletzungsbedingte Ausfälle von Leistungsträgern dann in der Corona-Pandemie gipfelte.

Was fehlt? Auf den ersten Blick die restlichen zehn Spieltage. Und damit auch Zuschauereinnahmen aus fünf Heimspielen. Für einen bekanntlich nicht zu den finanzstärksten Teams der Liga zählenden TVH. Der bereits aus der Vorsaison ein Minus zu beklagen hatte. Darüber hinaus fehlt aber auch das gewohnte Saisonabschlussfest nach dem letzten Heimspiel, bei dem die Spieler, die die Mannschaft verlassen, traditionell in einem würdigen Rahmen nicht nur mit Geschenken, sondern auch mit etlichen Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit verabschiedet werden. Gerade da langjährige Leistungsträger wie Moritz Lambrecht, Mario Fernandes und Tomáš Sklenák in der kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Nach Beendigung der Einschränkungen sollten es die Verantwortlichen diesen Gesichtern des Vereins ermöglichen, sich in einem würdigen Rahmen von den treuen Anhängern zu verabschieden. Erste Überlegungen in Richtung eines Abschiedsspieles sind schon angedacht.

Was waren die Höhepunkte - was die Tiefschläge? Ein junger, in der Liga noch unbekannter Trainer, Frederick Griesbach, ist mit Enthusiasmus die Herausforderung Hüttenberg angegangen und hat seinem Team viel Leidenschaft vorgelebt. Dem 31-Jährigen ist es gelungen, die Leistungsschwankungen der Vorsaison deutlich zu minimieren, auch wenn er selber sagt: »Auf diesem Niveau schafft es kaum eine Mannschaft, ihr Level über 60 Minuten zu halten. Da sind Aufs und Abs nicht zu vermeiden.« Ebenso hat die Mannschaft in den Muss-Spielen gegen die direkten Kontrahenten in der unteren Tabellenregion ihre Hausaufgaben erledigt. »Wir sind gegen die Tabellennachbarn ungeschlagen. Das kann noch entscheidend sein«, hatte Griesbach noch nach dem Unentschieden in Bad Schwartau Anfang Februar gemutmaßt. Der aber dennoch oft genug damit haderte, dass man auch gegen die Mannschaften aus den oberen Regionen durchaus nicht schlechter war, aber dennoch nach dem Abpfiff mit leeren Händen dastand. Fünf Ein-Tore-Niederlagen sowie zwei weitere mit nur zwei Treffern Differenz zeigen, dass durchaus ein paar Punkte mehr drin gewesen wären. Nur drei Punkte mehr auf der Habenseite hätten immerhin Platz elf bedeutet. Ein bisschen weniger Verletzungspech - zeitweise fiel mit Kapitän Mario Fernandes, Rechtsaußen Tobias Hahn und den Rückraumspielern Markus Stegefelt, Hendrik Schreiber und Dieudonné Mubenzem fast eine komplette Startformation aus - wäre hilfreich gewesen. Den desaströsen Auftritt in der zweiten Halbzeit des nunmehr letzten Heimspieles gegen den HSV Hamburg, der in einer deutlichen 23:32-Klatsche endete, können die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim durch den Saisonabbruch auf lange Zeit nicht vergessen machen. Dass es aber auch ganz anders geht, hat man schon früh in der Saison mit dem spannenden Heimsieg gegen den HSC 2000 Coburg, der nun als deutlicher Tabellenführer in die Beletage aufsteigt, bewiesen. Zudem gelang es auch einzelnen Hüttenberger Akteuren, sich in den Liga-Statistiken im Vorderfeld zu zeigen. Während sich Torhüter Nikolai Weber, trotz zweier Spiele Verletzungspause, mit 16-Siebenmeter-Paraden gleichauf mit Champions-League-Teilnehmer Filip Ivic vom VfL Gummersbach den dritten Platz im Liga-Ranking teilt, brillierte Björn Zintel als sechstbester Zweitliga-Torjäger mit 133/29 Treffern. Speziell im November war der 24-Jährige mit 37 Toren in vier Spielen nicht zu bremsen.

Welche Veränderungen sind klar - trotz aktueller Ungewissheit? Im Tor und auf den Linkshänderpositionen gibt es ebenso keine personelle Veränderungen wie auf dem linken Flügel, wo Christian Rompf und Robin Hübscher ihre auslaufenden Kontrakte verlängert haben. Der schwedische Halblinke Markus Stegefelt wird von Routinier Stefan Kneer von der HSG Wetzlar ersetzt. Der ehemalige Nationalspieler kam dort allerdings vor seiner Verletzungspause meist in der Abwehr zum Einsatz. Der Tscheche Vit Reichl und Nachwuchstalent Patrick Jockel sollen die Lücke schließen, die durch das Karriereende von Moritz Lambrecht und der Weggang von Kapitän Mario Fernandes hinterlassen wurde. Auf der Spielmacherposition soll U20-Nationalspieler Ian Weber, der weiterhin ein Zweitspielrecht in Wetzlar besitzt, eine ähnliche gute Entwicklung wie sein Nationalmannschafts-Zimmerkollege Merlin Fuß nehmen. Allerdings sind die Fußspuren, in die er nach dem Abgang von Routinier Tomáš Sklenák tritt, groß. Zumal auch noch der Verlust von Björn Zintel, dessen Vertrag ausläuft, droht. »Gerade jetzt einen neuen Vertrag ab dem 1. Juli abzuschließen, wäre absolut fahrlässig. Das gilt auch im Bezug auf andere Spieler«, gibt Geschäftsführer Friedrich die aktuelle ungewisse Lage wieder. Dem aber auch klar ist, dass Zintel durchaus auch ein Kandidat bei anderen Vereinen ist, sodass mit Zintel und Stegefelt vermutlich die beiden besten Schützen - und mit zusammen 217 Toren mehr als ein Drittel aller Treffer - zukünftig nicht mehr für den TVH auflaufen werden.

Wohin geht der Weg? Es sind viele Parallelen zum Absturz bis in die 3. Liga nach dem vorletzten Erstliga-Abenteuer 2011/12 zu erkennen. Verlor man damals nach der Saison Trainer Jan Gorr, so musste man 2017 sogar mitten in der Saison Aufstiegscoach Aðalsteinn Eyjólfsson zum Liga-Konkurrenten nach Erlangen ziehen lassen. Und genauso wie sich 2012 Spieler ins Rampenlicht gespielt und Begehrlichkeiten geweckt hatten, ist nun auch zwei Jahre nach der Rückkehr aus dem Oberhaus die personelle Fluktuation riesengroß. Mit Christian Rompf, Moritz Zörb, Tobias Hahn und Johannes Klein, der erst im Laufe der Saison 2017/18 in den Erstligakader befördert wurde, werden in der kommenden Saison nur noch vier Spieler das Blau-Weiß-Rote Trikot tragen, die auch das Abenteuer 1. Handball-Bundesliga mitgemacht haben. Und auch die Entwicklung in der Tabelle zeigt verdächtige Gemeinsamkeiten: jeweils Rang zehn im ersten Jahr nach dem Abstieg, knapp vor den Abstiegsplätzen im Jahr darauf. Man darf sehr gespannt sein, ob die Handballer aus der Handkäsehochburg die Kurve bekommen, um nicht wie 2015 den Weg in die Drittklassigkeit antreten zu müssen.

Immerhin ist man in der Kooperation mit dem Bundesligisten und Nachbarn HSG Wetzlar weiter. So wechseln junge Talente wie Hendrik Schreiber, Ian Weber, Tim Lauer und Malvin Werth nicht nur auf Leihbasis in die jeweilige Mannschaft des Nachbarvereins, die nach gemeinsamer Einschätzung und Abwägung den Akteuren bestmöglichste Einsatzzeiten und damit Entwicklungsmöglichkeiten in den drei obersten deutschen Handballligen ermöglichen sollen. Auch gestandene Erstliga-Akteure wie Christian Rompf, Tobias Hahn, Nikolai Weber und ab der kommenden Runde auch Stefan Kneer können mit etwas reduziertem Aufwand beim TVH noch wichtige Stützen sein.

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