11. März 2020, 22:27 Uhr

Corona-Krise

Verunsicherung und Sorgen bei Topklubs

Geisterspiele, Absagen oder Partien mit begrenzten Zuschauerkapazitäten - die Verunsicherung durch die Corona-Krise im heimische Spitzensport ist groß.
11. März 2020, 22:27 Uhr

»Die Situation ist absolut existenzbedrohend«, sagt Björn Seipp, der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, der damit seinen Kollegen - auch aus anderen Sportarten - aus der Seele spricht. Das für Samstag angesetzte Handball-Zweitliga-Spiel des TV 05/07 Hüttenberg gegen den TuS N-Lübbecke wurde am Mittwochnachmittag bereits abgesagt.

Die nächste Heimpartie der HSG Wetzlar ist für den 22. März gegen die Füchse Berlin geplant. Bis dahin wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die zeitlich nicht definierte Verfügung des Lahn-Dill-Kreises noch inkraft sein, nach der Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen untersagt sind. »Geisterspiele und Spiele unter der 1000-Zuschauer-Grenze sind für uns nicht darstellbar«, sagt Seipp klipp und klar. Für ihn ist auch klar, dass es nur eine gemeinsame Linie der gesamten Liga geben kann. Die Verantwortlichen der Handball-Bundesliga, in der wegen der Länderspielpause erst am 19. März wieder Begegnungen angesetzt sind, treffen sich am Montag in Köln zu einer Sondersitzung, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ein sofortiges Saisonende kann sich Seipp derzeit nicht vorstellen, schon eher eine Spielpause, um das weitere Procedere in Ruhe zu besprechen. Der HSG-Geschäftsführer fordert auch finanzielle Unterstützung vom Staat. »Wir haben Verständnis für die Politik. Die Politik muss aber auch uns verstehen. Für uns, und das betrifft wohl alle Ligen außerhalb des Profifußballs, ist die Lage absolut existenzbedrohend. Wir müssen schauen, wie wir die nächsten Wochen überstehen.«

In der Basketball-Bundesliga tagen die Klubvertreter bereits am Donnerstag in Stuttgart - hier drängt die Zeit, denn schon für Freitag ist das Kellerduell zwischen dem Mitteldeutschen BC und den Gießen 46ers in Weißenfels angesetzt, für das am Mittwoch zumindest das örtliche Gesundheitsamt Publikum zugelassen hat. »Ich würde es begrüßen, wenn man in einer gewissen Art und Weise die Saison zu Ende bringen kann. Das wäre die beste Lösung. Aber da hat die Politik einen großen Einfluss drauf, was im Endeffekt geschieht«, sagte 46ers-Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Koch zur Gemengelage, und ergänzte: »Wir planen in alle Richtungen, wir müssen nach allen Seiten hin offen sein: Ob weitergespielt, ob abgebrochen wird oder die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden.«

Eine klare Meinung zumindest zu Begegnungen ohne Publikum hat Wolfgang Wiedlich, der Präsident des Gießener Ligakonkurrenten Telekom Baskets Bonn. Er hält Ligaspiele ohne Zuschauer aus finanziellen Gründen für ausgeschlossen. »Ich behaupte einmal, dass kein Nicht-Fußballklub es wirtschaftlich durchsteht, die restliche Bundesliga-Saison ohne Ticketerlöse zu bestreiten«, sagte Wiedlich dem »Bonner Generalanzeiger«. Gunnar Wöbke, Geschäftsführer der Skyliners Frankfurt, sprach sich für eine Aussetzung des Ligabetriebes für vier Wochen aus. Alba Berlin wird bis zum Ende der Osterferien die Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen, teilte der Klub auf seiner Homepage mit. Zuvor hatte die Berliner Gesundheitsverwaltung bis zum Ende der Osterferien Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern untersagt.

Landkreis Gießen entscheidet am Donnerstag

Im Gegensatz zum Lahn-Dill-Kreis gibt es im Landkreis Gießen noch keine Entscheidung, wie man mit öffentlichen Veranstaltungen verfahren wird. Die Verantwortlichen des Landkreises Gießen treffen sich am Donnerstag zu Beratungen. Fußball-Regionalligist FC Gießen geht unterdessen davon aus, dass die Begegnung am Samstag (14 Uhr) gegen die TSG Balingen ohne größere Einschränkungen ausgetragen wird. »Nach aktuellem Stand findet das Spiel am Samstag wie geplant statt«, teilte der FC am Mittwochmittag mit. Das letzte Heimspiel gegen Koblenz hatten am 29. Februar 800 Zuschauer besucht.

Hüttenberger Spiel abgesagt

In der 2. Handball-Bundesliga wurde hingegen am Mittwoch die Begegnung des TV 05/07 Hüttenberg gegen den TuS N-Lübbecke auf einen unbestimmten Termin verschoben. »Aufgrund der aktuellen Lage fühlt sich der TV 05/07 Hüttenberg gegenüber seinen Mitarbeitern, Fans und Ehrenamtlichen dazu gezwungen«, heißt es in einer Mitteilung des TVH. »Die Mehrzahl der Partien vom Wochenende sind verschoben worden. Auch eine Veranstaltung mit weniger als 1000 Personen in unserer kleinen, engen Halle wäre nicht verantwortungsbewusst, daher haben wir uns, nach Absprache mit dem Gastverein sowie der Handball-Bundesliga, dazu entschlossen, unser Heimspiel nicht auszutragen«, wird Fabian Friedrich, der Geschäftsführer der Hüttenberger Handball-Marketing GmbH & Co. KG, zitiert.

Ebenfalls abgesagt wurde das für Samstag geplante Gastspiel von Handball-Drittligist HSG Wetzlar U23 beim TV Großwallstadt, wie HSG-Trainer Thomas Weber bestätigte.

ARCHIVFOTO: OV

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