29. Juli 2017, 08:00 Uhr

Ollis Tagebuch

Trainingslager der HSG Wetzlar: Wasserknappheit und Angst vor dem Aufnahmeritual

Das Trainingslager der HSG Wetzlar in Portugal neigt sich dem Ende zu. Dem schwedischen Neuzugang Olle Forsell-Schefvert gefällt's, wenn da nicht noch ein Ritual auf ihn warten würde...
29. Juli 2017, 08:00 Uhr
Olle Forsell-Schefvert hat durchgeladen. Im Hintergrund beobachtet Kai Wandschneider die Trainingsszene. (Foto: Vogler)

Tag fünf im Trainingslager der Bundesliga-Handballer aus Wetzlar im portugiesischen Santo Tirso. Um 7 Uhr war heute aufstehen angesagt, wir leiden unter Wasserknappheit. Deswegen gab es zusammen mit Betreuer Stefan Rühl nur ein kleines Frühstück, denn schon vor 9 Uhr hieß es: Wasser und Crushed Ice für die Spieler organisieren. Ein vom Hotel Cidnay bereitgestellter Fahrer hat uns freundlicherweise zum Supermarkt am anderen Ende von Santo Tirso gefahren. Da noch zwei Tage Trainingslager vor uns liegen, hieß es für »Migge« Rühl und mich, knapp 150 Liter Mineralwasser und 25 Kilogramm Crushed Ice für die Eiswannenbehandlung zur besorgen. Auch wenn der Jumbo-Supermarkt recht groß war – wir haben den gesamten Vorrat an Wasser aufgekauft. Die Marktangestellten staunten nicht schlecht.

Nach der Laufeinheit am Morgen standen zwei weitere intensive Trainingseinheiten in der Sporthalle auf der Agenda. Am Abend sollten viele Spieler platt und fertig sein, allen voran der schwedische Neuzugang Olle Forsell-Schefvert, mit dem ich mich in der Mittagspause kurz unterhalten konnte. Olle, geboren vor 23 Jahren, hat das Handballspiel quasi in die Wiege gelegt bekommen. Seine Mutter war schwedische Handball-Nationalspielerin und Vater Ulf Schefvert ebenfalls Handball-Spieler und auch -Trainer (u. a. bei GWD Minden in der Bundesliga).


Olle Forsell-Schefvert schätzt die Ruhe

Olle, der bereits eine Woche vor Trainingsbeginn in seine neue Heimat nach Lahnau gezogen ist, fühlt sich in Mittelhessen bereits sehr wohl. »Es ist alles sehr klein hier, fast so wie in Schweden. Ich bin in der ersten Woche viel herumgefahren und habe mir einiges angeschaut. Was auffällt ist, dass es hier sehr ruhig ist – das gefällt mir. Viele Mannschaftskollegen wohnen bei mir in der Nähe und helfen mir, mich einzuleben«, blickt der Rückraum-Akteur auf die erste Zeit zurück. Doch nicht alles ist toll: »Das einzige, was mir momentan Sorgen bereitet, ist mein Weisheitszahn, der mich sehr quält, da er entzündet ist. Ich hoffe, dass er am Montag gezogen wird, wenn wir wieder in Deutschland sind.«

Olle, der als Kind viele Sportarten ausprobiert hat – von Fußball über Eishockey bis hin zu Golf – ist dann irgendwann beim Handball gelandet. »Das hat mir am meisten Spaß gemacht, und meine Eltern haben mich immer unterstützt.« Vater Ulf, der von 2010 bis 2013 Bundesliga-Trainer in Minden war und als Spieler bzw. Coach sechs nationale Titel in Schweden einfahren konnte, hatte nach Olles Aussagen viel Einfluss auf dessen Wechsel nach Wetzlar. »Mein Vater hat zu mir gesagt, dass die Bundesliga ganz anders ist als die schwedische Liga. Zudem seien viele deutsche Trainer und Verantwortliche unberechenbar, denn an einem Tag würden sie dich herzlich umarmen, am nächsten Tag wären sie stinksauer. Aber die Trainer machen nun mal die Regeln«, sagt Olle augenzwinkernd.


Deutsche Grammatik macht das Lernen schwer

Wie auch immer – der Vater ermutigte ihn zum Wechsel nach Wetzlar. »Mach das, Kai wird dich enorm verbessern«, soll Papa Schefvert zu Olle gesagt haben, dessen Ziel natürlich auch irgendwann einmal die schwedische Nationalmannschaft ist. »Ich möchte zunächst erst einmal deutsch lernen und jeden Tag ein paar Sätze mehr sprechen. Dann möchte ich ein guter Bundesliga-Spieler werden und mit der HSG Wetzlar erfolgreich sein, da hoffe ich natürlich auf viele Spielanteile, dann sehen wir weiter.« Zum Thema Sprache sei angemerkt, dass sich die skandinavischen Akteure bei der HSG Wetzlar in einem Mix aus norwegisch, schwedisch und dänisch unterhalten, die Olle jedoch noch nicht so ganz versteht.
 



»Vieles aus diesem Kauderwelsch verstehe ich überhaupt nicht, wir Schweden werden von den Norwegern und Dänen sehr gut verstanden, die norwegische und schwedische Sprache ähneln sich sehr. Das Dänische hingegen verstehe ich überhaupt nicht. Es ist für uns Skandinavier wesentlich leichter, Deutsch zu lernen, als für die Spieler vom Balkan. Aber die deutsche Grammatik ist schon sehr schwer.«

Zum Trainingslager in Portugal sagt das neue Rückraum-Ass: »Es ist hart, und wir sind auch alle ziemlich platt und müde. Sehr hart ist für mich die morgendliche Laufeinheit. Da ich vor kurzer Zeit noch zwei Operationen an meinem Knie hatte, fällt mir das Laufen auf Asphalt noch ein bisschen schwer, aber die Trainer wissen, dass es gerade bei Temperaturen um 35 Grad sehr schwer für uns Spieler ist. Das individuelle Training in der Halle ist sehr, sehr gut.«


Angst vor dem Aufnahmeritual

Tag sechs hält noch einmal zwei harte Einheiten in der Halle bereit, ehe es nach Porto zum Teamabend geht. Olle sieht dem Abend mit gemischten Gefühlen entgegen. »Ich habe gehört, dass es da so ein Aufnahmeritual gibt, das macht mir schon ein bisschen Angst. Ich hoffe, dass mich meine Kameraden nicht zu sehr durch den Kakao ziehen werden. Aber ich freue mich auch darauf. Ebenso freue ich mich aber auch, wenn wir am Samstag wieder nach Hause fahren«, sagt der sympathische Schwede.

Aber Olle ist nicht der einzige, den es vor dem Teamabend graust, denn auch ich muss mich dabei vor der ganzen Truppe blamieren, das wurde mir aus Spielerkreisen schon so angedeutet. Aber da ich bekanntlich viel Spaß mitmache und auch selber über mich lachen kann, lasse ich das ganze mal auf mich zukommen ... Davon dann am Montag mehr. Außerdem gibt’s noch ein Resümee des Trainingslagers und Eindrücke vom Heimflug.

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