05. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Eintracht Frankfurt

Ticket-Hype, Uli Stein und alte Tausender

Eintracht Frankfurt ist angesagt. Die Ohmtaladler in Homberg gibt’s seit mittlerweile 30 Jahren. In Erinnerung der Mitglieder bleibt vor allem das Gastspiel der SGE-Profis an der »Altenstadt« 2010.
05. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Eintracht Frankfurt


Wenn Uwe Helm am Rechner sitzt und sich auf der Homepage des Frankfurter Fußball-Bundesligisten einloggt, kann es schon mal ein paar Stunden dauern. Helm ist 2. Vorsitzender beim Eintracht-Fanclub (EFC) Ohmtaladler. Er kümmert sich um die Kartenreservierungen für Heimspiele in der Commerzbank-Arena, die von den Hombergern nur »das neue Waldstadion« genannt wird. Der Fanclub hat keine Kontingente, sondern nutzt das Vorkaufsrecht seiner Mitglieder, die gleichzeitig Vereinsmitglied bei Eintracht Frankfurt sind. »Je nach Gegner kann jedes Eintracht-Mitglied bis zu sechs Tickets pro Partie reservieren«, erklärt Helm. Auf diesem Weg kommen etwa 30 Karten für den EFC zusammen.

Um einen Bus zu füllen, braucht es aber weitere 20 Tickets. »Und die zu bekommen, ist nicht gerade leicht«, weiß auch Michael Franke, ebenfalls im EFC-Vorstand. »Der Hype um den Verein ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Es ist derzeit nicht gerade unchic, Eintracht-Fan zu sein.« Das schlägt sich natürlich auch im Kampf um die Karten nieder. Bei Gegnern wie Wolfsburg oder Hoffenheim kommen schon mal Gästekontingente zurück, sodass kurzfristig Restkarten verfügbar sind. Oder es gibt Plätze über den regulären Zweitmarkt der Frankfurter, wo Kartenkäufer ihre bereits erworbenen Tickets mit einem Verlust von zehn Prozent wieder loswerden können. »Das kann passieren, wenn z.B. ein Fanclub seine Stadionfahrt komplett absagen muss, weil das Interesse zu gering ist«, sagt Helm.

Der Verein Eintracht Frankfurt hat mittlerweile gut 80 000 Mitglieder. 2015 lag diese Zahl noch bei 30 000. Vor Kurzem lief die Vorverkaufsphase für die letzten Heimspiele der Rückrunde an. Das Interesse auf der Homepage war so groß, dass es zu viel war für den Server. Uwe Helm saß wie immer am Laptop. »Das kostet Zeit und Nerven. Man loggt sich ein, immer wieder. Dann ist man kurz vorm Ziel, und das Programm stürzt ab.« Dennoch: Die Stadionbesuche lassen sich die Homberger nicht nehmen. Pro Halbserie stehen vier bis fünf Liga-Heimspiele auf der Agenda. Dazukommen Auswärtsfahrten und die Einsätze im Europapokal, bei denen die Ohmtaladler nicht fehlen dürfen.

Bei der Verteilung der Tickets im Fanclub geht es fair zu. Es gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Bekanntgabe der Fahrten erfolgt in Printmedien und sozialen Medien sowie über einen Aushang in der Homberger Hainmühle, Vereinsdomizil und Gründungsstätte des EFC. »Die Karten gehen auch an Nichtmitglieder raus. Die zahlen nur einen leicht erhöhten Buspreis«, erklärt Vorsitzender Ralf Schneider. Für die Karte an sich gilt der gleiche Betrag wie für Fanclub-Mitglieder. Zuletzt gegen den VfL Wolfsburg waren das 34 Euro für einen Platz im Westbereich der Arena. Der Bus nach Frankfurt hält in Alsfeld, Kirtorf, Homberg, Büßfeld, Bernsfeld und Atzenhain - je nach Teilnehmern. Am Stadion fährt man den Parkplatz Gleisdreieck an.

Bei Auswährtsfahrten ist man auf die Fan- und Förderabteilung (FuFa) der Eintracht oder den Fanclub-Verbund Oberhessenadler angewiesen. Letzteren organisiert mit Stefan Schabl ein Homberger, der zudem Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender der Ohmtaladler ist. Um der FuFa anzugehören und damit dem Verein Eintracht Frankfurt beizutreten, werden monatlich 6,33 Euro fällig. Die Mitgliedschaft im EFC kostet indes nur 2,50 Euro.

Kein Verständnis für Pyrofackel-Werfer

Etwa 250 Mitglieder zählen die Ohmtaladler. Neben den Stadionbesuchen prägen Weihnachtsfeiern, Sommerfeste und die Teilnahme an diversen Fußballturnieren das Vereinsleben. Höhepunkt in drei Jahrzehnten war zweifellos das Gastspiel der Eintracht-Profis an der »Altenstadt«. 2010 konnte der EFC das Team des damaligen Trainers Michael Skibbe, das an der Grünberger Sportschule sein Sommertrainingslager absolvierte, an die Ohm locken. 2500 Zuschauer verfolgten das 10:3 von Sebastian Rode, Sonny Kittel und Co. gegen eine verstärkte FSG Homberg/Ober-Ofleiden. Der Sommer-Kick der Profis lohnte sich auch finanziell für den EFC, wenngleich Vorstandsmitglied Franke verrät: »Wenn man bedenkt, dass sie ohnehin in Grünberg waren, mussten wir schon ganz schön tief in die Tasche greifen.«

Einen warmen Geldsegen für weitere Stadionfahrten hatten die Ohmtaladler eine ganze Zeit zuvor in anderer Form erfahren. Martin Fenin, Manni Binz und Jay-Jay Okocha waren über die Jahre hinweg im Ohmtal zu Besuch - zu Fan-Pressekonferenzen. 1994 erschien Torwart-Legende Uli Stein. Dem gefiel es so gut, dass er sich zu einer privaten Spende in Form eines 1000-Mark-Scheins entschloss.

Unschönes erlebten die Ohmtaladler dagegen bei den Ausschreitungen, die in der Frankfurter Ultraszene immer mal wieder an der Tagesordnung sind - zuletzt in der Europa League bei Vitória Guimarães im Oktober. Im März diesen Jahres beim Auswärtscoup in Mailand waren Franke und Co. mit den Ohmtaladlern sogar im gleichen Block wie einige der Chaoten. »Unser ältestes Mitglied - der Mann ist 81 - hat noch versucht, einen dieser Pyrofackel-Werfer zu beeinflussen. Das war ein ganz junger Kerl von 17 oder 18 Jahren, der hat dann gesagt: ›Halt die Fresse, sonst fliegst du hier über die Brüstung.‹ Einfach nur beängstigend«, blickt Franke zurück. Im Homberger EFC distanziert man sich klar von dieser Form des »Supports«. Ein Fackelwerfer in den Reihen der Ohmtaladler hätte keine Chance. »Den würden wir sofort ausschließen.«

Vereinsleben bei den Ohmtaladlern: Vor dem Heimspiel gegen Wolfsburg auf der Eintracht-Bank (oben), Gaudi-Turnier in Ober-Ofleiden (unten links) und Fan-PK mit Uli Stein. Fotos: privat

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