24. Mai 2017, 12:15 Uhr

Leidenszeit

Sonny Kittel: »Ich gebe nie auf«

Trotz seines jungen Alters war er bereits mehrfach am Knie verletzt. Doch er kam zurück. Jetzt blickt der Gießener Sonny Kittel auf seine erste Saison beim FC Ingolstadt zurück – und nach vorne.
24. Mai 2017, 12:15 Uhr
Der Gießener »Bub« Sonny Kittel im Interview mit Redakteur Wolfgang Gärtner nach dem letzten Heimspiel des FC Ingolstadt gegen Schalke 04. (Foto: smg)

Der 24-Jährige Sonny Kittel hat eine unglaubliche Leidenszeit hinter sich. In seiner jungen Karriere war er bereits mehrmals schwerwiegend an beiden Knien verletzt – zweimal Kreuzbandriss, zweimal Knorpelschaden. Doch der technisch versierte Offensivspieler aus Gießen, der mit sechs Jahren vom VfB 1900 Gießen zu Eintracht Frankfurt wechselte und sich vor einem Jahr dem FC Ingolstadt anschloss, gab nie auf und kämpfte sich immer wieder heran.

Wie war Ihr erstes Jahr beim FC Ingolstadt ?

Sonny Kittel: Für mich war es nach meiner Verletzung erst einmal wichtig, stabil auf die Beine zu kommen. Das ist mir hier gelungen. Mich hat hier jeder im Verein super aufgenommen und mir von Anfang an vollstes Vertrauen geschenkt. Das ist das, was ich gebraucht habe. Das habe ich nicht immer gefühlt und gespürt.

Aber es war ein harter Anfang.

Kittel: Es war zu Beginn der Saison nicht einfach für mich. Ich durfte nicht mittrainieren und hatte immer Einzeltraining. Insgesamt war es aber der richtige Schritt für mich. Ich glaube, das in mich gesteckte Vertrauen habe ich in den letzten Wochen zurückgezahlt.

Ich glaube, das in mich gesteckte Vertrauen habe ich in den letzten Wochen zurückgezahlt

Sonny Kittel

Dennoch der Gang in Liga zwei.

Kittel: Natürlich bin ich traurig und enttäuscht, dass wir abgestiegen sind. Für mich persönlich bin ich aber auf einem guten Weg. Ich hoffe weiter, dass ich Fußball spielen kann und Spaß dabei habe. Ich hatte schon so viele schlimme Zeiten in meiner Karriere, nicht so viel Spaß und nicht so viele Dinge zum Lachen. Jetzt bin ich einfach nur froh, dass es so ist wie es ist – trotz der aktuellen Situation. Aber es geht immer weiter. Man muss immer daran glauben und dafür kämpfen. Das ist meine Einstellung. Das ist mein Charakter: Ich gebe nie auf und arbeite immer hart an mir. Egal, wie schlimm die Situation auch ist.

Haben Sie noch einen Vertrag für die kommende Saison und ist der auch für die zweite Liga gültig?

Kittel: Ich habe Vertrag bis 2018 – und der ist auch gültig für die zweite Liga.

Für Sie war es doch erst einmal wichtig, gesund zu werden, Ihren Körper zu spüren und zu sagen, jetzt kann ich wieder schmerzfrei angreifen.

Kittel: Das war natürlich das, woran ganz viele nicht gedacht haben. – und deswegen bin ich dem Verein dankbar, weil er mir diese Chance gegeben hat. Ob es Harald Gärtner, Thomas Linke oder auch Markus Kauczinski, der mich unbedingt haben wollte, und natürlich jetzt auch Trainer Maik Walpurgis, der mir die Chance zum Spielen gegeben hat, waren: Ich bin jedem dankbar, der ganzen Mannschaft.

Das ist mein Charakter: Ich gebe nie auf und arbeite immer hart an mir. Egal, wie schlimm die Situation auch ist

Sonny Kittel

Sie sind mit 24 Jahren noch jung, wenn es gut läuft, haben Sie noch ein paar Jahre als Profi vor sich. Da kann man noch einen Aufstieg feiern...

Kittel (lacht): Auf jeden Fall. Man muss aber realistisch sein und abwarten, wie letztlich die Mannschaft aussieht. Du kannst nicht sagen, wir steigen auf jeden Fall auf und dann verlassen uns noch einige Spieler. Natürlich ist von jedem das Ziel, dort wieder hinzukommen, wo wir waren.

Charakter und eine unglaubliche Moral hat der FCI immer bewiesen.

Kittel: Wir haben in dieser Saison in jedem Spiel, in den schlechtesten Situationen, in denen niemand mehr an uns geglaubt hat, als Team an uns geglaubt. Und wir haben in jedem Spiel gezeigt, dass wir mindestens auf Augenhöhe sind, auch gegen die Topteams. Das zeigt, dass der Verein das Potenzial hat, in der ersten Liga mitzuhalten. Und es ist doch klar, dass jeder von uns dort wieder hin will. Deswegen spielen wir Fußball: Wir wollen so erfolgreich wie möglich sein.

Welche Emotionen kamen in Ihnen auf, als Sie im letzten Spiel gegen Schalke von den Fans gefeiert wurden, als wären sie Meister geworden?

Kittel: Ich war selbst, ich will nicht sagen überrascht. Aber was die Fans geboten haben, war etwas Besonderes. Hier in Ingolstadt ist nicht alles so groß – das muss auch nicht sein, wenn du solche Fans hast wie hier. Die sind einfach super. Ich fand es einfach toll, dass sie uns nicht ausgepfiffen und beleidigt haben. Sie standen immer zu uns, auch als der Abstieg klar war. Das war für uns alle ein Supergefühl.

Meine Familie hat immer zu mir gehalten – auch in den schlimmsten Phasen, in denen niemand mehr an mich geglaubt hat

Sonny Kittel

Stehen Sie in Kontakt mit Nico Rinderknecht – dem zweiten Gießener »Bub« in Ingolstadt?

Kittel: Nico ist vor ein paar Monaten in die U23 geswitched und hat dann dort trainiert und gespielt, war aber auch vereinzelt bei uns. Für ihn war es wichtig, dass er Spielpraxis erhalten hat. Und da macht es auch Sinn, mit den Jungs, mit denen du spielst, auch zu trainieren. Nico hat viel Potenzial und ist ein guter Junge. Mich freut das natürlich, dass noch ein Gießener hier ist. Wir spielen ab und zu Playstation und sehen uns auch. Ich versuche, ihm immer zu helfen oder einen Rat zu geben.

Und wie läuft es bei Ihrem Bruder Sammy in der neuen Umgebung?

Kittel: Er spielt in der U17, nächstes Jahr in der U19. Er entwickelt sich gut. Aber er muss noch sehr, sehr hart an sich arbeiten. Ich wünsche ihm vom ganzen Herzen, dass er so glücklich wie möglich ist und dass er seine Ziele erreicht, die er sich gesetzt hat. Er ist mit Herz, Leidenschaft und großem Willen bei der Sache. Es freut mich zu sehen, wie er alles gibt, um vielleicht einmal professionellen Fußball spielen zu können.

Blicken Sie ab und zu noch zum »Gießener« Fußball?

Kittel: Die Teutonia aus Watzenborn-Steinberg habe ich im Netz verfolgt. Immer geschaut, wie sie sich machen. Es hat aber nicht mit dem Ligaerhalt geklappt. Aber es freut mich, wenn in Gießen ein wenig höherklassiger Fußball gespielt wird. Das wäre schön für die Stadt.

Sind Sie noch oft in Gießen?

Kittel: Ich bin nur selten in Gießen. Meine Familie besucht mich oft. Das letzte Mal war ich an Weihnachten in Gießen.

Die Familie ist wichtig für Sie?

Kittel: Ja. Ich bin ein Familienmensch. Meine Familie hat immer zu mir gehalten – auch in den schlimmsten Phasen, in denen niemand mehr an mich geglaubt hat. Sie war immer für mich da.

Info

Steckbrief

Sonny Kittel / geboren am: 6. Januar 1993 in Gießen / Größe: 1,79 m / Position: Offensives Mittelfeld / Aktueller Verein seit 3. Juli 2016: FC Ingolstadt 04 / Vertrag bis: 30. Juni 2018 / Jugendvereine: VfB 1900 Gießen, ab 1999 Eintracht Frankfurt / ab 2010 Profi bei Eintracht Frankfurt.

 

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