09. Mai 2020, 07:00 Uhr

Fußball

So startet der Gießener Fußball nun wieder

Ab dem heutigen Samstag ist Vereinssport in Hessen in Trainingsform wieder erlaubt. Während die TSG Wieseck schon loslegt, tun sich viele heimische Fußballvereine damit noch schwer.
09. Mai 2020, 07:00 Uhr
Training auf Abstand: So könnte es bald auch auf den Sportplätzen in den Fußballkreisen Gießen und Alsfeld aussehen. FOTO: PV (Foto: Unbekannt (SV MATTERSBURG))

Heute um 10 Uhr beginnt die U12 der TSG Wieseck wieder mit dem Mannschaftstraining. »Wir trainieren, weil wir besser werden wollen. Alle sind heiß drauf«, sagt Fußball-Jugendleiter Deniz Solmaz. »Bis Dienstag werden alle Jugendteams wieder trainiert haben. Wir haben genug Trainingsformen, bei denen wir den nötigen Abstand einhalten können. Auch Desinfektionsmittel und kontrollierte Laufwege sind kein Problem«, erklärt der 35-Jährige. »Wir haben eine klare Taktung, wer wann kommt und haben seit Wochen einen Plan in der Tasche, den wir jetzt umsetzen.«

Die Wiesecker legen nach dem Öffnen des Corona-Kabinetts um Kanzlerin Angela Merkel und der Ministerpräsidenten für einen kontrollierten Trainingsbetrieb also wieder los - und stellen damit an diesem Wochenende eine klare Ausnahme im Kreis dar.

»Extreme Regelungen«, gelte es zu erfüllen, sagt Rocco Aiello vom TSV Lang-Göns. »Man hätte die Vereine früher dafür sensibilieren können, was sie erwartet«, meint Matthias Richter, Jugendleiter des JFV Mittelhessen. Beide Vereine seien gewillt, den Jugendbetrieb wieder anlaufen zu lassen, aber: »Wir werden Minimum zwei Wochen brauchen, ehe wir starten können«, sagt Aiello. »Wir müssen nun die Rahmenbedingungen schaffen und mit den Trainern sprechen. Wir wollen die Vorgaben umsetzen und machen keinen Schnellschuss.«

Die Vorgaben stammen vom Hessischen Fußballverband, der am Donnerstagabend zwei dicht beschriebene Seiten an alle Vereine verschickt hatte. Darin gibt der HFV »Tipps zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes in Vereinen« (siehe unten).

Nach wie vor gilt: Es muss ein Abstand von 1,5 bis 2 Meter eingehalten werden, außerdem müssen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen eingehalten werden. Darüber hinaus dürfen weder Umkleiden und Duschen noch Vereinsheime geöffnet sein.

Generell erwägen vor allem die Jugendabteilungen, den kontrollierten Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen. »Es geht ausschließlich darum, den sozialen Kontakt in einem gewissen Abstand wieder herzustellen«, sagt Matthias Richter. »Es ist wichtig, dass sich die Mannschaften einfach mal wieder sehen.«

Rocco Aiello sagt: »Wir wollen den Kindern in den nächsten Wochen wieder die Möglichkeit geben, Fußball zu spielen - damit wollen wir auch Mitglieder binden und halten.«

Der VfR Lich würde im Jugendbereich gerne wieder trainieren, sagt Jugendleiter Markus Strauch. »Aber die Anlage ist von der Stadt noch gesperrt.« Städte und Kommunen haben jeweils die Entscheidungsbefugnis für die jeweilige Freigabe - die notwendig ist für das Training.

Für die Senioren, dazu zählt auch Regionalligist FC Gießen, der weiterhin auf 100 Prozent Kurzarbeit setzt, ergibt eine Wiederaufnahme des Trainings nur begrenzt Sinn. »Entweder wird die Saison im September fortgesetzt oder die neue Spielzeit soll dort beginnen«, weiß Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr. »Für welches Ziel also trainiere ich jetzt im Mai, wenn der Spielbetrieb vermutlich frühestens im September wieder anläuft?« Am Sonntag will sich Mohr in einer Videokonferenz mit den heimischen Fußballvereinen ab 10 Uhr ein Stimmungsbild einholen.

Vieles deutet in Hessen auf einen Saisonabbruch hin. Das bestätigt auch Gießens Kreisjugendfußballwart Klaus-Jürgen Schretzlmaier: »Die Tendenz geht dahin, dass es zu einem Auslaufen der Saison kommen könnte.«

Am 16. Mai will das Präsidium des HFV nach Rücksprache mit den Kreiswarten und Regionalbeauftragten einen Vorschlag für das weitere Vorgehen bekanntgeben, der bei einem virtuellen Verbandstag Ende des Monats zur Abstimmung gebracht werden soll.

Auch wenn der Wettkampfbetrieb ruht - zumindest die Öffnung der Sportplätze eröffnet zugleich neue Möglichkeiten. Klaus-Jürgen Schretzlmaier weiß: »Viele Vereine scharren mit den Hufen.«

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