15. Mai 2020, 12:00 Uhr

Fußball

So läuft Jugendtraining mit Desinfektionsmitteln, Abstand und Co.

Der JFV Mittelhessen ist einer der ersten Vereine im Gießener Kreis, der in dieser Woche wieder auf den Platz gegangen ist. Wir haben das Training begleitet und schildern es aus fünf Blickwinkeln.
15. Mai 2020, 12:00 Uhr
Jugendleiter Matthias Richter (l.) desinfiziert Hände von Spielern.

Tempo, Jungs, Tempo! Konzentriert euch, ihr habt Bock!«, ruft Daniel Akyüz, A-Jugendtrainer des JFV Mittelhessen über den Kunstrasen in Steinbach. Am Dienstagabend, 12. Mai, 18 Uhr, finden sich die A-Junioren als eines der ersten Teams im Fußballkreis Gießen mit 14 Mann auf dem Platz zusammen - eine Besonderheit unter erschwerten (Hygiene-) Bedingungen. Wir beleuchten die Herausforderung aus fünf verschiedenen Perspektiven.

Der Jugendleiter: »Die letzten Tage waren heftig«

Der Jugendleiter (Matthias Richter, JFV Mittelhessen): »Meine Tage vom Freitag bis zum ersten Training am Dienstag waren heftig. Zunächst bin ich von Supermarkt zu Supermarkt zu Drogeriemarkt gefahren, um ausreichend Desinfektionsmittel und Seife zu bekommen. Die Absperrbänder und Zäune zu organisieren war Arbeit, ein Zeitplan musste erstellt werden, alles richtig kommuniziert werden.

Die erste Woche gilt bei uns als Probephase. Jeden Tag kommen zwei Teams für jeweils eine Stunde auf den Platz, zwischen den Einheiten sind 15 Minuten Übergangszeit eingeplant. Die Mannschaften stoßen durch verschiedene Ein- und Ausgänge nicht aufeinander. Wir haben die Trainer eingebunden, Unterschriften der Eltern gesammelt. Alle Anwesenden zu dokumentieren, ist machbar. Am Samstag schult eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt die E-Jugend.

Insgesamt hätte ich mir von dem Verband aber vor der Öffnung mehr Informationen gewünscht. Wir als Ehrenamtliche haben da sehr viel Arbeit - und machen das, damit sich die Jungs mal wieder sehen können.«

Der Spieler: »Ich habe das echt vermisst«

Der Spieler (Tom Sinkel, A-Jugend JFV Mittelhessen): »Es war richtig geil, mal wieder auf dem Platz zu stehen. Gerade die lockere Stimmung untereinander und das Quatschen habe ich echt vermisst - das hat das Training jetzt auch ausgezeichnet. Ich nehme das Thema ernst - es war wichtig, dass sich alle an die Abstandsregeln gehalten haben.

Der Trainer hat in der Whatsapp-Gruppe und im Spielerkreis noch einmal die Regeln erklärt. Das Training hat Spaß gemacht, wird aber auf Dauer denke ich zu eintönig.«

Der Trainer: »So ist das nur bis zur C-Jugend sinnvoll«

Der Trainer (Daniel Akyüz, A-Jugend JFV Mittelhessen): »Als Trainer habe ich mir vorher Gedanken gemacht, es war aber keine große Schwierigkeit, eine Einheit unter diesen Bedingungen abzuhalten. Mit einer U19 ist das kein Problem. Meiner Meinung nach macht Fußballtraining unter diesen Hygienevorgaben aber nur bis zur C-Jugend Sinn, danach wird es sehr schwer, auf alles zu achten und alles einzuhalten. Den Ball in die Hand zu nehmen, das ist etwas Intuitives, das war eine Riesenumstellung. Die Trainingsformen bei Kindern können auch schwer über eine große Distanz gewählt werden.

Die Freude vor dem ersten Training nach der Pause war riesengroß, aber ich persönlich hoffe, dass die Phase nun nicht länger als einen Monat anhält. Fußball soll verbinden, es heißt Fußball spielen. Das ist so nur begrenzt möglich.«

Der Vater: »Ich vertraue auf die Vernunft meines Sohnes«

Der Vater (Dimitrios Lambrinos, sein Sohn spielt in der B-Jugend des JFV Mittelhessen): »Wir Eltern sind heilfroh, wenn die Kinder wieder organisiert raus können. Die Sozialkontakte waren extrem reduziert. Ich habe mich mit mehreren Elternteilen unterhalten: Wir sind vollkommen einverstanden damit, dass es diese Auflagen gibt. Wir sind bereit, alles hinzunehmen, solange die Kinder eingeschränkt trainieren dürfen.

In der Whatsapp-Gruppe für die Eltern wurden wir von Matthias (Richter, Jugendleiter, Anm. d. Red.) immer informiert, er hat uns auch das Schreiben vom Verband zukommen lassen. Wir wurden gebeten, auf unsere Kinder schon im Vorhinein einzuwirken. Einige wenige Eltern, die eine weitere Anfahrt haben, schauen beim Training normalerweise zu und müssen sich die Zeit nun anders vertreiben.

Wir hoffen auf baldige Lockerungen, aber die Zeitspanne bis zu den Ferien ist ja überschaubar. Was die Gefahr einer Ansteckung beim Training angeht: Ich bin aus vollster Überzeugung entspannt, weil ich auf die Vernunft meines Sohnes vertraue.«

Der Politiker: »Man steckt im Zwiespalt«

Der Politiker (Stefan Bechthold, Bürgermeister der Gemeinde Fernwald): »Die Vereine müssen schriftlich ein Hygienekonzept vorlegen - Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen lassen sich auf einer offenen Anlage besser einhalten als in einer Halle.

Wir als Kommune öffnen den Platz, die Vereine sind aber auch in Eigenverantwortung gefragt. Wenn du ein gutes Miteinander mit den Vereinen hast und als Gemeinde sagst, das Konzept können wir tragen, dann funktioniert es. Das muss jeder für sich entscheiden. Man steckt im Zwiespalt zwischen erhöhter Vorsicht auf der einen Seite und dem Wunsch, Sport wieder zu ermöglichen, auf der anderen.

Wir behalten uns immer vor, die Sportplätze wieder zu schließen, wenn die Regeln missachtet werden. Da haben wir ein Auge drauf.

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