14. März 2020, 07:00 Uhr

Coronavirus

So gefährdet Corona den mittelhessischen Spitzensport

Einnahmeverluste durch Spielabsagen, verlängerte Gehaltszahlungen, veränderte Trainingszeiten: Der mittelhessische Spitzensport wird durch das Coronavirus vor große Herausforderungen gestellt.
14. März 2020, 07:00 Uhr

Die Massenabsagen durch das grassierende Corona-Virus setzen dem Sport weltweit zu - auch den heimischen Topvereinen. »Der ganze Profisport geht dadurch am Stock und ist in seinem Bestand gefährdet«, meint Björn Seipp, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar. Mindestens bis zum 22. April setzt die höchste Handball-Spielklasse Deutschlands aus, auch die Basketball-Bundesliga mit den Gießen 46ers pausiert zunächst für zwei Wochen, ebenso wie die Fußball-Regionalliga Südwest und der FC Gießen, den die Zwangspause angesichts der finanziell angespannten Lage besonders trifft (siehe unten).

Fehlende Zuschauereinnahmen, Ungewissheit und weitreichende Planungslücken stellen die Sportvereine vor nie dagewesene Probleme. »Was auf die Sportvereine derzeit einprasselt, das gab es, ich möchte nicht übertreiben, aber vermutlich seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr«, sagt Michael Koch, Geschäftsführer und Sportdirektor der Gießen 46ers. »Das passiert einmal pro Jahrhundert. Neben fehlenden Einnahmen durch mögliche Heimspiele vor Geisterkulissen kommen da Themen wie: Zahle ich die Spielergehälter länger, wenn die Saison verlängert wird? Wie verhalten sich die Sponsoren? Bleiben die ausländischen Spieler hier, wollen sie hier bleiben, gibt es Corona-Fälle in der Liga?« Wir haben die komplizierte Lage für die heimischen Sportvereine in fünf Punkten zusammengefasst.

Der zu befürchtende große finanzielle Einschnitt: Noch werden die Spiele in Hand-, Basket- und Fußball nur verschoben, fest steht für den Landkreis Gießen aber schon jetzt: Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sind bis zum 10. April untersagt. Mit Geisterspielen für den Rest der Saison wird allenthalben gerechnet. »Die ambitionierten Vereine sind Wirtschaftsunternehmen, die kostendeckend arbeiten müssen. Es gibt kaum Rücklagen, die Saison ist über zwölf Monate durchgeplant«, sagt Wetzlars Björn Seipp. »Die Haupteinnahmequellen stammen aus dem Sponsoring und dem Ticketing. Die Zuschauereinnahmen machen ein Drittel unseres Budgets aus. Die Einnahmen sind notwendig, um liquide zu bleiben. Wenn wir für zu befürchtende vier Heimspiele Ticketpreise erstatten müssen, entstehen uns sogar noch Kosten. Das alles kann Riesenlöcher reißen.«

Fabian Friedrich, Geschäftsführer von Handball-Zweitligist TV Hüttenberg: »Eine Beendigung der Liga mit Spielen ohne Zuschauer käme nicht nur für uns einer finanziellen Katastrophe gleich. Stand heute ist nicht abzusehen, wie hoch der Schaden sein wird.« Mittlerweile hat auch die Rollstuhlbasketball-Bundesliga mit dem RSV Lahn-Dill die Saison vorzeitig beendet.

Wunsch nach Hilfe aus der Politik: Zuvorderst plädieren die Verantwortlichen für einheitliche Regelungen über die einzelnen Bundesländer hinaus: »Wir brauchen ein Urteil von oben. Damit kann man dann arbeiten«, sagt 46ers-Chef Koch. Die Politik habe mittlerweile verstanden, meint Seipp, »dass man den Sportvereinen helfen muss«. Das Stichwort Kurzarbeit fällt dabei bei allen Betroffenen.

Suche nach Lösungen: Die Vereine versuchen derzeit Zeit zu gewinnen, um sich einen Überblick zu verschaffen. »Wir hängen derzeit zwar alle irgendwo in der Luft, aber man kann sich bestmöglich vorbereiten und in alle Richtungen informieren«, sagt Koch. So habe man bereits Gespräche mit der Berufsgenossenschaft geführt, sagt Seipp. »Aussetzen oder verschieben«, schlägt Koch vor. Auch der kommissarische Geschäftsführer des FC Gießen, Markus Haupt, sagt: »Die einzige gute Nachricht ist, dass wir nun Zeit haben, uns zu sortieren.«

Kein Training: Angesichts der Spielpause und der dynamischen Entwicklung hat Koch den 46ers inklusive Jugend gestern bis Montag Trainingsverbot erteilt. Bei der HSG Wetzlar berät man über solche Entscheidungen in einer Telefonkonferenz am Montag, der RSV Lahn-Dill hat den Trainingsbetrieb eingestellt.

Verständnis für die Absagen: Trotz der schwierigen Lage zeigen alle Vereinsvertreter Verständnis: »Seit Tagen geht es schon längst nicht mehr um die Frage wer steigt ab, wer auf, wer wird Meister, sondern nur noch um den bestmöglichen und verantwortungsvollen Umgang mit einer Ausnahmesituation«, erklärt Andreas Joneck, Geschäftsführer des RSV Lahn-Dill.

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