24. März 2020, 18:51 Uhr

»Sind keine Traumtänzer«

Die Basketball-Bundesliga (BBL) leidet schwer unter der Coronakrise. Bei einigen Clubs geht es ums Ganze, am Mittwoch sollen die nächste Schritte beschlossen werden.
24. März 2020, 18:51 Uhr
Bundesliga-Basketball mit Bjarne Kraushaar (4) und den Gießen 46ers in der Osthalle ist in dieser Saison kaum noch vorstellbar. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Die Clubs kämpfen um ihre Existenz, viele Stars sind längst ausgeflogen, und eine präzise Prognose der Krise ist noch immer nicht möglich - schwere Zeiten, in denen die Vertreter der Basketball Bundesliga (BBL) am Mittwoch den nächsten Schritt festlegen. Auch ein vorzeitiger Saisonabbruch ist nicht mehr ausgeschlossen.

»Natürlich sind wir keine Traumtänzer, wir können Szenarien bewerten«, sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz: »Trotzdem gibt es das Ziel zu spielen, wenn es irgendwie geht.« Die Situation ist weiter enorm bedrohlich für die Liga, die vor zwei Wochen entschieden hatte, »bis auf Weiteres« mit dem Spielbetrieb auszusetzen.

Holz rechnet je nach Ausgang mit einem Schaden von bis zu 25 Millionen Euro, wie er der »Bild am Sonntag« verriet - das ist eine riesige Summe angesichts eines Gesamtumsatzes von 145 Millionen Euro. Es gilt zu retten, was zu retten ist. Und als Liga zusammenzubleiben.

Alle jetzt verfügbaren Optionen bereiten den Verantwortlichen Schmerzen, ein Saisonabbruch, mit dem immer mehr Club-Vertreter rechnen, wohl die größten. Die zunächst fast ausgeschlossenen Geisterspiele erscheinen dagegen mittlerweile als eine Art »Best-Case«. Dann könnten zumindest die Sponsoren und TV-Partner noch bedient werden.

Sollte die Saison tatsächlich fortgesetzt werden können, würde es in den Hallen wohl ein seltsames Bild geben. Ein Großteil der Profis aus den USA ist längst zu den Familien in die Heimat geflogen, nur wenige haben noch einen Vertrag und würden zurückkehren.

Abgesehen von Brandon Thomas ist etwa kein Amerikaner mehr bei den Gießen 46ers - sechs Spieler sind weg. Auch in Göttingen, Hamburg, Vechta, Bonn, Braunschweig, Bayreuth oder Weißenfels hat längst die Abreisewelle eingesetzt.

Allein das zeigt, dass die Vereine vor großen Herausforderungen stehen. So hat Rasta Vechta nach eigenen Angaben bereits in den »totalen Krisenmodus« geschaltet. »Jeder Cent muss nun zweimal umgedreht werden, damit wir in der Zukunft Jobs erhalten können«, sagte Klubboss Stefan Niemeyer.

Der Mitteldeutsche BC aus Weißenfels startete am Montag ein Crowdfunding. Die Telekom Baskets Bonn haben vier Spielerverträge aufgelöst und mit den übrigen Profis »mehrheitlich Kurzarbeit vereinbart«. Die Crailsheim Merlins stehen vor dem gleichen Schritt. »Das ist mehr oder weniger angeleiert«, sagte Geschäftsführer Martin Romig: »Wir können ja nicht den Laden zumachen.«

Der Clubboss glaubt trotz der aktuellen Krise fest an das Fortbestehen der Merlins. Auch 2020/21 werde Crailsheim im Oberhaus spielen, »ob wir dann weiter die Cinderella-Story liefern können oder die arme Kirchenmaus sind, das wird sich herausstellen.«

Crailsheim lag sensationell auf dem dritten Tabellenplatz, als der Spielbetrieb eingestellt wurde. Ob es in dieser Saison noch weitergeht, will Romig vor der Sitzung der Clubs am Mittwoch nicht prognostizieren: »Alle Varianten sind irgendwo möglich oder denkbar. Letztendlich müssen wir als Liga entscheiden, in welche Richtung das geht.«

Bei den Merlins hat noch keine Spielerflucht begonnen. Romig will andere Wege gehen. »Jeder Standort hat mit eigenen Themen zu kämpfen. Es wird schon seine Gründe haben, warum woanders die Verträge so schnell aufgehoben oder aufgelöst werden.«

Für diese Praxis ernteten die Clubs Kritik von Holz. »Wir hatten uns kürzlich schließlich einstimmig auf eine Beschlusslage geeinigt, die Saison wieder aufzunehmen«, sagte er Sport 1: »Die Clubs haben nun im Alleingang Fakten geschaffen.« Holz kann »aus persönlicher Sicht die Situation der Spieler verstehen«, fragt sich aber, warum sich die Clubs mit den Spielern nicht auf unbezahlten Urlaub verständigt haben.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Basketball
  • Basketball-Bundesliga
  • Brandon Thomas
  • Deutsche Telekom AG
  • Gießen 46ers
  • Holz
  • Krisen
  • Telekom Baskets Bonn
  • Weißenfels
  • SID
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.