04. September 2020, 07:00 Uhr

Rund um das Stadttheater

Sehnsucht nach Radsport

Das Radrennen »Rund um das Stadttheater« dreht am Sonntag wieder seine Runden in der Gießener Innenstadt. Doch in diesem Jahr ist vieles anders.
04. September 2020, 07:00 Uhr
Das Rennen »Rund um das Stadttheater« erfüllt am Sonntag nach der langen Corona-Zwangspause die Sehnsucht nach Radsport. FOTO: FRIEDRICH

Die Tradition bleibt erhalten. Das Radrennen »Rund um das Stadttheater« steigt trotz Coronoa-Pandemie. Aber: Keine Umkleide- und Duschmöglichkeiten für die Teilnehmer, keine Verpflegung und Sitzgelegenheiten für die Zuschauer: Die Auflagen zur Eindämmung der Pandemie fordern Entbehrungen. Die ausrichtende Radsportgemeinschaft Gießen und Wieseck stand in diesem Jahr vor einer ganz ungewohnten Art der Vorbereitung. »Alles was sonst Routine und mit einem kurzen Anruf erledigt war, ist nicht vorhanden. Wir hatten komplett neue Planungsaufgaben«, sagt der Vereinsvorsitzende Torsten Günther und ergänzt: »Außerdem hätte es jederzeit sein können, dass das Rennen wegen der Entwicklung der Fallzahlen doch nicht stattfinden kann«.

Herausforderungen zu meistern sei man seit der Wiederauflage des Rennens im Jahr 2012 gewohnt, so Günther. In enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Gießen und den Ämtern der Stadt Gießen hat das Organisationsteam der RSG Gießen und Wieseck ein umfangreiches Hygienekonzept ausgearbeitet, das den Renntag prägt und ihn erst möglich macht.

Der Zuschauerbereich an der Johannesstraße zwischen dem Stadttheater und der Sparkassen-Zentrale ist in diesem Jahr abgesperrt. Er kann mittels Zugangskontrolle nur von einer festgelegten Anzahl an Personen betreten werden, wenn diese sich über eine Smartphone-App namentlich registriert haben. Teilnehmer und Zuschauer sind nicht nur durch die übliche Absperrung an der Rennstrecke voneinander getrennt. Die Startaufstellung erfolgt hinter der Sparkasse. Direkt vor dem Rennen werden die Sportler über ein Einbahnstraßensystem an die Strecke geführt, während ankommende Rennfahrer separat abgeleitet werden.

Das Hygienekonzept erfordert einige zusätzliche Helfer mit ganz neuen Aufgaben. Den Rennfahrern eine der wenigen Startmöglichkeit in diesem Jahr zu bieten, nennt Günther als Antrieb für sein Organisationsteam. Die gut gefüllten Starterlisten, für die es diesmal keine Nachmeldungen am Renntag gibt, belohnen diesen Einsatz. 240 Anmeldungen verteilt auf acht Rennklassen, für die alle eine Teilnehmerbegrenzung galt, lagen bei Meldeschluss vor.

Gefahren wird nach fliegendem Start auf der traditionellen 800 Meter langen Runde durch die Johannesstraße, Neuen Bäue, Südanlage und die Goethestraße. Zumindest das vermittelt ein wenig Normalität in diesen ungewöhnlichen Zeiten.

Um 9:30 Uhr machen die Schüler U 15 und Jugend U 17 den Anfang. Kimi Tjark Dauber, Samuel Möller und Tim Nissel von der RV Gießen-Kleinlinden sind im Feld der U 15 vertreten. Auf den ersten Blick nicht durch heimische Vereinsfarben zu erkennen ist der in Kleinlinden wohnende Arvid Koop, denn er trägt in der U 17 das Trikot der RSG Frankfurt.

Einige bekannte Gesichter zwischen zahlreichen Süd- und Nordhessen sind im Hobbyrennen ohne Rennlizenz ab 10:45 Uhr über 30 Runden (=24 km) zu entdecken, darunter die am Stadttheater sehr erfahrenen Markus Turschner (RSG Gießen und Wieseck) und Mike Pommerening (RV Gießen-Kleinlinden). Mit ihrer jahrelangen Erfahrung auf dem schnellen Innenstadtoval dürften sich auch Thomas Hockauf und Christian Schmidt von der RSG Gießen und Wieseck bei den Senioren II und III in Szene setzen, die ab 11:20 Uhr unterwegs sind.

Um 12 Uhr fällt der Startschuss für die Elite der Frauen. Hier sind die Blicke auf die Fahrerinnen der heimischen Radbundesliga-Mannschaft RSG Gießen Biehler gerichtet, die in sehr guter Verfassung sind, während ein Teil ihrer Teamkolleginnen zeitgleich beim Mannschaftszeitfahren der Radbundesliga in Genthin unterwegs ist. Svenja Betz, Anna Giesen, Anja Schneidenbach, Diana Steffenhagen und Amélie Hild dürften eine gute Formation sein, um in Gießen die Konkurrenz mit mannschaftlicher Taktik und der Verstärkung durch Julia Schallau (RSG Gießen und Wieseck) im Griff zu haben.

Junioren und Amateure fahren ab 13:50 Uhr anders als im Vorjahr und die vorherigen Klassen nicht um den finalen Endspurt, sondern wieder um Wertungspunkte, die in regelmäßigen Abständen eingeläutet werden. Ebenfalls per Glocke wird auf Prämienrunden für die Fahrer hingewiesen. Sehr gut aufgestellt ist die ausrichtende RSG Gießen und Wieseck hier mit Daniel Novak, Stefan Wahner, Valentin Szalay, Florian Anders und Moritz Schütz. Während Szalay im Vorjahr Dritter wurde, konnte Anders das Rennen im Jahr 2018 für sich entscheiden und war im Vorjahr Zweiter. Zwei Siege (2012 und 2014) sowie zwei zweite Plätze (2013 und 2016) bei »Rund um das Stadttheater« gehen auf das Konto von Schütz, bei dem interessant sein dürfte, in welcher Verfassung er nach nunmehr drei Jahren ohne Rennlizenz ist. Mit auf der Rechnung haben sollte man in jedem Fall auch den in Wieseck lebenden Sean Feldhaus vom MSV Essen-Steele. Für die RV Gießen-Kleinlinden ist André Müller am Start.

Als »Großer Preis der Stadt Gießen« gehen dann die Elite Amateure auf die letzten 70 von insgesamt 370 Runden. Genaues Hinsehen gilt auch hier: Der gebürtige Vetzberger Niclas Zimmer ist mit seinen Radbundesliga-Teamkollegen vom Team Erdinger Alkoholfrei am Start und mit den zahlreichen Antritten aus den Kurven des Innenstadt-Ovals heraus gut vertraut. Das Quartett dürfte wiederum Marc Dörrie und seine vier Mannschaftkollegen vom Team Lotto-Kern Haus im Auge haben, die die Favoritenrolle im Kampf um den Tagessieg durchaus bei sich sehen dürften. Doch auch in den ungewöhnlichen Zeiten der Corona-Krise gilt: Die Fahrer machen das Rennen schnell und das Radrennen »Rund um das Stadttheater« ist immer für eine Überraschung im Rennverlauf gut.

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