01. Mai 2018, 13:07 Uhr

Schrecken die Recken auch im Pokal?

01. Mai 2018, 13:07 Uhr
Casper Mortensen im Trikot der TSV Hannover-Burgdorf gilt als einer der besten Bundesliga-Linksaußen. (Foto: dpa)

Zum ersten Mal überhaupt steht Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf am 5. und 6. Mai in der Hamburger Barclaycard Arena im Final Four um den deutschen Handball-Pokal. Die »Recken« haben damit schon vorab einen Traum verwirklicht. Doch gerade in den vergangenen Wochen ist die heißeste Mannschaft der Hinrunde leistungsmäßig abgekühlt.

»Mit dem Erreichen des Final Four haben wir schon Geschichte geschrieben«, strahlte Hannovers Linksaußen Casper Mortensen nach dem hauchdünnen 31:30-Viertelfinalsieg gegen Frisch Auf Göppingen Anfang März. Mit dem dänischen Olympiasieger ist auch schon einer der Spieler genannt, die im Halbfinale gegen die HSG Wetzlar am 5. Mai (18 Uhr) im Blickpunkt stehen werden. Mortensen führt seit Wochen die Torschützenliste der Handball-Bundesliga an und rückte vor Kurzem noch mehr in den Fokus, als sein Wechsel zum FC Barcelona bekannt wurde. Ein schmerzlicher Verlust für die Mannschaft des spanischen Trainergespanns Carlos Ortega und Iker Romero. Doch mit ihrem Landsmann Cristian Ugalde (zuletzt bei Champions League-Starter Veszprem/Ungarn) ist inzwischen schon Ersatz gefunden. Mit den beiden Slowenen Nejc Cehte (Rückraum rechts, für Runar Karason/nach Dänemark) und Nationaltorwart Urban Lesjak (für Malte Semisch/nach Berlin) hat man bereits zwei weitere neue für kommende Saison verpflichtet.

Im siebten Anlauf haben es die Hannoveraner nun nach Hamburg geschafft. Immer wieder waren sie gescheitert, in der vergangenen Saison ganz bitter im Viertelfinale in Leipzig. »Das Final Four in Hamburg ist für jeden Handballer etwas ganz besonderes«, sagt Recken-Rechtsaußen Timo Kastening vor dem großen Event, das mit dem ersten Halbfinale zwischen Pokal-Favorit und Bundesliga-Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen gegen den ruhmreichen SC Magdeburg beginnt.

Sollten sich die Mannheimer gegen den SCM durchsetzen, wovon viele Experten ausgehen, weil die Löwen endlich ihren ersten Pokaltitel holen wollen, würden die Hannoveraner bei einem Finaleinzug gegen Wetzlar selbst als möglicher Endspiel-Verlierer in der kommenden Saison international im EHF-Cup spielen. Der Pokal ist so ihre zweite Chance, künftig auch wieder (wie 2013/14 im EHF-Cup) auf europäischer Ebene dabei zu sein.

Die erste ist die Qualifikation über die Bundesliga-Platzierung, doch da sind die Recken ausgerechnet jetzt in der entscheidenden Meisterschafts-Phase etwas vom Kurs abgekommen. Von den vergangenen fünf Auswärtsspielen gingen vier verloren, unter anderem auch bei Halbfinal-Kontrahent HSG Wetzlar mit 26:29. Das Heimspiel gegen die Mittelhessen hatte das Ortega-Team indes mit 30:27 gewonnen. Am vergangenen Sonntag wurden die Recken in Magdeburg mit 22:31 geradezu abgewatscht. Derzeit scheint es doch einige Defizite im Spiel der Hannoveraner zu geben.

»Wir haben ohne Dampf und die richtige Einstellung gespielt«, merkte Torjäger Mortensen selbstkritisch an. »Wir haben nicht gut verteidigt und kein Mittel gegen die Magdeburger Abwehr gefunden«, meinte Geschäftsführer Benjamin Chatton. Dumm für die Hannoveraner, dass mit Olsen und Europameister Häfner (Schulterprobleme) gerade zwei der Kreativspieler momentan nicht auf der Höhe scheinen.

Insgesamt haben die Recken jedoch eine hervorragende Saison gespielt, standen zwischenzeitlich sogar auf Platz eins. Erst im 15. Heimspiel gab es gegen die übermächtigen Rhein-Neckar Löwen die erste Heimniederlage vor fast 9000 Zuschauern. Handball ist mittlerweile in der Landeshauptstadt klar die Nummer zwei nach den Erstliga-Fußballern von Hannover 96.

Coach Ortega hat in Hannover die spanische Handball-Schule eingeführt mit dem Spiel über die starken Kreisläufer Evgeni Pevnov und Ilija Brozovic. Häfner und der zweite dänische Olympiasieger Morten Olsen, manchmal etwas divenhaft agierend, führen das Spiel aus dem Rückraum. Dazu Abwehrchef Sven-Sören Christophersen, der hünenhafte Este Mait Patrail und Urgestein Lars Lehnhoff – bislang stimmte in dieser Saison die Mischung bei den Recken.

Nächstes großes Ziel ist nun das Pokalfinale! Nachdem die Recken die Pokal-Generalprobe versemmelt haben, hoffen sie auf eine gelungene Final Four-Premiere. Die Frage ist, wie sie die jüngsten Misserfolge mental wegstecken. Helmut Anschütz

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