01. Februar 2019, 17:32 Uhr

Schmeichelhafte Punkteteilung

01. Februar 2019, 17:32 Uhr
Altmeister Professor Roland Arbinger steuert einen wichtigen Zähler zum 4:4 bei. (Foto: fjd)

Mit dem 8:0-Heimerfolg über den SC Bad Nauheim unterstrich Spitzenreiter Sfr. Emstal-Wolfhagen (8:0 Punkte) seine Ausnahmestellung in Hessens höchster Schach-Spielklasse. Mit respektvollem Abstand folgen Sfr. Dettingen (6,5:1,5 über Sfr. Neuberg II) und Brett vorm Kopp Frankfurt (4,5:3,5 bei Aufsteiger SG Bensheim), die auf den Rängen zwei und drei jeweils 6:2 Punkte aufweisen. Weiterhin kritisch bleibt die Lage für den SK 1858 Gießen (1:7), der nach drei Pleiten zum Auftakt auch beim designierten Absteiger SK Kassel 1876 über ein 4:4 nicht hinauskam.

Der desillusionierende Auftritt der Mittelhessen beim mit Abstand schwächsten Team der Hessenliga lässt vermuten, dass der SK 1858 bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt wird zittern müssen. Kassel 1876, bei dem vor Saisonbeginn vier Leistungsträger abgewandert waren (überwiegend zum Ligakonkurrenten Wolfhagen), hatte aus den ersten drei Begegnungen lediglich eine von 24 Einzelpartien siegreich gestalten können – gegen Gießen sollten weitere hinzukommen.

Simon Goff (Brett sechs) tappte als Nachziehender in der Sizilianischen Partie (1. e4 c5 2. Sc3 Sc6 3. Lb5 Sd4) in eine altbekannte Eröffnungsfalle, was Kassels Harry Wüstehube die Möglichkeit verschaffte, mittels Figurenscheinopfer unparierbare Mattdrohungen gegen Goffs König zu initiieren (1:0,22 Züge). Ebenfalls kurzen Prozess machte auf der Gegenseite Gießens Mannschaftsführer Thorsten Eckhardt, der mit Schwarz ein scharfes Abspiel der Holländischen Verteidigung (1. Sf3 f5 2. d3 Sf6 3. e4 d6 usw.) äußerst präzise behandelte und bequemes Spiel erlangte. Im Bemühen, seinerseits Initiative zu erlangen, steckte Widerpart Karl-Heinz Schnegelsberg nacheinander drei Offiziere ins Geschäft, wobei der beabsichtigte Königsangriff bereits im Ansatz stecken blieb (1:1).

Absehbar waren die Punkteteilungen an den beiden hinteren Brettern. Jens Bahlo (Brett acht) ließ mit Schwarz in der Tschigorin-Variante (1. d4 Sc6 2. Sf3 d5 3. c4 Lg4) nichts anbrennen, konnte sich den Vereinfachungsbemühungen seines Gegenübers Jens Hohlbein allerdings nicht entziehen, was den Übergang in ein totremises Bauernendspiel implizierte. SK-1858-Neuzugang Himmet Bicer erreichte aus der Slawischen Abtauschvariante heraus ein Endspiel mit Mehrbauer, das jedoch aufgrund der ungleichen Läufer nicht gewinnbringend zu verwerten war. Altmeister Professor Roland Arbinger erreichte gegen Leon Schnegelsbergers Bogo-Inder (1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 Lb4+) eine strukturell leicht vorteilhafte Position mit Druckspiel gegen die isolierten Bauern auf d5 und b7. Als der b7-Bauer dann nach kurzer Belagerung erobert werden konnte, machte Arbingers nunmehr zum Freibauern geadelter a-Bauer das Rennen.

Die Gäste lagen mit 3:2 in Front, doch an den drei Spitzenbrettern zogen dunkle Wolken auf. Fide-Meister Roger Derichs (Brett 1) ließ sich kurz vor der Zeitkontrolle in überlegener Position zunächst die Qualität abjagen, bevor er sich in Zeitnot bei einer Grundlinienkombination des Kasselers Andrei Cherny brutal verrechnete und in der Endabrechnung einen vollen Turm einbüßte (3:3). Holger Burkhardt hatte als Nachziehender im Altinder nicht nur mit dem thematischen Druckspiel gegen seinen d6-Bauern, sondern auch mit Mattdrohungen auf den schwarzen Feldern zu kämpfen, was auch hier Qualitätsverlust für Gießen zur Folge hatte. Mit Glück und Geschick schaffte Burkhardt den Übergang in eine Festung (Weiß: Kf6, Ta7,h4 – Schwarz: Kg8, Ld3, g6), wo die materiell überlegene Partei erstaunlicherweise keine Fortschritte machen kann. Zwischenzeitlich glatt verloren war hingegen das Leichtfigurenendspiel von Peter Rudolph gegen Kassels Tim Höpfner, in der Letzgenannter sein Läuferpaar jedoch nicht optimal zur Geltung brachte, so dass sich Rudolph in ein theoretisch remises Endspiel mit Minusbauer retten konnte (Weiß: Kc6, Sb3, a4 – Schwarz: Kg3, Ld8, a5,b4), welches im 71. Zug remis gegeben wurde.

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