Lokalsport

Rettung mit Umwegen für Gießener SV

Die Volleyball-Spielzeiten 2019/20 werden gemäß der Regelungen des DVV und HVV ohne Vergabe des Meistertitels abgeschlossen. Bezüglich Auf- und Abstieg hat man allen Vereinen, die rechnerisch noch aufsteigen bzw. die Klasse halten konnten, die Chance dazu gewährt. Für den USC Gießen und den Gießener SV haben diese Regelungen verschiedene Auswirkungen. Im Gespräch mit dieser Zeitung äußern sich Stefan Eder (Herren- Trainer in der Oberliga beim USC) und Claus Schüring (Damen-Trainer in der Landesliga beim GSV) zur Situation und wagen einen Ausblick.
13. Mai 2020, 21:38 Uhr
Julian Kaps
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Stefan Eder

Die Volleyball-Spielzeiten 2019/20 werden gemäß der Regelungen des DVV und HVV ohne Vergabe des Meistertitels abgeschlossen. Bezüglich Auf- und Abstieg hat man allen Vereinen, die rechnerisch noch aufsteigen bzw. die Klasse halten konnten, die Chance dazu gewährt. Für den USC Gießen und den Gießener SV haben diese Regelungen verschiedene Auswirkungen. Im Gespräch mit dieser Zeitung äußern sich Stefan Eder (Herren- Trainer in der Oberliga beim USC) und Claus Schüring (Damen-Trainer in der Landesliga beim GSV) zur Situation und wagen einen Ausblick.

Herr Schüring, für Ihre Mannschaft hätte die Regelung des HVV eigentlich den Abstieg mit sich gebracht...

SCHÜRING: Richtig, nach den Regelungen hätten wir normalerweise absteigen müssen. Da die Absteiger aus der Oberliga aber in die Landesliga Süd kommen und es daher zwei Aufsteiger in die Landesliga Nord gibt, muss niemand aus der Landesliga Nord absteigen. Das ist das zweite Jahr hintereinander, in dem wir sportlich abgestiegen sind und trotzdem die Klasse halten, das ist schon fast peinlich. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir leistungsmäßig oft durch Verletzungen eingeschränkt wurden. Dennoch sieht das auch die Mannschaft so: Wir haben in den letzten zwei Jahren viel Glück verbraucht.

Welche Gedanken haben sich Ihre Vereine bereits für die Zukunft gemacht?

SCHÜRING: Ich hatte bisher nur kurz mit dem Vorstand Kontakt und habe mitgeteilt, dass wir die Liga halten werden.

EDER: Das Problem ist, dass man sich aktuell nicht persönlich zusammensetzen und überlegen kann. Daher ist das ins Stocken geraten. Da noch nicht abzusehen ist, wann die Hallen wieder geöffnet sein werden, hängt man etwas in der Luft. Die abschließende Teamsitzung ist auch ausgefallen. Glücklicherweise ist keines der USC-Teams von den Regelungen des HVV bezüglich Auf- und Abstieg betroffen, das war entspannend für uns. Was das Abschneiden der Herren I angeht, sind wir mit dem fünften Platz zufrieden. Das Ziel ist erreicht. Ich erwarte nicht, dass die Oberliga nächstes Jahr aufgrund der Regelungen größer wird.

Welche Einschränkungen erwarten Sie für die nächste Spielzeit?

EDER: Der Saisonbeginn ist für Mitte/Ende September geplant. Mein aktueller Stand ist, dass zu diesem Zeitpunkt normal in die Saison gestartet werden soll. Das setzt natürlich Hallenverfügbarkeit, Training und Versammlungsmöglichkeiten voraus. Das muss für alle Mannschaften gleichermaßen gegeben sein, sonst wäre das Wettbewerbsverzerrung. Ich persönlich bin guter Dinge, dass nach den Ferien ein normal geregelter Spielbetrieb möglich sein wird - im Zweifelsfall mit nur kurzer Vorbereitung.

SCHÜRING: Seriös ist das aktuell nicht zu beurteilen. Ich bin ein Verfechter der nicht ganz so großzügigen Lockerungen. Wenngleich jetzt wieder eingeschränkt Training möglich ist, ist es ja wahrscheinlich, dass sich die Einschränkungen noch lange hinziehen. Das hat massive Konsequenzen für die Saisonvorbereitung.

Wie sieht es aus mit Trainingszeiten und welche Entwicklungen erwarten Sie hinsichtlich der Zuschauer?

EDER: Trainingszeiten sind abhängig von der allgemeinen Lage, wann Hallen wieder öffnen und wann ohne Einschränkungen trainiert werden darf. Viele der Hallen sind ja auch an Schulen gekoppelt. Bezüglich der Zuschauerzahlen sehe ich in den unteren Ligen kein Problem. Wenn der Spielbetrieb zu verantworten ist, wird auch der Rest laufen.

SCHÜRING: In unserer Liga sind die Zuschauer meist aus dem engeren Umfeld bzw. aus dem eigenen Verein, es kommen wenige Leute von anderen Vereinen. Daher trifft uns das nicht in dem Rahmen wie es höherklassige Klubs trifft.

Entstehen für Ihre Vereine finanzielle Nöte oder sogar Existenzängste?

SCHÜRING: Nach meinem Wissensstand kommt der GSV ohne größere Sponsoren aus. Der Verein finanziert sich in erster Linie über Mitgliederbeiträge, Übungsleiterzuschüsse sowie ab und an Spenden. Daher wird sich keine Gefährdung in dem Sinne ergeben. Lediglich eine sehr lange Pause könnte zu weniger Mitgliedern und dementsprechend fehlenden Beiträgen führen.

EDER: Das ist eher weniger ein Thema. Zuschauer- bzw. Werbeeinnahmen sind eher Beiwerk, hauptsächlich finanzieren wir uns durch Mitgliederbeiträge. Die fehlende sportliche Planungssicherheit ist eher das Problem. Durch die Ungewissheit gestaltet sich das Thema Zu- und Abgänge schwierig, da aktuell nicht die sonst üblichen Probetrainings nach Saisonende möglich sind. Ich erwarte daher insgesamt weniger Wechsel, aber viele kurzfristige Wechsel kurz vor Rundenbeginn. FOTOS: HF / JUK

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/Lokalsport-Rettung-mit-Umwegen-fuer-Giessener-SV;art1434,682480

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